Gerichtsurteil

05. März 2019 05:43; Akt: 05.03.2019 05:43 Print

Mann (25) schiesst beim Blödeln auf Kollegen

Ein 25-Jähriger hat mit einem Revolver gespielt und dabei einen Kollegen angeschossen. Er erhielt vom Luzerner Kriminalgericht eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten.

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Ein 25-jähriger Mann wurde der fahrlässiger Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig gesprochen. (Bild: 20 Minuten)

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Der Vorfall ereignete sich 2015 in St. Urban in Luzern. Der Beschuldigte und ein Kollege von ihm gaben an, sie hätten von einem unbekannten Mann einen Revolver und eine Pistole mit Munition geschenkt erhalten. Am nächsten Tag machten sie mit drei weiteren Personen in einem Wald bei St. Urban Schiessübungen. Der Beschuldigte drückte mehrmals ab, doch löste sich kein Schuss aus seinem Revolver.

Erst später im Auto löste sich der Schuss. Nachdem der Beschuldigte das Auto auf einem Parkplatz angehalten hatte, spielte er erneut mit dem Revolver herum. Er zielte auf einen weiteren Kollegen, der neben ihm sass. Die Kugel durchbohrte den Oberarm des Opfers und blieb in dessen Oberkörper stecken.

Gefahrenlage geschaffen

Was vor über vier Jahren passiert war, war weitgehend unbestritten und wurde zum grossen Teil auch vom Beschuldigten eingestanden. Umstritten war, ob der Beschuldigte wusste, dass der Revolver Munition enthielt. Das Gericht ging davon aus, dass der Beschuldigte glaubte, eine nicht geladene Waffe zu halten, dies nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten».

Der Beschuldigte handelte nach Einschätzung der Kriminalrichter damit zwar nicht vorsätzlich, aber grobfahrlässig. Es sei ihm schwer anzulasten, dass er nicht sichergestellt habe, dass von dem Revolver keine Gefahr ausgehe. Er habe unvorsichtig und pflichtwidrig gehandelt und in dem mit fünf Personen besetzten Auto eine Gefahr geschaffen, die einen noch schlimmeren Ausgang hätte nehmen können.

Bereits vorbestraft

Das Gericht sprach den Beschuldigten der fahrlässigen schweren Körperverletzung und des unerlaubten Waffenbesitzes schuldig. Er erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Wegen der langen Verfahrensdauer reduzierte das Gericht die Strafe um 3 Monate. Weitere zur Anklage gebrachte Verstösse gegen das Waffenrecht wurden vom Gericht wegen Verjährung fallen gelassen.

Der Beschuldigte ist bereits vorbestraft, auch wegen des Verstosses gegen das Waffengesetz. Er wurde in der Schweiz geboren, hat aber die kosovarisch Staatsbürgerschaft, weshalb ihm das Tragen von Waffen generell untersagt ist. Von einer unbedingten Strafe sah das Gericht ab, weil der Beschuldigte einsichtig und geständig gewesen sei und in geordneten Verhältnissen lebe.

Beschuldigte soll 32'000 Franken zahlen

Zusätzlich soll der Beschuldigte dem Opfer eine Genugtuung von 15'000 Franken zahlen und ihm den entstandenen Schaden vollständig ersetzen. Die Höhe des Schadenersatzes soll vom Zivilrichter festgelegt werden. Auch soll der Beschuldigte dem Kriminalgericht Verfahrenskosten von über 16'000 Franken bezahlen.

Ausserdem sprach das Kriminalgericht den Beschuldigten, in einem anderen Zusammenhang, der Hinderung einer Amtshandlung schuldig und bestrafte ihn dafür mit einer bedingten Geldstrafe von 10 Tagessätzen zu 100 Franken. Die Probezeiten betragen zwei Jahre.

Mit seinem Urteil liegt das Kriminalgericht zwischen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Verteidigung. Das am Montag veröffentlichte Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Berufung wurde angemeldet.

(sda)