Absturz bei Erstflug

19. Juli 2018 17:27; Akt: 19.07.2018 17:27 Print

Mysteriöse Bruchlandung von drei Jungstörchen

Drei junge Störche wollten aus dem Nest ausfliegen. Für alle drei endete der Versuch in einer Bruchlandung. Das gibt selbst Experten ein Rätsel auf.

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Auf dem Landiturm in Hochdorf hat eine Storchenfamilie ein Nest gebaut. Bereits im Nest haben die drei Jungstörche erste Flugübungen gemacht. Eigentlich waren sie genügend alt, um auszufliegen. Doch vor zwei Wochen, als der erste Jungstorch einen Flugversuch wagte, flog er nicht in die Luft, sondern auf ein unter dem Nest liegendes Dach. Glücklicherweise bewahrte dieses den Vogel vor einem Fall in die Tiefe, wie der «Seetaler Bote» berichtet.

Die Feuerwehr und die Polizei retteten den verunglückten Vogel und übergaben ihn der Schweizerischen Vogelwarte. Doch einige Tage später mussten sie schon wieder ausrücken. Auch die beiden anderen Störche wollten das Nest verlassen – und auch für sie endete dies auf dem Dach. Die beiden wurden ebenfalls der Vogelwarte Sempach übergeben.

Mysteriöse Verletzungen an den Flügel

«Sie waren bereits ausgewachsen und gut genährt. Eigentlich stand ihrem Ausflug nichts mehr im Wege», sagt Vreni Mattmann, Leiterin der Vogelpflege der Vogelwarte Sempach. Der Grund für die Sturzflüge waren die Flügel der Störche. «Die Handschwingen der Störche sind beschädigt. Mit so einer Verletzung können sie nicht fliegen», sagt Mattmann.

Woher die Verletzungen stammen, ist noch nicht bekannt. Man wolle auch nicht spekulieren: «Ich habe so etwas noch nie gesehen. Vom Sturz stammen sie sicher nicht», sagt Mattmann. Um den Verletzungen auf den Grund zu gehen, habe man Federn ans Institut für Fisch- und Wildtiermedizin der Uni Bern geschickt.

Neststürze würden selten vorkommen. «Es gibt zwar ab und zu einen vorwitzigen Jungvogel, der zu früh das Nest verlässt. Das ist aber die absolute Ausnahme», sagt Mattmann.

Heilung braucht Zeit

Die Jungtiere sind momentan in der Wildstation in Utzendorf. Dort habe es mehr Platz und die Umgebung sei an den natürlichen Lebensraum angepasst. Für den Transport wurden die Vögel wie ein Geschenk eingewickelt und verschnürt. «Störche sollten wenn immer möglich mit gestreckten Beinen transportiert werden, damit sie keine Verletzungen erleiden. Deshalb die etwas ungewöhnliche Verpackung», sagt Margrit Enggrist, Regionsleiterin von Luzern und Umgebung von Storch Schweiz.

Die Federn eines Storches wären bereits daran nachzuwachsen. «Es wird nun beobachtet, ob das Gefieder normal wächst und wie sich die Tiere verhalten», sagt Mattmann. Dies dauert aber seine Zeit. «Die Störche müssen sicher mehrere Wochen dort bleiben.»

Wo die drei Jungvögel ausgewildert werden, entscheidet der Kanton erst noch. Die Eltern der verunglückten Störche bleiben in Hochdorf. Laut Enggrist würden die Tiere davon ausgehen, dass ihre Jungen normal ausgeflogen sind.

(TST)