Fussballwetten

21. November 2019 04:51; Akt: 21.11.2019 07:05 Print

Zocker (34) bringt Familie um ihr ganzes Vermögen

von Daniela Gigor - Eine Familie aus dem Kanton Luzern ist einem Abzocker auf den Leim gegangen: Mit grossen Versprechungen brachte er sie um ihr ganzes Erspartes.

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P. Z.* schuldet einer Familie aus Emmen LU 78'000 Franken. Die Mutter* erzählt, wie es dazu kam: «Im Frühling 2012 lernte meine Tochter im Kanton Zug den damaligen Freund einer Kollegin kennen. Er erzählte, wie schnell er ihr Geld durch Fussballwetten innerhalb von ein paar Monaten verdreifachen könne.» Nach einigem Hin und Her sowie Gesprächen entschied sich die Familie, Geld in diese Wetten zu investieren.

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«Der Typ erzählte uns, dass unter 50'000 Franken eigentlich nichts gehe, er bei uns aber eine Ausnahme machen könne. Meine Tochter und ich plünderten unser Sparkonto und wir brachten 15'000 Franken zusammen», sagt die 61-Jährige weiter. Der Mann habe seriös gewirkt. Trotzdem entschieden sich die «Investoren», den finanziellen Anteil ihres Einsatzes vertraglich abzusichern. Dieser Vertrag, der von den Geldgebern erstellt wurde, war ein sogenannter Garantie-Vertrag, der das Verlustrisiko decken sollte. Nachdem Z. den Vertrag unterschrieben hatte, händigten ihm Mutter und Tochter Anfang April 2012 die 15'000 Franken aus.

Der Abzocker soll manipulieren und lügen

Die Familie erhielt Ende Monat jeweils eine Abrechnung über den angeblichen Gewinn. Dies habe dazu geführt, dass auch der Vater im Juni 2012 50'000 Franken in die Wetten investierte. Weil er sich zu dieser Zeit selbständig machte, kam das Geld aus seiner Pensionskasse. Auch er liess sich mit demselben Vertrag den Wetteinsatz schriftlich absichern. 20 Minuten liegen diese Dokumente vor.

Doch eine Gewinnausschüttung hat es nie gegeben. Mehr noch: Das Geld ist weg. «Der Mann hat uns um unser ganzes Erspartes gebracht», sagt die Mutter. «Klar denken wir, wie jeder andere auch, wie dumm wir damals gewesen sind», so die Frau weiter. Der heute 34-jährige P.Z. sei aber sehr gut im Manipulieren und Lügen gewesen. Womöglich habe er selber an seine Märchen geglaubt.

Mögliche Opfer vor solchen Maschen warnen

Die Betroffenen sind nun doppelt bestraft: Ihr Geld dürften sie wohl kaum wiedersehen, weil der Mann offenbar über keine finanziellen Mittel verfügt. Die Familie sieht keine Möglichkeit, rechtlich gegen den Mann vorzugehen. «Die Polizei riet uns, den zivilrechtlichen Weg einzuschlagen. Dies kommt aber nicht in Frage, weil wir uns einen Rechtsanwalt nicht leisten können», so die Frau weiter. Mit ihrem Gang an die Öffentlichkeit wolle die Familie weitere mögliche Opfer vor solchen Machenschaften warnen. Für 20 Minuten war P. Z. am Mittwoch nicht erreichbar.

Einige Tipps, um sich vor Abzockern zu schützen, hat Urs Wigger, Mediensprecher der Luzerner Polizei: «Lassen Sie sich nicht von hohen Gewinnversprechen mit angeblichen ‹Geheimtipps› blenden. Der Aussicht auf hohe Rendite steht in der Regel auch ein hohes Risiko gegenüber.» Auch solle man Geld ausschliesslich seriösen Anbietern anvertrauen. Diese sollten aussagekräftige Referenzen nachweisen können.

Wichtig ist ausserdem, dass man sich Zeit lässt, bevor eine Entscheidung für Investitionen getroffen wird. Geht es um Verträge, sind auch das Kleingedruckte und die allgemeinen Geschäftsbedingungen zu lesen. Sollte ein Text nicht verstanden werden, soll darauf verzichtet werden, das Papier zu unterschreiben.

* Namen der Redaktion bekannt