Nach 70 Jahren

19. Februar 2020 18:38; Akt: 19.02.2020 18:38 Print

Nazi-Sammlung wechselt für 100'000 Fr. Besitzer

von Daniela Gigor - Ein heute 90-Jähriger hat sich von seiner Sammlung aus der Zeit des Nationalsozialismus getrennt. Zum Verkauf standen rund 40 Markenalben.

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Eine spezielle Sammlung stand bei Rölli Auktionen in Rothenburg LU kürzlich zum Verkauf: Nachdem ein heute 90-jähriger Mann während sieben Jahrzehnten Propogandakarten, Briefe und Briefmarken aus der Zeit des Nationalsozialismus gesammelt hatte, kam die Kollektion am Donnerstag für 100'000 Franken unter den Hammer.

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«Die Sammlung besteht aus 40 Markenalben, Briefen, Karten und anderen Gegenständen. Die Sammlung wurde aufgeteilt und es gibt verschiedene Käufer», sagt Mitinhaberin Christina Rölli. Pro Album sind jeweils bis 200 Artikel enthalten. Die einzelnen Stücke seien nun in die Hände von Privatpersonen aus der Schweiz und aus Deutschland gegangen. Auf Interesse gestossen sei die Sammlung aber auch bei Händlern.

Briefe an KZ-Insassen

Laut Rölli waren unter anderem drei Briefe an die Adresse von Adolf Hitler und einer an Hermann Göring gerichtet. Andere Schreiben sind an Personen in Konzentrationslagern in Asien und Deutschland adressiert. Rölli kennt teilweise sogar das Schicksal der Empfänger: «Im Gegensatz zu den inhaftieren Juden in Deutschland haben jene in Asien den Krieg überlebt.»

Rölli verneint, dass es sich bei den involvierten Sammlern um Hitler-Verehrer handelt. Der Mann, der seine Stücke aus Altersgründen verkaufte, sei ein Buddhist, der einen Weltkonzern aufgebaut habe und den Ruf eines sozialen und bescheidenen Arbeitgebers geniesse.

Viele Stücke habe er an Auktionen erworben und deren Quittungen seien sogar noch vorhanden. Bei der Übergabe der Sammlung an das Auktionshaus sei der Mann melancholisch geworden: «Mit der Sammlung hatte er als 20-Jähriger begonnen, weil er von den Propaganda-Ausgaben fasziniert war, die Hitler für seine Zwecke sehr geschickt einzusetzen wusste.»

Grossvater eines Sammlers fiel auf der Krim

Einer der Käufer* eines Teils der Sammlung lebt im Kanton Zürich. Er setzt sich aus persönlichen Gründen mit dem Nationalsozialismus auseinander: «Mein Grossvater fiel 1941 auf der Krim und mein Vater wurde 1942 mit 15 Jahren, als Soldat in die Wehrmacht eingezogen.» Ausserdem sei er von den interessanten und aussergewöhnlichen Zeitdokumenten fasziniert. Damit der Sammler die teilweise erhaltenen Briefe in den Umschlägen lesen kann, hat er gleich noch einen Kurs für altdeutsche Schrift besucht. «Dadurch ist es mir möglich, den Geschichten hinter den damaligen Schriftstücken nachzugehen.»

* Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Martin Graf am 19.02.2020 18:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Respekt

    Ein Herr der alten Schule. Respekt an die wundervolle Sammlung. Ich beuge mich vor Ihnen.

  • lorenzo am 19.02.2020 19:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    fakt

    bevor jetzt alle rumschreien: das ist teil der geschichte und kann nicht getilgt werden. andere zeiten. schluss.

  • Thorsten Steinar am 19.02.2020 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wunderschön

    Sehr schöne Sammlung.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Neumann am 20.02.2020 17:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Sone tolle Sammlung hätte nicht auseinandergerissen werden dürfen, finde ich. Sowas hat unschätzbaren Wert als Zeitdokument.

  • Neumann am 20.02.2020 12:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja doch

    Find es faszinierend.

  • Julius der Kämpfer am 20.02.2020 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    sammle halt keine Turnschuhe

    Wow, schöne Erinnerungen! Gut dass es noch solche Sammler gibt. Wenn ich jünger gewesen wäre, hätte ich mit geboten. Limit 150 000.

  • asdf am 20.02.2020 08:43 Report Diesen Beitrag melden

    Auch eine Art Altersvorsorge

    An die Jungen: gebt nicht all euer Erspartes für zB Autos und Reise aus, sondern investiert auch in Sachen die Wert erhalten oder im Wert anwachsen mit der Zeit. Gibt viele Möglichkeiten: Wertpapiere, Immobilien, Edelmetalle, seltene Münzen, oder andere Sammlerobjekte. Muss jeder selber wissen was er/sie seinem Senioren-Ich in der Zukunft hinterlassen will. Eines ist gewiss: nur die AHV, berufliche Vorsorge und 3. Säule wird nicht reichen!

  • Zeitzeuge am 20.02.2020 08:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Historische Dokumente

    Leider werden solche, neutral ausgedrückt, historischen Dokumente, von Fanatikern gesucht und gekauft. In den USA würde eine solche Sammlung wesentlich mehr Geld einbringen.