Nach Demo in Schwyz

23. April 2019 04:48; Akt: 23.04.2019 10:17 Print

Neonazis fackeln Demo-Transparent ab

Rechtsextreme haben ein Video publiziert, in dem sie den Hitlergruss vor einem brennenden Plakat machen. Gestohlen haben sie das Plakat an einer Demo in Schwyz.

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Weiteres Kapitel zum Marsch der Ku-Klux-Klan-Gruppe an der Fasnacht in Schwyz: Nun ist ein Facebook-Video aufgetaucht, in dem Vermummte neben einem brennenden Transparent posieren und den Hitlergruss machen. «Schwyz ist bunt» und «Gemeinsam gegen Rassismus» steht auf dem Transparent. Die Vermummten tragen Pullover des rechtsextremen Blood-and-Honour-Netzwerks.

Zuvor sieht man in einem Ausschnitt Teilnehmer der Demonstration für ein buntes Schwyz, die Mitte April stattgefunden hat. Gleichzeitig sind eingespielte Schüsse zu hören.

Polizei trifft Abklärungen

Aufgenommen wurde das Video offenbar von einem Schweizer Ableger der Gruppe Combat 18, wie ein Facebook-Nutzer schreibt. Der Kantonspolizei Schwyz ist das Video bekannt: «Es werden entsprechende Abklärungen gemacht», bestätigt Polizeisprecher Florian Grossmann auf Anfrage.

Gepostet wurde es zuerst von einer Gruppierung aus dem rechten Umfeld. Gemäss Informationen, die 20 Minuten vorliegen, wurde das Video von Facebook entfernt, nachdem ein Demoteilnehmer es gemeldet hatte.

Die Ku-Klux-Klan-Gruppe an der Fasnacht in Schwyz. (Video: Leser-Reporter)

«Ich finde das erschreckend»

«Ich erschrak ziemlich, als ich den Diebstahl bemerkte», sagt eine Demo-Teilnehmerin, die am Transparent mitgearbeitet hatte. Das Transparent sei bereits vor der Demo gestohlen worden.

Als sie später das Video sah, sei ihr übel geworden: «Ich finde das erschreckend. Blood and Honour ist beispielsweise in Deutschland verboten, in der Schweiz wird das einfach toleriert», sagt sie. Vom Video will sie sich aber nicht einschüchtern lassen. Stattdessen will sie bei der Polizei Anzeige erstatten: «So etwas darf man nicht tolerieren.»

Schilder bei Einbruch gestohlen

«Das ist beängstigend», sagt auch Demoteilnehmer Elias Studer von SP. «Das zeigt, dass diese Leute bereit sind, die nationalsozialistische Ideologie zu Verbreiten und Andersdenkende einzuschüchtern.» Jetzt sei die Politik gefordert. Studer: «In diesem Bereich muss zwingend mehr Prävention gemacht werden.» Bereits im Vorfeld der Demo habe bei ihm ein Einbruch stattgefunden. «Gestohlen wurden ein Transparent und Schilder für die Demonstration.» Studer hat deshalb eine Anzeige eingereicht.

Die Gruppe Combat 18 ist laut dem Portal Rechtsextremismus.ch im Umfeld des Blood-and-Honour-Netzwerks entstanden. Die terroristische Organisation hatte schon Anschläge in Grossbritannien oder Schweden verübt. «Eine Schweizer Sektion von Blood & Honour entstand erst 1997/1998, zuerst in der Deutschschweiz, dann auch in der Romandie», schreibt das Portal. Ableger gebe es auch in weiteren europäischen Ländern oder in den USA.

An der Demonstration in Schwyz kam es zu Auseinandersetzungen. (Video: Leser-Reporter)

Bereits am Rande der Demo kam es zu Auseinandersetzungen zwischen rechtsextremen Personen, die die Demonstration störten, und linksextremen Demonstranten. Die Polizei hatte an diesem Tag mehrere Rechtsextreme aus Schwyz weggewiesen.

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