Illegale Filme

14. April 2019 16:02; Akt: 15.04.2019 05:41 Print

Richter mussten für Urteil 17 Gewalt-Pornos schauen

Über 11'000 Pornos hatte ein Luzerner in seiner Sammlung. Darunter auch verbotene Filme mit brutaler Gewalt: Diese hält der Mann für kulturelle Bildung.

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Ein leidenschaftlicher Film-Fan aus dem Kanton Luzern hat über 11'000 Filme zu Hause. Die meisten dieser Werke sind legal. Doch 151 Streifen erhielten gemäss Staatsanwaltschaft Darstellungen von verbotener sexueller Gewalt. Dabei handelt es sich um sogenannte «Spanking»-Filme, in denen Frauen mit Stöcken geschlagen
werden. Der beschuldigte Mann behauptet allerdings, dass es sich dabei um Kunst mit kulturellem Wert handle, wie «Zentralschweiz am Sonntag» berichtete. Er habe nicht gewusst, dass die Filme verboten sind.

Handelt es sich bei den Pornos um Kunst?

Wenn ein Richtergremium Pornos konsumiert, dann nicht zum Vergnügen, sondern um herauszufinden, ob sich ein Mensch tatsächlich der Herstellung und des Konsums von verbotener Pornografie schuldig gemacht hat. Genau wie bei diesem Fall, der vor einiger Zeit am Kantonsgericht Luzern verhandelt wurde.

Bei den besagten Filmen, die im 19. Jahrhundert spielen, würden laut dem Beschuldigten Themen wie Leibeigenschaft, die Russische Revolution, Disziplin und Bestrafung behandelt. Bei den Filmen handle es sich um ironische Auseinandersetzungen, die das Zeitgeschehen und die damaligen sozialen Verhältnisse thematisieren würden.

Um die Frage zu beantworten, was denn Kunst sei und was nicht, konnte sich das Gericht nicht vollständig auf die Standbilder der Polizei verlassen. Deshalb mussten 17 Filme von den Richtern gesichtet werden. Resultat: Die Filme wurden allesamt als verbotene Pornografie klassifiziert.

Historischer Kontext nur Vorwand für Gewalt

In einem Film etwa wird eine Schülerin vom Schuldirektor mit einem Stock verprügelt. Dieser fessle die Schülerin an einen hölzernen Bock. Danach folgen Szenen, in denen die Schülerin zehn Minuten lang auf ihr entblösstes Hinterteil geschlagen wird.

Für das Gericht ist klar: Diese Handlungen haben mit einer Aufarbeitung der russischen Geschichte nichts zu tun, auch wenn der Direktor mit Kinnbart «ein wenig an Lenin» erinnere. Der historische Kontext würde zum Vorwand genommen, um sexuelle Gewalt darzustellen.

Das Kantonsgericht verurteilte den Mann wegen Besitzes und Herstellung von verbotener Pornografie zu einer bedingten Geldstrafe von 60 Tagessätzen, weil er die Filme auf eine Festplatte kopierte. Zusätzlich muss der Mann für die Anwalts- und Gerichtskosten von 23'450 Franken aufkommen.

(mik)