Mehr Sicherheit

14. Mai 2014 16:24; Akt: 14.05.2014 18:09 Print

Luzerner Polizisten sollen Body-Cams erhalten

Polizisten in Luzern könnten künftig mit Mini-Kameras auf der Schulter auf Patrouille gehen. Vorbild ist die Polizei im deutschen Bundesland Hessen, wo man gute Erfahrungen macht.

storybild

Ein deutscher Polizist, der eine Body Cam trägt. (Bild: Hessisches Ministerium des Innern)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Sie sind winzig und werden auf der Schulter getragen: Sogenannte Body-Cams, welche bei Polizisten in Deutschland zum Einsatz kommen. Solche will die FDP nun auch im Luzerner Polizeikorps einführen: Kantonsrat Charly Freitag hat beim Regierungsrat einen entsprechenden Vorstoss eingereicht. Er verspricht sich einiges von der Idee: «Täter reagieren zurückhaltender und mit weniger Gewalt auf mit Kameras ausgestattete Polizeikräfte.» Zudem würden die Body-Cams und die Aufzeichnungen zur Täteridentifizierung beitragen. Die Regierung solle nun prüfen, ob die Body-Cams «die Polizeiarbeit erleichtern, die Polizei schützen und
den Verfahrensablauf erleichtern» könnten.

Freitag verweist auf die Polizei im deutschen Bundensland Hessen, wo der Einsatz der Mini-Kameras seit einiger Zeit getestet wird. Freitag: «Der Feldversuch der Polizei in Frankfurt hat eine hohe Effizienz dieser Technologie gezeigt.» Aktuell werde dies auch in weiteren hessischen Städten gemacht. Der Einsatz, der Umgang und das Verwenden der Videos sei in Deutschland klar geregelt.

Weniger Angriffe auf Polizisten in Frankfurt

Seit Anfang Monat patroullieren neu auch Polizisten in Wiesbaden und Offenbach mit den Cams: Innenminister Peter Beuth gab Anfang Mai die Ausweitung des
Body-Cam-Pilotprojekts auf diese beiden Städte bekannt. In Frankfurt habe man mit diesem Projekt zum Schutze der Polizisten sehr gute Erfahrungen gemacht. Nach Beginn des Projekts in Frankfurt sei die Zahl der Angriffe auf
Polizisten binnen eines halben Jahres von 27 auf 20 Fälle zurückgegangen. Und: Im Gegensatz zu vier verletzten Polizisten im vergleichbaren Vorjahres-Zeitraum seien 2013 keine Beamten verletzt worden. Zum Einsatz kommen die Body Cams in Wiesbaden etwa in Fussgängerzonen, auf dem Campusgelände oder auch bei Veranstaltungen, bei denen mit grösseren Gruppen alkoholisierten Personen zu rechnen sei.

Schweizer Polizei nicht abgeneigt

In der Schweiz sind Body-Cams nach deutschem Modell noch nicht im Einsatz bei Polizisten. Max Hofmann, Generalsekretär beim Verband Schweizer Polizeibeamter, sagt jedoch: «Persönlich bin ich der Meinung, das jedes Instrument, das die Arbeit der Polizei vereinfacht und verbessert, geprüft werden sollte.» Ob es dank Body-Cams in der Schweiz zu weniger Übergriffen auf Polizeibeamte kommen könnte, müsse allerdings noch bewiesen werden, eventuell durch Testphasen. Er verweist darauf, dass erst kürzlich in Neuenburg zwei Polizisten tätlich angegriffen wurden, die einer verletzten Person helfen wollten. Ob dies mit Einsatz der Body Cams nicht passiert wäre, bezweifelt Hofmann. Er sieht im Einsatz der Mini-Kameras auch eine mögliche Gefahr: «Wenn alles gefilmt würde, könnte wegen der Videoaufnahmen plötzlich jeder Polizeieinsatz in Frage gestellt werden.»

Polizei filmt bei Ausschreitungen

Eine Art Body-Cams kamen in der Schweiz schon in Basel oder in St. Gallen zum Einsatz; allerdings wurden diese nicht auf der Schulter getragen, sondern es wurden handelsübliche Helmkameras benutzt, wie sich auch Biker oder Snowboarder tragen (20 Minuten berichtete). In Basel etwa wurden mit Helmkameras beim Spiel FCB gegen Schalke Ausschreitungen gefilmt. Auch die Luzerner Polizei macht bei Ausschreitungen Filmaufnahmen mit herkömmlichen Kameras. Dabei aufgenommene Bilder von Hooligans wurden schon zu Fahndungszwecken im Internet veröffentlicht.

(MME)