15. April 2005 05:08; Akt: 15.04.2005 01:09 Print

Notenstress: Lehrer werden vermehrt von Eltern bedroht

Damit ihre Kinder eine Lehrstelle bekommen, ist gewissen Eltern jedes Mittel recht: Auch Drohungen gegen die Lehrer.

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Immer öfter bleiben schulschwache Jugendliche auf der Strecke und finden keine Lehrstelle. Der Frust sitzt dann bei Schulabgängern und Eltern gleichermassen tief. Deshalb melden sich zunehmend Väter direkt bei den Lehrern und verlangen ein «Aufpolieren» der Schulnoten. Davon weiss auch der Direktor des Kantonalen Gewerbeverbandes, Werner Bründler. An ein Gespräch erinnert er sich genau: «Wenn du meinem Sohn nicht bessere Noten machst, findet er keine Lehrstelle, also mach bessere Noten.»

Kein Einzelfal. Eine Luzerner Lehrerin, die anonym bleiben will: «Bei mir standen schon mehrere Väter im Schulzimmer und drohten mir.» Die Zahl der Fälle von Drohungen und Gewalt gegen Beamte – also auch gegen Lehrer – hat in den letzten Jahren markant zugenommen.

Dazu Simon Kopp von der Kantonalen Strafuntersuchungsbehörde: «Vor zwei Jahren waren es noch 83 Fälle, letztes Jahr bereits 103.» In Wirklichkeit dürften es jedoch noch einige mehr sein. Regula Bachmann, Prorektorin der städtischen Volksschulen: «Wenn irgendwie möglich, werden solche Fälle schulintern gelöst.» Zu einer Anzeige, so Bachmann, komme es zumindest in der Stadt Luzern sehr selten.

(sam)