Digitale Währung

15. Dezember 2016 14:36; Akt: 15.12.2016 16:32 Print

Niemand will Bitcoins, aber Zug profitiert dennoch

Seit Sommer kann man im Zuger Stadthaus mit Bitcoins bezahlen: Ein Angebot, das kaum benutzt wird, aber für die Stadt Zug trotzdem Gold wert ist.

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Es war ein echter Coup, den die Stadt Zug im Sommer landen konnte: Die Ankündigung, dass ab 1. Juli an den Schaltern der Einwohnerkontrolle mit der digitalen Währung Bitcoins bezahlt werden kann. Nun zieht der Stadtrat Bilanz: Zwar haben seit Juli nur zwölf Kunden tatsächlich mit Bitcoins ihre Rechnungen beglichen.

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Aber: «Für die Stadtverwaltung hat es sich trotzdem gelohnt», heisst es in einer Mitteilung vom Donnerstag. Stadtpräsident Dolfi Müller sagt: «Es war für uns eine wichtige Erfahrung, die Technologie für Bitcoin-Zahlungen zu installieren und zu testen. Wir konnten ein Zeichen setzen gegenüber den Fin-Tech-Unternehmen in Zug und zum Ausdruck bringen, dass sie hier willkommen sind. Damit haben wir ein unglaubliches internationales Medienecho ausgelöst, das bis letzte Woche anhielt.» Deshalb wurde am Mittwoch beschlossen, die Bezahlung mit Bitcoins nun dauerhaft anzubieten.

«Crypto Valley in den Alpen»

Tatsächlich war das Medienecho gewaltig: Die «New York Post» etwa berichtete darüber. «Die Schweizer Stadt, die sich als Hub für die digitale Währungsbranche einsetzt, wird Bitcoin akzeptieren», hiess es im Artikel. Damit sei Zug die weltweit erste Behörde, die dies anbiete. Auch die «Deutsche Welle» berichtete, man schickte sogar einen Reporter vor Ort, der für ein Video einige Zuger befragte, was sie von Bitcoins halten. Im Artikel wurde Zug als «Crypto Valley in den Alpen» bezeichnet. Bild.de berichtete ähnlich: «Mit Blick auf das Silicon Valley in Kalifornien wird Zug bereits Crypto Valley genannt – in Anlehnung an den Begriffs Kryptowährung für digitale Zahlungsmittel.» Etliche renommierte, internationale Nachrichtenportale berichteten ebenfalls, etwa die «Frankfurter Allgemeine», «Stern», «Financial Times», «New York Times», Forbes, n-tv oder CNN.

«In Zug denken die Leute über den Tellerrand hinaus»

Stadtpräsident Dolfi Müller freut sich über die weltweite Berichterstattung: «Wir konnten hier eine positive Botschaft in die Welt hinaus senden, nämlich die, dass die Leute in Zug über den Tellerrand hinausdenken.» Er räumt auch ein, dass es auch ein bisschen mit Glück verbunden war, «dass gerade wir die erste staatliche Institution waren, die Bitcoins akzeptiert hat».

«Angebot hat grossen symbolischen Wert»

Zum Umstand, dass die Nachfrage nach Bitcoin-Zahlungen auf der Behörde gleich null ist, sagt Müller: «Dieses Angebot hat einen grossen symbolischen Effekt. Der Bitcoin-Markt ist zwar noch sehr klein. In Zug kann man nur bei einem Zahnarzt, bei einem Treuhändler und bei uns mit Bitcoin zahlen. Das ist noch zu wenig, aber irgendwann wird dieses Thema sehr spannend.» Die Grundbotschaft sei, dass in Zug Zukunftsthemen offen und positiv angegangen würden.

Zug will digital durchstarten

Für Müller ist es wichtig, dass sich Zug in dieser Hinsicht weiterentwickelt, «das mit den Bitcoins darf kein Strohfeuer gewesen sein». Deshalb wurde beschlossen, dass man auf weitere elektronische Zahlungsmittel setzen will. In der Mitteilung vom Donnerstag stünden Twint und ApplePay zur Diskussion, aber auch Anwendungen der Blockchain-Technologie würden geprüft. Und: Auch E-Government werde im Jahr 2017 ein zentrales Thema für die Stadtverwaltung sein.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Pascal am 15.12.2016 14:59 Report Diesen Beitrag melden

    hmmm

    Wenn ich nun mit Bitcoins bezahle, kann die Regierung eine verbindung ins echte leben herstellen. Das selbe mit den SBB AUTOMATEN. Die idee ist ja, dass bitcoins anonym sind. Aber sobald man da bezahlt kennen die die wallet id und können so alle transaktionen einsehen

