«Das ist absurd»

15. März 2019 19:18; Akt: 15.03.2019 19:18 Print

Mieterverband wehrt sich gegen Veloplatzmiete

25 Franken bezahlen Mieter eines Hochhauses in Luzern für einen Veloparkplatz. Der Mieterverband ist nicht erfreut, die SP will dagegen vorgehen.

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«Wir wurden bereits auf das Thema aufmerksam gemacht», sagt Cyrill Studer Korevaar, Geschäftsleiter des Mieterverbands Luzern. Hintergrund: Wer im Hochhaus beim Schönbühl-Center wohnt und ein Velo besitzt, muss einen Veloparkplatz für 25 Franken monatlich mieten.

«Politischer Wille des Volkes wird untergraben»

Beim Mieterverband ist man nicht erfreut: «Das ist aus verschiedenen Gründen stossend», sagt der Geschäftsleiter. So gebe es die gesetzliche Verpflichtung, bei Überbauungen Veloabstellplätze bereitzustellen. «Wir sprechen hier von einem urbanen Umfeld, und es gibt einen politischen Auftrag, den Langsamverkehr zu fördern. Der politische Wille des Volkes wird so untergraben», so Studer.

Für eine vierköpfige Familie, die Velos benutze, würden so monatlich 100 Franken anfallen, rechnet Studer vor. Oder: Auf einem Autoparkplatz könne man etwa zehn Velos abstellen, was 250 Franken Miete monatlich einbringen würde. «Ein Autoeinstellplatz kostet nicht so viel», sagt Studer. «Es stellt sich die Frage, ob mit einer solchen Lösung nicht einfach eine neue Einnahmequelle generiert werden soll.»

Zudem dürften Velos auch auf dem Trottoir abgestellt werden, sofern für Fussgänger noch 1,5 Meter Platz bleiben. Dies sei aber für niemanden von Interesse: Hauseigentümer wollten Ordnung um das Gebäude herum, Velofahrer wollten ihr Velo geschützt abstellen können und Fussgänger wünschten sich genügend Platz auf dem Trottoir.

Vorstoss geplant

«Auch Kinderwagenabstellplätze könnten nach dieser Logik in Zukunft zahlungspflichtig werden. Das ist absurd.» Beispielsweise müsste jemand, der in einer Parterrewohnung lebt, weniger bezahlen als ein Mieter einer Wohnung in oberen Geschossen. Irgendwo gebe aber es Grenzen, findet der Geschäftsleiter.

Studer, der im Stadtparlament die SP vertritt, will nun aktiv werden. «Es stellt sich die Frage, wie ein solches Vorgehen verhindert werden kann.» Er plant deshalb, einen Vorstoss zum Thema im Grossstadtrat einzureichen.

Leser sind gespalten

Unter den 20-Minuten-Lesern hat das Thema für rege Diskussionen gesorgt. Über 800 Kommentare gingen bis am Freitagnachmittag zum Thema ein. Gwinni Mïller etwa findet: «Autoabstellplatz kostet ja auch.» Leser Matthias pflichtet bei – wenn ersichtlich sei, dass die Grundmiete durch diese Handhabung günstiger werde: «Wenn die Autofahrer zur Kasse gebeten werden, ist es ganz klar in Ordnung. Aber wenn die ‹armen› Velofahrer für einen Parkplatz zahlen müssen, ist es ein No-go.» Stupsi meint: «Es ist eine nachvollziehbare Handlung, man bedenke, wie viele Velos im Veloraum entsorgt werden, was für ein Chaos die Velofahrer überall hinterlassenen ...»

«Dann bezahle ich also für das Velo von mir und meinem Mann, plus Kinderanhänger und Schattenvelo hundert Franken? Und wie viel kostet der Kinderwagen?», schreibt Evi L. Patrick findet: «25 Franken im Jahr wären okay, aber im Monat? Für eine vierköpfige Familie ist das ein Hunderter mehr Miete.» Kritisch sieht es auch ein weiterer User: «Und dann folgt die Gebühr für Kinderwagen! Buggy 15, Wagen Einplätzer 20, Zwillingswagen 30. Und die Hauseigentümer fliegen dann dank den Zusatzeinnahmen First Class in die Luxusferien.»

XX Prozent finden Vorgehen gut

Auch die Umfrage zeigt die geteilte Meinung: Von 6450 Teilnehmern finden es 54 Prozent einleuchtend, dass auch Velofahrer für einen Parkplatz zahlen sollen. 30 Prozent finden die Parkplatzmiete für Velos daneben – und 16 Prozent finden es zwar nachvollziehbar, aber trotzdem störend.

(gwa)