Aktion in Luzern

08. Januar 2019 20:54; Akt: 09.01.2019 09:52 Print

Arbeitsloser (48) sucht im Bahnhof mit Plakat Job

von Miryam Koc - Clauco Fratini (48) hat in den letzten vier Jahren 450 Bewerbungen verschickt: Er will unbedingt arbeiten. Doch niemand gibt ihm eine Chance. Nun geht er in die Offensive.

Im Video spricht Clauco Fratini über die aussergewöhnliche Aktion. (Video: mik/tst)
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Am Bahnhof Luzern steht ab Mittwoch ein etwas anderes Leuchtplakat: Es zeigt den 48-jährigen Clauco Fratini aus Ebikon, der für sich selbst Werbung macht und intensiv einen Job sucht.

Dies als Chauffeur, Behindertentransporteur, Allrounder oder als allgemeine Hilfskraft in Luzern oder Umgebung. Die Aktion entstand gemeinsam mit der Neustartcoach GmbH. Doch Fratini lässt nicht nur die Leuchtreklame an bester Lage für sich sprechen, sondern tut dies auch selber. Von Mittwoch bis Freitag verteilt er jeweils von 17.30 bis 19.30 Uhr vor der Leuchtreklame interessierten Passanten seine Flyer, mit denen er sich um Arbeit bewirbt.


Diesen Flyer wird Clauco Fratini am Bahnhof verteilen.

450 Bewerbungen ohne Erfolg

«Diese Idee ist aus der schieren Not heraus entstanden», sagt sein Jobcoach Oreste Wernli. Er und Fratini hätten alles versucht, um ihn wieder in den Arbeitsmarkt zu integrieren – ohne Erfolg: Seit 2014 hat Fratini über 450 Bewerbungen verschickt, eine Absage folgte auf die nächste. Ab und zu schaffe er es in die engere Auswahl, aber zu einem Bewerbungsgespräch kam es nie.

«Es ist nicht so, dass sich Herr Fratini auf Stellen bewirbt, die nicht seinem Können und seinen beruflichen Erfahrungen entsprechen. Die totale Digitalisierung der Bewerbung nimmt rasant an Fahrt auf», erklärt Wernli. «Innert 60 bis 90 Sekunden wird ein Bewerber aussortiert. Wie kann sich da ein Lebenslauf mit Ungereimtheiten durchsetzen? Sozialhilfebezüger haben es besonders schwer und werden schnell abgestempelt.» Unglückliche Umstände hätten dazu geführt, dass Fratini aus dem regulären Arbeitsmarkt hinausgedrängt wurde und seitdem auf Sozialhilfe angewiesen ist.

Dies soll sich nun durch die Aktion am Bahnhof ändern. Doch sie soll auch einem zweiten Ziel dienen: Laut dem Neustart-Coach möchte man damit auch die Wirtschaft auf die Situation von Sozialhilfebezügern aufmerksam machen, die wieder arbeiten möchten, aber nirgends eine echte Chance erhalten.

«Er ist ein Macher, kein Redner»

Für Wernli ist klar, dass ein Stellensuchender wie Fratini eine Gelegenheit erhalten müsse, wo er sich beweisen kann. «Herr Fratini ist gesund, robust und motiviert. Er will und kann arbeiten, da gibts kein Wenn und Aber. Er ist ein Macher, kein Redner. Er kann sich einfach nicht gut verkaufen.»

Was Clauco Fratini über seine Situation sagt und vor allem, was er dabei fühlt, am Bahnhof für sich selber Werbung zu machen erfahren Sie im Video oben.

Haben Sie ein Jobangebot für Clauco Fratini? Schicken Sie ihm eine E-Mail auf balulola@bluewin.ch


Vor seinem eigenen Leuchtplakat wird Clauco Fratini seinen Flyer verteilen und er hofft, mit interessierten Passanten ins Gespräch zu kommen.