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  • Wulf of Bitstreet am 15.12.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Einer von 12

    Ich war dann wohl einer dieser 12. :-). Hätte ich eine Wohnsitzbescheiningung bar oder mit Karte bezahlt, käme es aufs gleiche raus, betreffend anonymität, oder? Auf der Einwohnerkontrolle bezahlt man ja normalerweise nichts anonym. Anonym oder nicht, ist mir eigentlich egal..hauptsache dezentralisiert.

  • A. Müller am 15.12.2016 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst mal schlau machen, bevor man Beha

    Pascal, das stimmt nicht! Sie können die transaktion sehen, ja aber nicht wer dahinter steckt. Nicht mal das ist momentan möglich, sie müssten tausende in der Sekunde nachverfolgen. Irgendwann wird es diese Technologie uach geben, aber jetzt nicht. Jede Zahlung mit BC läuft durch 6 verschiedenen Stellen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner am 16.12.2016 10:10 Report Diesen Beitrag melden

    Herr

    Der one coin ist einfach besser denn er liegt bei 7 Euro. Der ist ständig im steigen. Der pit coin hat schon gezeigt wie hoch der gehen kann. Stell dir vor. Du steigst mit 1000 ein in drei Jahren bist ein reicher Mann

    • MCC am 16.12.2016 22:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Werner

      Onecoin ist zentral und hat keine Whitepapers. Zudem wird dieser nicht öffentlich gehandelt. Das geschieht frühstens 2018. Wenn überhaupt. Gibt viel bessere Alternativen, die dezentral sind.

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  • albert am 15.12.2016 21:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    laberis wo man hinguckt in zug

    von mir aus können sie zuerst das das ganze parlament in zug digitalisieren.. dann würde vielleicht auch mal was sinvolles dabei rauskommen.. schon ein paar nullen und einsen wären verträglicher

  • EMM am 15.12.2016 18:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zitat

    (( «Wir konnten hier eine positive Botschaft in die Welt hinaus senden, nämlich die, dass die Leute in Zug über den Tellerrand hinausdenken)) Was heisst hier über den Tellerand denken? Die Zukunft wird ohnehin Digitalisiert und Automatisiert ohne ende. Aber Veränderung bedeutet dann auch, dass man Konsequenzen im bereich Arbeitsplatzverlust und der abbau von Privatsphäre in Kauf nehmen müsste. Digitalisierte Zukunft heisst, dass unser Leben Digitalisiert wird. Vom Wirtschaft, Bibliothek, Schule. Wir wären von solchen System dann abhängig, was kein Positiver aspekt ist.

  • A. Müller am 15.12.2016 16:50 Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst mal schlau machen, bevor man Beha

    Pascal, das stimmt nicht! Sie können die transaktion sehen, ja aber nicht wer dahinter steckt. Nicht mal das ist momentan möglich, sie müssten tausende in der Sekunde nachverfolgen. Irgendwann wird es diese Technologie uach geben, aber jetzt nicht. Jede Zahlung mit BC läuft durch 6 verschiedenen Stellen.

    • Rbmilch am 16.12.2016 10:14 Report Diesen Beitrag melden

      Öffentlich

      Wenn man eine einzelne Zahlung kennt, kann man recht einfach nachvollziehen, wo diese herkommt und bei welchen anderen Adressen noch so bezahlt wurde und bei regulierten Börsen und Automaten (Als Regierung kann man das sicherlich tun) auch, wer sein Fiat gegen diese Bitcoin getauscht hat. Alles nachvollziehbar, da Blockchain öffentlich einsehbar ist.

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  • Wulf of Bitstreet am 15.12.2016 16:00 Report Diesen Beitrag melden

    Einer von 12

    Ich war dann wohl einer dieser 12. :-). Hätte ich eine Wohnsitzbescheiningung bar oder mit Karte bezahlt, käme es aufs gleiche raus, betreffend anonymität, oder? Auf der Einwohnerkontrolle bezahlt man ja normalerweise nichts anonym. Anonym oder nicht, ist mir eigentlich egal..hauptsache dezentralisiert.