Kriminalgericht Luzern

16. September 2019 05:04; Akt: 16.09.2019 05:04 Print

Nach Liebesaus machte er eine Irrfahrt auf Drogen

Weil seine Freundin die Trennung wollte, sperrte ein Mann sie im Bad ein. Dann nahm er Drogen und Medikamente und baute mehrere Unfälle mit einem geklauten Auto.

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Begonnen hatte alles damit, dass die Freundin des Verurteilten im Juli 2016 die Beziehung beenden wollte – und, dass er aus der gemeinsamen Wohnung auszieht. Als sie von der Arbeit zurückkehrte, erwartete er sie bereits: Es kam zu Streit.

Dabei startete der heute 36-Jährige in einen Drogen- und Medikamententrip: «Der Beschuldigte nahm Heroin und Kokain zu sich», heisst es im Urteil des Luzerner Kriminalgerichts. Er nahm noch weiteres zu sich: «Er schluckte eine unbestimmte Menge des rezeptpflichtigen Medikaments Temesta, ebenso Dormicum», so das Urteil.

Die Freundin wollte ihn davon abhalten. Er aber stiess sie weg und sagte, sie könne ihn nicht daran hindern zu gehen. «Er ging auf sie los, stiess sie ins Badezimmer und sperrte sie dort ein.» Danach suchte er die Autoschlüssel seiner Freundin und stieg ins Auto – «obwohl ihm bewusst war, dass er nicht berechtigt ist ein Motorfahrzeug zu lenken». Denn: Die Polizei hatte ihm den Fahrausweis schon einen Monat zuvor abgenommen.

Unfall verursacht und abgehauen

Danach fuhr er davon in Richtung Röthenbach BE, das über 40 Kilometer entfernt liegt. Die Freundin schrie aus dem Fenster und konnte so Hilfe organisieren. Weil die Polizei den Badezimmerschlüssel aber nicht finden konnte, musste die Frau aus dem Fenster klettern.

Mit einer Mindestkonzentration von 53,9 Mikrogramm/l Kokain (Grenzwert: 15 µg/l) war er laut Urteil unterwegs, «wobei der gemischte Konsum von Drogen und Medikamenten (Kokain, Opiate, Morphin, Methadon, Benzodiazepine und Lorazepam) die Fahrunfähigkeit des Beschuldigten verstärkte.»

In Röthenbach geriet er «kontinuierlich auf die linke
Strassenseite» bis ihm ein Auto entgegenkam. Trotz Lichthupe und Ausweichmanöver der Fahrerin kam es zu einer seitlich-frontalen Kollision. Die Frau erlitt dabei unter anderem ein Schädelhirntrauma und lag danach drei Tage im Spital.

Er fuhr mit fehlendem Pneu weiter

Der Frau sagte der Serbe, dass er den Unfall ohne Polizei regeln wolle. Als diese doch die Polizei anrief, machte er sich aus dem Staub. Im Nachbardorf Inkwil kam er von der Strasse ab, fuhr durch eine Wiese und verursachte Landschaden. «Quietschend und in Schlangenlinie» fuhr er weiter – inzwischen fehlte dem Auto ein Pneu. Wieder kam er von der Strasse ab: Dieses Mal prallte er in einen Zaun – und fuhr immer noch weiter.

In Subingen SO stellte er das Auto ab und nahm die Nummernschilder weg. Er «ging zu Fuss weiter, um sich einer Blutprobe, einer Voruntersuchung oder einer
ärztlichen Untersuchung zu entziehen», heisst es weiter. Wenig später nahm ihn die Kapo Solothurn fest.

13,5 Monate Freiheitsstrafe

Das Kriminalgericht verurteilte ihn unter anderem wegen Freiheitsberaubung, Diebstahls, Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Fahrens in fahrunfähigem Zustand. Insgesamt wurde er in zwölf Tatbeständen schuldig gesprochen. Der Verurteilte soll eine Freiheitsstrafe von 13,5 Monaten absitzen und eine Busse bezahlen. Zudem wurde eine ambulante Behandlung angeordnet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig, der Beschuldigte hat Berufung angemeldet.

(gwa)