«Trash Hero Thailand»

22. April 2015 05:58; Akt: 22.04.2015 11:11 Print

Luzerner wird zum Güsel-Guru in Thailand

von Katja Imhof - Als der Luzerner Roman Peter einen Strand in Thailand aufräumte, halfen ihm plötzlich etliche Leute. Mittlerweile ist daraus eine grössere Bewegung gewachsen.

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Alles begann an einem Montagmorgen im Dezember 2013, als der Luzerner Roman Peter (31) zusammen mit dem Basler Darius Vakili und Einheimischen in Thailand die Idee hatte, einen Strand im Nationalpark auf der Insel Koh Lipe aufzuräumen. «Wir wollten etwas Gutes machen, weil der Strand total zugemüllt war – es war schrecklich», so Peter. Durch den Tsunami von 2004 und Meeresströmungen hatten sich auf dem Strand rund 60 Tonnen Abfall angesammelt.

Als sich der Tag zu Ende neigte, waren der Müllhaufen und die Freude gross: «Wir fühlten uns alle super – es war ein unglaublich befriedigendes Gefühl», so Peter. «Wir wussten jedoch, dass noch viel Arbeit vor uns lag, bis der letzte Strand komplett gesäubert ist.» So kam es, dass sie sich fortan jeden Montag trafen, um Strand für Strand des umliegenden Nationalparks aufzuräumen.

Über 2300 Helfer und rund 50 Tonnen Abfall

Die Aktion schlug hohe Wellen: «Immer mehr Leute nahmen an der Aufräumaktion teil, Einheimische wie auch Touristen – das Ganze ist explodiert.» Aus der Idee im Dezember 2013 ist heute eine Organisation geworden: Der Verein Trash Hero Thailand. Sitz ist im luzernerischen Inwil, wo Peter herkommt.

Der Menschenandrang von Helfern war so gross, dass seit Dezember 2014 in Zusammenarbeit mit dem Departement für Nationalparks, der thailändischen Marine sowie der Lipe Tourist Association ein Lager auf der Insel Koh Rawi betrieben wird. Freiwillige Helfer verbringen dort täglich mindestens vier Stunden damit, Abfall zu sammeln und zu trennen – alles ehrenamtlich. Bis heute wurden 61'500 Plastikflaschen, 80'000 Flip-Flop Schuhe, 16'000 Feuerzeuge, 18'800 Glasflaschen, 200 Kubikmeter Styropor und drei Tonnen nicht verwertbarer Abfall gesammelt.

Gesamthaft wurden bereits rund 2300 Personen für die Aufräumaktionen mobilisiert. Der Erfolg kann sich sehen lassen: Seit Beginn der Aktion sind insgesamt über 50 Tonnen Abfall von den Stränden von Inseln des Tarutao National Marine Parks entfernt worden. Peter betont: «Man sieht bei jedem Menschen, der bei uns mithilft, eine Veränderung – er sieht die Natur mit anderen Augen und überlegt sich zweimal, ob er Müll auf den Boden werfen würde.»

Jetzt wird wieder gesammelt

Derzeit sind die Güsel-Sammler auf der Insel Koh Rawi dabei, Güsel einzusammeln. Die Aktion auf dieser Insel sei die grösste von Trash Hero Thailand jemals organisierte Abfallbeseitigungsaktion, heisst es in einer Mitteilung des Vereins. Seit Dezember läuft die Aktion. Wegen der Regenzeit wird das Camp Anfang Mai beendet.

Die Trash Heros Thailand räumen nicht nur Strände auf, sondern führen Aufräumarbeiten in Dörfern durch, schulen die Bewohner, wie man richtig recycelt, sammeln altes Motorenöl und geben ihr Wissen über die Natur und das Recyceln an thailändische Studenten weiter. In Thailand hat die Organisation bereits Berühmtheit erlangt: Neulich brachte das thailändische Staatsfernsehen eine Sendung über die Trash Heroes – über eine Million Zuschauer verfolgten die Sendung.

Wer mitmachen möchte, kann sich entweder bei Facebook oder per Internet bei Trash Hero Thailand melden. Die Organisation lebt ausschliesslich von Spenden. Peter betont: «Niemand von uns erhält einen Lohn, das Geld fliesst zu 100 Prozent direkt in das Projekt.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kääs Müüsli am 22.04.2015 07:54 Report Diesen Beitrag melden

    WOW !

    Das ist das was die Welt braucht ! Leute die etwas sehen, anpacken und dabei noch eine Begeisterung schaffen, das es andere ihnen gleich tun. Es gibt noch viiiiiel zu tun, um in Asien ein Verständniss für Müll/Natur und deren Wiederverwertung zu schaffen. Es braucht genau solche Pionier Projekte wo wir unser Wissen der Bevölkerung vermitteln können. Schön zu sehen das es noch Entusiasmus ohne Finanzielle Ziele gibt. Weiter swo!

