Dashcam-Wahn

16. September 2014 11:53; Akt: 16.09.2014 13:14 Print

Privater filmt hundert Lenker und zeigt sie an

Drängeln, dicht auffahren und rechts überholen – diese Manöver anderer Verkehrsteilnehmer filmte ein Autofahrer mit seiner Kamera. Die Polizei hatte gar keine Freude an den Anzeigen.

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Ein Lenker hat auf seiner morgendlichen Autobahnfahrt zwischen Baar und Rotkreuz über hundert Verkehrsteilnehmer bei Verletzungen von Verkehrsregeln gefilmt. Diese hat er darauf bei der Polizei verzeigt. Die Videoaufnahmen machte er mit einer privaten Videokamera in seinem Auto. Offenbar filmte der Mann vor allem, wie Autofahrer drängelten, dicht auffuhren, im letzten Moment die Spur wechselten oder rechts überholten. Dabei soll er laut einem Verzeigten gar extra langsam gefahren sein, um Autofahrer zu provozieren rechts zu überholen. Die Aufnahmen reichte er gleich mit den Anzeigen ein.

Bei der Polizei hatte man aber gar keine Freude an den Videosequenzen. «Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zug stellte die Strafuntersuchungen bis auf wenige Ausnahmen ein», sagte Sprecher Marcel Schlatter von der Zuger Kantonspolizei gegenüber der «Neuen Luzerner Zeitung». Denn die Überwachung des öffentlichen Raums und das Sammeln von Daten auf Vorrat durch Privatpersonen sei nicht zulässig. Auf den Bildern seien weder Unfallfolgen noch konkrete Gefährdungen zu sehen. «Eine flächendeckende Video-Überwachung durch Privatpersonen ist unverhältnismässig und rechtfertigt das öffentliche Interesse an Verkehrssicherheit nicht», so Schlatter. Für die Sicherheit im Strassenverkehr sei die Polizei zuständig, die über genügend Spezialisten verfüge und ausgebildet sei, um Überwachungen im Strassenverkehr durchzuführen.

Dashcams nicht explizit verboten, aber umstritten

Eine Videokamera im Auto zu installieren, ist nicht verboten, wenn die Sicht des Autofahrers nicht beeinträchtigt ist. Beim Fahren zu filmen ist aber eine heikle Angelegenheit. «Es ist nicht zulässig, dass Privatpersonen mit ununterbrochen eingeschalteten Videokameras den ganzen Verkehr und alle Passanten überwachen», sagt Zugs Datenschutzbeauftragter René Huber. Grundsätzlich sei das Filmen von öffentlichem Grund in engen Grenzen zulässig. Die sogenannten Dashcams würden diese Grenzen aber überschreiten. Der eidgenössische Datenschutzbeauftragte Hanspeter Thür kritisiert die Tatsache, dass die Videokamera durch die Windschutzscheibe nicht zu sehen ist und die Betroffenen darum gar nicht wissen, dass sie gefilmt werden.

Verboten sind die Kameras dennoch nicht, wie der Touring Club Schweiz bestätigt. «Wir stehen dem ständigen Einsatz von Dashcams auf öffentlichem Grund und dem systematischen Verzeigen von anderen Strassenverkehrsteilnehmern durch Private aber kritisch gegenüber», sagt Sprecher David Venetz. Er gibt zu bedenken, dass das Filmen von Personen, die nichts von den Aufnahmen wissen, als illegal eingestuft werden könnte. «Auch wenn die Kameras nicht explizit verboten sind.»

(ann)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nora T. am 16.09.2014 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Pro Dashcam

    Ich habe auch eine Dashcam im Auto. Schaue mir die Aufnahmen aber nie an, das wäre Zeitverschwendung. Als Autofahrer steht man heute mit einem Bein im Gefängins. Im Falle eines Falles möchte ich daher abgesichert sein. Ein Unfall wäre somit der einzige Moment, wo ich mir das Video von der Kamera herunterladen würde.

  • Bruno Meier am 16.09.2014 16:36 Report Diesen Beitrag melden

    Der Denunziant

    Solche Leute haben einen Namen: Denunzianten. vielleicht bald eine neue TV-Show? Tief genug dafür ist das Niveau allemal ;-)

    einklappen einklappen
  • Walter R am 16.09.2014 13:13 Report Diesen Beitrag melden

    Gegen-Anzeige.

    Ganz einfach mit einer Gegen-Anzeige drohen, notfalls auch machen, wegen übler Nachrede und Rechtsmissbrauch. Das habe ich schon einmal gemacht nach einer Anzeige durch einen Privatmann wegen angeblichen fahren im Fahrverbot. Ich habe danach nichts mehr von ihm gehört.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Cellius am 17.09.2014 12:43 Report Diesen Beitrag melden

    Egoprobleme der chronischen Linksfahrer

    Was nur ist das Problem von diesen Typen welche links fahren obschon rechts alles frei wäre oder man locker den nachkommenden Verkehr durchlassen könnte, egal ob der hinten dran drängelt od. nicht? Ich meine haben die ein Ego Problem wenn sie jemanden durch lassen müssen oder was ist es?

  • R.Isenschmid am 17.09.2014 12:39 Report Diesen Beitrag melden

    Auf Dashcam: Polizei provoziert auch !

    Ein ziviles Fahrzeug der MEPO fährt in Spreitenbach Richtung Bern auf die Autobahn auf, wechselt ohne zu blinken auf die mittlere Fahrbahn und gibt sich meinem Vordermann als Polizei zu erkennen. Im Gegenlicht erkennbar, winkt dieser ab und verringert seine Geschwindigkeit gemäss GPS um ca. 8 km/h. Die Abstände der nachfolgenden Fahrzeugen verringern sich. Während der Fahrt (!!) setzt der MEPO-Fahrer seinen Sitz nach hinten, so die Arme das Steuerrad noch knapp unten halten können, und er sich hinter der B-Säule verstecken kann. Lässt sich zur Abstandsmessung zurückfallen. Erwischt (3M.Entzug)

  • Chregu am 17.09.2014 11:46 Report Diesen Beitrag melden

    Ein bisschen hat er Recht!

    Denunziern ist falsch, was daraus entstehen kann weiss hoffentlich jeder! Trotzdem ist die Strecke wirklich manchmal ein bisschen abenteuerlich, vor allem am Morgen!

  • Tito am 17.09.2014 11:21 Report Diesen Beitrag melden

    Verbrecher anstatt Verkehrssünder...

    Bussen verteilen ist bereits die Hauptaufgabe der Polizei! Er soll lieber auf Verbrecherjagt gehen, denn dafür hat die Polizei keine Zeit mehr!

  • Janosch am 17.09.2014 10:59 Report Diesen Beitrag melden

    Grund

    Der eigentliche Grund wieso alle auf der Autobahn drängeln und zu wenig Abstand haben ist, weil es einfach zu viele Autos auf nur zwei Spuren hat. Wann begreift der Bundesrat endlich, dass hier ein Ausbau nötig ist? Je länger man wartet, desto teurer wird es.