Vermieter ahnungslos

07. November 2019 11:51; Akt: 07.11.2019 11:51 Print

Plötzlich war die Ferienwohnung ein Bordell

Weil Prostituierte eine Luzerner Ferienwohnung als Bordell nutzten, riefen Nachbarn die Polizei – mehrmals. Der Vermieter wusste nichts davon.

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Eigentlich sollte sie als Ferienwohnung genutzt werden. Doch es kam anders: Eine Prostituierte nutzte die Wohnung eines Luzerner Gastronomen für gewerbliche Zwecke. Mehrmals wurde die Polizei gerufen. «Alle wussten offenbar davon, nur mir sagte keiner etwas», sagt Vermieter Hans P. Wanner zu Zentralplus. Nun hat der Gastronom reagiert: Er hat die Regeln zur Benutzung seiner Ferienwohnungen verschärft. Seither kam es in der Wohnung, die sich an der Rigistrasse befindet, zu keinen solchen Vorfällen mehr. Auch in Zürich kamen solche Fälle schon vor: Die Apartments von Swiss Star sind eigentlich für Geschäftsleute oder Touristen gedacht, die in Zürich für kurze Zeit eine Bleibe suchen. «Allerdings gehen in den rund 50 1-Zimmer-Wohnungen in einer Liegenschaft im Kreis 4 in letzter Zeit viele Prostituierte ein und aus», sagte eine Anwohnerin vergangenes Jahr. Nicht nur in den Apartments von Swiss Star richteten sich Prostituierte eine temporäre Bleibe ein. Ein solcher Fall ereignete sich auch Ende 2017 beim Albisriederplatz: Eine Zürcherin (30) hatte ihre Wohnung untervermietet und verreiste nach Hawaii. Statt selber einzuziehen, richtete ihr Untermieter Heiko S. in der Wohnung ein illegales Bordell ein. Eine Mitbewohnerin demonstrierte mit einem Flugblatt dagegen. Ihr Untermieter gab sich als seriöser Geschäftsmann aus. Trotz der Zunahme von Pop-up-Salons hat sich die Situation im Sexgewerbe beruhigt. Gemäss dem Bericht von 2018 über die Entwicklung des Prostitutionsgewerbes sei etwa auf dem ehemaligen Strassenstrich auf dem Sihlquai keine Prostitution mehr feststellbar. Auch hat sich gemäss Bericht zwischen 2015 und 2017 das Angebot des Strichplatzes Depotweg weiter etabliert. Pro Nacht arbeiten rund 20 bis 30 Prostituierte auf dem Strichplatz. Das sind weniger als früher am Sihlquai. Prostituierte als Piktogramm: Wegweiser zum Strichplatz und zu den Wohnmobilen, in denen Frauen anschaffen. 10er-Zone: Auf dem Strichplatz in Altstetten ist nur langsames Fahren erlaubt. Unterstand, um sich zu präsentieren: Regenschutz und Sitzgelegenheit für die Prostituierten. Sollen für die Prostituierten die Sicherheit verbessern: Autoboxen für den Strassenstrich. Werbung für die Zielgruppe: Plakat der Aids-Prävention in der Sexbox. Die neue Infrastruktur erforderte neue Piktogramme: Strichplatzregeln in der grafischen Darstellung. Beratung vor Ort: Büro der Organisation Dora Flora.

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«Alle wussten offenbar davon, nur mir sagte keiner etwas», sagt der Gastronom Hans P. Wanner gegenüber Zentralplus. Denn: In einer Ferienwohnung, die der Gastronom vermietet, war eine Prostituierte eingezogen. Die Wohnung an der Rigistrasse in Luzern nutzte sie für das Sexgewerbe.

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Mehrfach sei deswegen auch die Polizei ausgerückt, ein Nachbar hatte die Ordnungshüter gerufen. Wanner wurde dies jedoch nicht gemeldet. «Ich bin der Meinung, dass die Polizei mich als Vermieter hätte informieren müssen. Wie soll ich gegen die gewerbliche Nutzung vorgehen, wenn ich nichts davon weiss?», sagt er zum Onlineportal.

Hausordnung wurde verschärft

Der Vermieter hofft nun darauf, dass die Verantwortlichen gefunden und bestraft werden: «Das wird auch allen anderen, die so etwas betreiben, einen Schuss vor den Bug versetzen», sagt er.

Gleichzeitig hat Wanner, der noch eine zweite Ferienwohnung besitzt, auch die Regeln für die Benutzung seiner Wohnungen verschärft: «Wir geben den Gästen nun eine achtseitige Hausordnung ab, die sie unterzeichnen müssen», so der Vermieter. Wer eine Wohnung mieten will, muss sich ausweisen. Wer heimlich weitere Gäste in die Wohnung bringt, fliegt raus. Das scheint zu funktionieren. Wanner: «Es kam seither zu keinen Vorfällen mehr.»

Gastronom Wanner, der das Fondue House und das Hotel Falken betreibt, ist vertraut mit ähnlichen Maschen – etwa, dass Hotelzimmer von Prostituierten genutzt werden. «Als Hotelier kenne ich das bestens: Eine Dame bucht alleine ein Doppelzimmer und hat dann alle drei Stunden eine andere Begleitung.» Der Fall mit der Ferienwohnung habe ihn aber doch überrascht.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tell's Lady am 07.11.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clevere Ladies

    Scheinbar gibt es viele Prostituierte, die keineswegs dumme und ahnungslose Opfer von Zuhälter sind, sondern clevere Geschäftsfrauen, die ihr Business verstehen.

  • Joe Kilchmann am 07.11.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sache gits

    hmmm in meinem vermieteten Haus gab es eine schöne Hanfplantage. Leider fiel dann der Putz von den Wänden

  • Mary am 07.11.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Nichts Neues. Die Vermieter sind selber schuld wenn sie nur auf Geld scharf sind u die Mieter nicht kontrollieren Das Gleiche in Aarau Telli passiert

Die neusten Leser-Kommentare

  • Joe Kilchmann am 07.11.2019 16:22 Report Diesen Beitrag melden

    Sache gits

    hmmm in meinem vermieteten Haus gab es eine schöne Hanfplantage. Leider fiel dann der Putz von den Wänden

  • Werner am 07.11.2019 15:49 Report Diesen Beitrag melden

    Immer dieselbe Leier der Vermieter

    Arbeitende Mieter die sich mit solchen Nachbarn rumschlagen müssen gehen durch die Hölle weil man unter solchen Umständen auch in der Nacht nicht mehr zur Ruhe kommt. Und wenn man dann beim Vermieter reklamiert wird einfach überhaupt nichts unternommen. Eigentlich gehören Vermieter welche von solchen Machenschaften in ihrer Liegenschaft Kenntnis haben und nichts dagegen unternehmen hart bestraft.

  • Tell's Lady am 07.11.2019 14:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Clevere Ladies

    Scheinbar gibt es viele Prostituierte, die keineswegs dumme und ahnungslose Opfer von Zuhälter sind, sondern clevere Geschäftsfrauen, die ihr Business verstehen.

  • Mary am 07.11.2019 13:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wen wunderts

    Nichts Neues. Die Vermieter sind selber schuld wenn sie nur auf Geld scharf sind u die Mieter nicht kontrollieren Das Gleiche in Aarau Telli passiert

  • Toni Pepermit am 07.11.2019 13:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Komisch

    Ich bin der Meinung, dass der Wohnungseigentümer hätte informiert werden müssen...