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  • Adrian Hostettler am 22.04.2015 07:50 Report Diesen Beitrag melden

    Wer macht auch mit?

    Ein grosses Bravo!! Ich war vor einigen Jahren am schönsten Strand von Kalabrien, dem Capo Vaticano. Überall hatte es Müll. Jeden Abend trug ich soviel davon hoch wie ich konnte. Nach 14 Tagen waren 200m gesäubert. Da machte das tägliche Sonnenbaden noch mehr Freude. Wer hilft beim nächsten Strandurlaub mit? Plastiksäcke nicht vergessen.

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  • Tina am 22.04.2015 07:58 Report Diesen Beitrag melden

    Ein richtiges Vorbild

    Es sollte viel mehr über Menschen, die nicht nur egoistisch denken, sondern in ihrem Umfeld etwas Positives bewirken, berichtet werden. Sie sind die wahren Helden und nicht diese Rambos mit Waffen, wie uns dies leider sonst in Filmen und Medien sonst vorgemacht wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • villard. j.g. w'thurj am 22.04.2015 15:57 Report Diesen Beitrag melden

    Güsel in Thailand entsorgen

    Hut ab. Ich finde es phänomenal wie der bzw. die Initianten in Thailand Güsel sammeln. Das Sammeln ist hingegen ist das eine, das artgerechte Entsorgen das andere. Und gerade hier stellt sich die Frage, wie ging es mit dem Güsel weiter? Auf Ko Samet beispielsweise wurde der Güsel auf ein Schiff verfrachtet und die Ladung bezahlt. Reiseziel Pattaya. Leider kam die Sendung nie an und derd Güsel wurde auf offenem Meer entsorgt!! Offenbar gibt es auch in Pattaya keine funktionierende Entsorgungsstelle und somit wäre der Antransport auch da wieder unter Palmen und im Busch gelandet.

  • weisser Strand am 22.04.2015 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bangkok, Phuket

    und Krabi, sind blitzsauber, die haben eine Tip Top Infrastruktur.

  • Heimat Lady am 22.04.2015 14:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Artgerecht entsorgen

    Sind gerade aus Amerika zurück..wenn ich zurück denke in jedem Laden Plasticksäcke ,in den Hotels Plastickteller , Plastickbesteck (alles in den Mülleimer) der gedanke ging mir oft durch den kopf;bringt es überhaupt etwas wenn ich in der kleinen Schweiz alles säuberlich trenne und artgerecht entsorge..eigentlich bedenklich

  • Chris Rohrer am 22.04.2015 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Entsorgung des Sammelguts?

    Super Sache! Hoffentlich gibt es in Thailand auch anständige kommunale Müllverbrennungsanlagen, in denen das Sammelgut umweltferundliche entsorgt werden kann. Ich befürchte jedoch, dass die Meer-"Entsorgung" die "offizielle lokale" Art ist, Müll loszuwerden.

    • trash hero thailand am 22.04.2015 15:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      abfall entsorgung in thailand

      plastik, glas, karton, alu etc. werden recycled und das passiert mit sicherheit weil wir die preise kennen für wieviel das material verkauft werden kann. der rest endet auf mülldeponien und evtl. verbrennungsanlagen.

    • Andre Tiefenthaler am 22.04.2015 17:46 Report Diesen Beitrag melden

      Sammler und Jäger

      Ich lebte im isan, am ende der welt. Die müllverbrennungs-anlage hatte keine Filter eingebaut, dies hat mann/frau gerochen und schwarzer rauch war weitum sichtbar. Meine familie verstand den sinn meiner abfalltrennung und wiederverwertung nicht. Es war auch kein anreiz das man damit geld verdienen kann. Es erscheint ihnen effektiver diesen im Dschungel zu entsorgen wie es bei uns bis in die 70er jahre üblich war, wobei bei uns hoch radioaktives material ausgeschüttet wurde. Genauso verteidigen die thais monokulturen. 90% prozent des energieverbrauches in thailand wird durch kohleabbau.

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  • reto-g am 22.04.2015 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry, aber..

    Helden fliegen nicht nach Thailand um Badestrände zu säubern. Nach einem Langstreckenflug ein paar Plastikflaschen einsammeln hilft dem Gewissen, nicht der Umwelt. In Urlaubsdestinationen, welche für Schweizer günstig sind, gibt es oft kaum Geld für Kehrichtverbrennungsanlagen und andere Infrastruktur. Daher besser versuchen möglichst wenig neuen Müll zu produzieren während den nächsten Ferien. Und entspannen anstatt sich nerven über die "unverantwortlichen" Einheimischen.

    • Peter Graber am 22.04.2015 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Und doch ist er ein Held!

      Wer in seinen Ferien ein Problem erkennt und seit drei Jahren immer noch dort ist, ist in meinen Augen ein Held oder eben genau der eine von Millionen ders macht!

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