Kunstprojekt gestoppt

20. Juli 2018 11:44; Akt: 22.07.2018 15:22 Print

Klingelton aus Kirche nervt Nachbarn

Das Kunstprojekt «Zeitzeichen» ging Anwohnern auf den Wecker. Jetzt reagiert die Kirche und stellt den Klingelton vorzeitig ab.

Bei der Peterskapelle in Luzern erklingen während zwei Wochen Handy-Klingeltöne statt Glocken. (Video:sda)
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Der Handyklingelton, der seit Montag vom Turm der Luzerner Peterskapelle erschallt, wird vorzeitig stumm geschaltet. Weil Anwohner negativ auf das Klingeln reagiert haben, wird das Kunstprojekt «Zeitzeichen» schon am 21. Juli statt wie geplant am 30. Juli beendet.

Für einige Nachbarn aus der Altstadt sei die zehnmalige Unterbrechung des Alltags durch den Klingelton vom Kirchturm zu viel, teilte die Katholische Kirche der Stadt Luzern am Freitag mit. «Dies nehmen wir ernst», sagt Andreas Rosar von der Citypastoral der Katholischen Kirche Stadt Luzern. «Zumal die Anlieger derzeit auch dem Baulärm am ehemaligen C&A-Gebäude ausgesetzt sind», so Rosar weiter.

Kompromiss

Die Stadt Luzern hatte für das tönenden Kunstprojekt eine Bewilligung erteilt. Rosar sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur Keystone-SDA, die Beschränkung auf eine Woche sei ein Kompromiss.

Die Luzerner Kunststudentin Klarissa Flückiger, die zusammen mit ihrer Kollegin Mahtola Wittmer das Kunstprojekt ausgearbeitet hatte, zeigte sich auf Anfrage nicht glücklich über den Abbruch. Allerdings wollten sie auch nicht Leute verärgern.

Aus Entlebuch und bis nach London

Immerhin habe es ein paar Tage geklappt, sagte Flückiger. Das Kunstprojekt sei gut angekommen, und sie und ihre Kollegin hätten vor Ort sehr schöne Reaktionen erlebt. So sei eine Familie aus dem Entlebuch extra nach Luzern gereist, weil ihr Sohn den Handyton vom Kirchturm hören wollte. Trotz vorzeitigem Ende bleibt der Termin für die geplante Finissage am 30. Juli auf der Terrasse an der Kapelle.

Das Kunstprojekt «Zeitzeichen» war am Montagmittag gestartet worden. Statt dem gewohnten Glockenschlag im Viertelstundentakt tönt vom Kirchturm in unregelmässigen Abständen und Längen ein weltbekannter Standard-Handy-Klingelton. Ausgelöst wird das Klingeln von den beiden Kunststudentinnen.

«Zeitzeichen» hatte ein grosses mediales Echo hervorgerufen. Nach Angaben der Katholischen Kirche berichteten nicht nur Medien aus der Schweiz, sondern besipielsweise auch die «Salzburger Nachrichten», die «Berliner Morgenpost», das Hamburger Abendblatt, ARD, ZDF, Domradio Köln und schliesslich sogar BBC London über das seltsame Geläut in Luzern. Auch über das vorzeitige Ende des Projekts wurde international berichtet.

Geteilte Meinungen zum Projekt

Unter den Lesern von 20 Minuten hat das Projekt Diskussionen ausgelöst. «Mein Gott, da ertönt gerade zehnmal am Tag die Kirchenglocke und die Leute gehen wegen dieser Nichtigkeit gleich an die Decke?», fragt sich Mathias. Auch W. Ammer gefiel die Aktion: «Das Projekt ist super! Es führt dem Menschen den Spiegel vor Augen und zeigt, dass sie ihr Dasein auf Trivialem und Nichtigem aufbauen.»

Leserin Bea hingegen kann der Aktion nichts abgewinnen: «Entäuschend, dass sich eine Kirche für sowas hergibt», schreibt sie. «Was uns heute so alles als Kunstprojekt verklickert wird, schreit buchstäblich gen Himmel», findet Argus. «Und die Kirchenglocken die Nerven die Nachbarn nicht? Mich schon. Lärm ist Lärm», sagt Km dazu.

Die Peterskapelle in der Luzerner Altstadt ist die älteste Kirche Luzerns. Wie alt die mehrmals veränderte Kirche unmittelbar neben der Kapllebrücke ist, ist unbekannt. Erstmals erwähnt worden war sie 1178. Das Gotteshaus wird zur Zeit renoviert. Die Kirche hatte die Bauarbeiten von Kunstprojekten begleiten lassen, von denen «Zeitzeichen» das letzte ist.

(gwa/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Hubsi am 20.07.2018 12:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    auch gut

    es ist kunst, es kann weg :)

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  • John Free am 20.07.2018 12:15 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst?

    Kunst? Was geht denn alles als Kunst durch und wer bezahlt diesen Mist?

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  • Peter Gadient am 20.07.2018 13:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    " Verblödungsaktion"

    Ja, einen grösseren Schwachsinn habe ich noch nie gesehen. Und dieser Mist soll "Kunst" sein? Das ist noch der grössere Schwachsinn, als vor Jahren einmal ein "Kunstverständiger" in Berlin, in der Adventszeit, mit Toilettendeckel den Christbaum "geschmückt" hat! Auch dieser Schwachsinn wurde dazumal als "Kunst" verkauft. Diese zwei Beispiele zeigen, dass versucht wird, allerlei Mist als "Kunst" zu verkaufen! Allen diesen sogn. "Künstler" gebe ich den Rat, es mit Arbeit zu versuchen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zäni am 04.08.2018 10:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Logisch, dass es nervt mit der Zeit...

    Zehn Mal pro Stunde?? Ich hätte den Klingelton natürlich allerhöchstens jede halbe Stunde, besser noch, nur zur vollen Stunde gemacht....

  • Blasch am 28.07.2018 23:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Klingelton

    Vielleicht gibt der Pfarrer den genervten jeden Monat ein Hunderter Nötli . Dann ist alles ok

  • Kurt am 28.07.2018 23:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glocke

    Was alles nevt die sollen doch auf ein Berggifpel! Dort stört noch eine Krähe.

  • Crashboombang am 23.07.2018 21:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Langeweile und sinnlose Sinnsuche

    Wenn mir langweilig ist, ersinne ich auch so Zeugs; weiss aber gleichzeitig wie schlau es ist, ... gottseidank!

  • Luzerner am 23.07.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Kommt gut an?

    "Das Kunstprojekt sei gut angekommen".... Sieht man, deshalb muss es wieder weg. Für solchen Schwachsinn habe ich echt null Verständnis.