Alkholtestkäufe

13. Februar 2019 18:17; Akt: 13.02.2019 18:27 Print

Jeder zweite Betrieb verkauft Alkohol an Junge

28 von 62 getesteten Betrieben verkauften 2018 Alkohol an Jugendliche. Handlungsbedarf sieht die Polizei bei Festbeizen. Was heisst das für die Fasnacht?

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Fast die Hälfte der Läden fiel durch: Von 62 getesteten Betrieben im Kanton Luzern haben 28 bei Kontrollen im Jahr 2018 alkoholische Getränke an Jugendliche verkauft. Bei den getesteten Festwirtschaften fiel die Bilanz noch schlechter aus. 22 von 32 Beizen verkauften alkoholische Getränke an Jugendliche. Das sind 69 Prozent.

«Die Ergebnisse bei den durchgeführten Testkäufe zeigen, dass insbesondere bei Festanlässen Handlungsbedarf besteht», teilt die Luzerner Polizei mit. «Hauptgrund dafür ist, dass an Festivals, Fasnachtsanlässen, Vereinsfesten oder ähnlichen Veranstaltungen häufig ein Grossteil des Personals temporär angestellt ist und über wenig Erfahrung bei der Einhaltung der gesetzlichen Bestimmungen verfügt», heisst es weiter.

«Man muss aktiv sein»

In zwei Wochen beginnt in Luzern die Fasnacht – und dort gibt es viele solcher Festbeizen. Wie gehen die Beizenbetreiber damit um? An Fasnachtsanlässen sei es schwer, den Überblick über den Alkoholverkauf zu behalten, sagt Linus Jäck, Präsident der Vereinigten Guuggenmusigen Luzern.

Jäck ist selber Mitglied in der Chacheler Musig Chriens. «Wir haben die gesetzlichen Vorschriften, die eingehalten werden müssen. Dazu sind überall entsprechende Schilder der Jugendschutz-Kampagne montiert.»

«Man muss Sorge halten»

Das Barpersonal der Guuggen werde bei der Job-Einführung nochmals auf da Thema sensibilisiert. «Wenn die Besucher jung aussehen, dann wird ein Ausweis verlangt. Man muss Sorge halten.»

Bei Vereinsanlässen komme es auch immer wieder vor, dass erwachsene Besucher für ihre minderjährigen Freunde an der Bar Alkohol kaufen. «Darüber haben wir keine Handhabung. Eine Lösung für dieses Problem sind aber verschiedenfarbige Eintrittsbänder. So kann unser Verein eingreifen, wenn ein Jugendlicher mit hartem Alkohol erwischt wird.»

Aber auch die einzelnen Mitglieder der Guugge würden sehr auf die minderjährigen Mitglieder achten. «Jeder Jugendliche hat bei uns einen sogenannten Götti, der aufpasst. Bei Festen wird dann auch darauf geschaut, was getrunken wird.» Jedoch würde jeder Verein dies anders handhaben. «Es ist nicht immer so einfach. Man muss aktiv sein.»

Kanton Luzern über dem Durchschnitt

Im schweizweiten Vergleich schneidet der Kanton Luzern bei den Testkäufen schlecht ab. Der landesweite Durchschnitt liegt laut der Eidgenössischen Zollverwaltung bei 28 Prozent. «Da sind 45 Prozent in Luzern vergleichsmässig schon hoch. Der illegale Verkauf an Festen und Veranstaltungen ist meistens höher als im Detailhandel», sagt der stellvertretende Geschäftsführer Mike Neeser vom Blauen Kreuz Schweiz.

«Um diese Zahl zu reduzieren, gibt es verschiedene Massnahmen. Zum einen die Schulung vom Personal», sagt er. Auf der Website jalk.ch kann kostenlos eine Online-Schulung absolviert werden. Betriebe, die wiederholt Alkohol an Jugendliche verkaufen, müssten verwarnt werden. Die endgültige Massnahme sei die Entziehung der Verkaufsbewilligung.»

(mik/tst)