Luzern

04. Juni 2018 19:55; Akt: 05.06.2018 10:15 Print

Politik will Fasnächtlern Ohrstöpsel verpassen

von Daniela Gigor - Guuggenmusigen können das Gehör der Zuschauer schädigen. Darum sollen künftig obligatorisch Gehörschutze verteilt werden. Dies sei «Habakuk», sagen Fasnächtler.

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Der Bundesrat möchte das Volk vor lauten Veranstaltungen mit einem Schallpegel von über 93 Dezibel schützen. Darum sollen künftig an solchen Events Gehörschutze abgegeben werden und die Besucher etwa mit Plakaten für die Gefahren sensibilisiert werden. Diese Vorlage wurde nun in die Vernehmlassung geschickt – und wird von der Luzerner Regierung unterstützt. Im Klartext würde dies heissen, dass auch allen Besuchern der Luzerner Fasnacht Gehörschutze angeboten werden müssten. «Mir ist es wichtig, dass jene, die ihr Gehör schützen wollen, über eine entsprechende Möglichkeit verfügen», sagt Regierungspräsident Guido Graf zur «Luzerner Zeitung».

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Sollen Ohrstöpsel obligatorisch an der Fasnacht gratis verteilt werden?

Appell an die Eigenverantwortung

«Das ist eine Kafi Schnaps-Idee. Das Verteilen von bis zu 150'000 oder mehr solcher Gehörschutze dürfte unmöglich sein», sagt Robert Marty, Sprecher der Vereinigten Guuggenmusigen. Marty bezweifelt auch, dass der Schallpegel der Guuggen 93 Dezibel oder mehr erreiche. Dies sei auch abhängig davon, wo sich die Guuggen in der Stadt bewegen würden. Mehr hält Marty von den Warnhinweisen: «Dies ist realisierbar. Aber ich appelliere an die Eigenverantwortung der Fasnächtler.»

Wer soll die Gehörschutze bezahlen?

Ähnlich sieht dies René Hug, Zunftmeister der Galli-Zunft in Kriens: «Das ist wieder ein Papiertiger von gewissen Leuten, die zuwenig echte Arbeit haben.» Für ihn ist die Abgabe von Gehörschutzen an einem Fasnachtsumzug nicht möglich – es gebe keine Türen, wo die Leute ein- und ausgehen. Sie würden sich bewegen und einfach kommen und gehen. «Da müsste uns wohl der Bund oder die Suva zuerst aufzeigen, wie das umzusetzen ist.» Marty und Hug stellen zudem die Frage, wer diese Gehörschutze bezahlen würde.

Stadt sieht Vorhaben sinnvoll und machbar

Die Stadt Luzern dürfte diesen Betrag nicht übernehmen: «Die Stadt ist nicht ‹Veranstalterin› der Fasnacht. Vielmehr obliegt ihr die Koordination aller Aktivitäten auf öffentlichem Grund – zusammen mit den Fasnachtsinstitutionen», schreibt Mario Lütolf, Leiter Stadtraum und Veranstaltungen auf Anfrage. Mit Verständnis für das Gefährdungspotenzial teile die Stadt die Haltung, pragmatische, auch von Eigenverantwortung getragene Lösungen zu definieren. Lütolf sagt aber auch: «Das Anbieten von Gehörschutzen und Hinweise auf die Gefahren erhöhter Schallpegel erscheinen – in Zusammenarbeit mit den Fasnachtsinstitutionen – durchaus als sinnvoll und machbar.»

20 Prozent mehr Patienten an der Fasnacht

Bei Medizinern kommt die Idee gut an: «Wir haben nur zwei Ohren und sie sind eines der empfindlichsten Organe des Menschen», sagt der Luzerner Nasen-, Hals- und Ohrenspezialist Marcus Maassen. Wenn jeweils die Fasnacht beginne, verzeichne er bis zu 20 Prozent mehr Patienten. Die häufigsten Diagnosen bei den meist jungen Patienten bis 30 Jahre seien akute Ohrenleiden und Hörminderung oder Ohrengeräusche. Maassen: «Darum finde ich die Idee des Bundes und die Unterstützung des Kantons Luzern super.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.L. am 04.06.2018 20:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    .. bleibt mal wieder auf der Strecke. Wird immer amerikanischer...

    einklappen einklappen
  • Geronimo am 04.06.2018 20:08 Report Diesen Beitrag melden

    Immer schlimmer

    Der Verbots- und Vorschriftenwahnsinn geht weiter.

  • dj scrat am 04.06.2018 20:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    währe wohl zu einfach...

    man könnte auch einfach einen gehörschutz von zu hause mitbringen...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lozärner am 05.06.2018 22:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Guugerpower

    Das gibt tolle Sujets, ab dem 28. Februar 2019 05:00 :-) Go Guugenpower go.... Jeder merkt indes selbst wenn es zu laut wird, wir sind ja nicht doof.

  • Klavadetscher am 05.06.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Null Dezibel

    Keine Musigproben mehr. Da man mit Ohrstöpsel sowieso nichts mehr hört, müssen die Guggenmusigen nur noch lautlos spielen. Da merkt auch keiner, wenn es nicht so gut tönen würde. Beamten sei Dank, dass sie soooooo gute Ideen haben.

  • So ein am 05.06.2018 09:06 Report Diesen Beitrag melden

    Stuss!

    Es kommt der Tag, wo sich unsere lieben Politiker selber Ohrstöpsel verpassen, weil sie ihren eigenen Stuss nicht mehr vertragen. ;) ;) ;)

  • Franz Karl Weber am 05.06.2018 08:37 Report Diesen Beitrag melden

    Eigenverantwortung

    Auch schon mal gehört? Ist mittlerweile ein Fremdwort in der Schweiz.

  • Wie im Märchen, der Wolf am 05.06.2018 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    und die 7 Geisslein

    Wieder einmal Märchenstunde im Bundeshaus, es war einmal.......... Und an den Bundesrat bitte 7 Maulkörbe verteilen, dass wir diesen Mist nicht länger anhören müssen. Vielen Dank! ;)