Wahlen Luzern

31. März 2019 11:09; Akt: 31.03.2019 19:14 Print

Grüne Welle rollt jetzt auch über Luzern

Die Ökoparteien sind die Gewinner der Luzerner Parlamentswahlen. Grüne und GLP haben 11 zusätzliche Sitze gewonnen.

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Die Klimadebatte und die Frauenvertretung haben bei den kantonalen Wahlen den Luzerner Grünen zu Höhenflügen verholfen. Die Wählerinnen und Wähler setzten im Parlament vermehrt auf Öko-Parteien.

Für eine Überraschung sorgte auch die Grüne Regierungsratskandidatin. Im fünfköpfigen Regierungsrat wurden im ersten Wahlgang nur zwei der vier Bisherigen bestätigt, nämlich die beiden Regierungsräte der CVP: Guido Graf holte 59'291 Stimmen, Reto Wyss 58'088. Die Wahl geschafft hat auch Fabian Peter (FDP) mit 56'410 Stimmen. Der 42-jährige Sanitärunternehmer und Kantonsrat konnte somit auf Anhieb den freiwerdenden Sitz der Freisinnigen verteidigen.

SVP-Regierungsrat verpasst absolutes Mehr knapp

Der bisherige Regierungsrat Paul Winiker (SVP) blieb mit 53'675 Stimmen relativ knapp unter dem absoluten Mehr von 54'369 Stimmen. Deutlich zurück blieb der parteilose Regierungsrat Marcel Schwerzmann, der nur 39'500 Stimmen machte. Der Finanzdirektor kam damit nur auf den siebten Platz.

Noch vor Schwerzmann platzierten sich die Kandidaten der Linken. Korintha Bärtsch (Grüne) landete auf dem fünften und damit auf dem letzten Regierungsplatz. Mit 42'946 Stimmen holte sie genau 400 Stimmen mehr als Jörg Meyer von der SP. 35'365 Stimmen machte alt Nationalrat Roland Fischer (GLP).

Vor vier Jahren hatte die SP ihren traditionellen Regierungssitz verloren. Gleichzeitig wurden die Frauen aus der Regierung abgewählt. Dass die grüne Kandidatin sogar mehr Stimmen machte als derjenige der SP, dürfte auch daran liegen, dass sie die einzige Frau im Kandidatenfeld war.

Wie weiter im zweiten Wahlgang?

Wie die Linken sich nun für den zweiten Wahlgang positionieren wollen, liessen Bärtsch und Meyer am Sonntag offen. Bärtsch wurde mit grossem Applaus im Wahlzentrum empfangen. Die 34-jährige Umweltwissenschafterin sagte, sie spüre nur Freude.

Meyer sagte, dass sich beide Linke vor einem amtierenden Regierungsrat platzieren könnten, zeige, dass sich etwas ändern müsse. Auf die Regierung der letzten vier Jahre könne man nicht stolz sein.

Tatsächlich hatte der Kantone Luzern zuletzt vor allem mit seiner Sparpolitik von sich reden gemacht. Dazu gehörten auch Kürzungen bei den Prämienverbilligungen, die das Bundesgericht für ungesetzlich erklärte.

Schwerzmann tritt wieder an

Schwerzmann führte sein schlechtes Abschneiden auf dieses Urteil und die Klimademonstrationen zurück, die der Linken Auftrieb gegeben hätten. Er sei nicht für die Luzerner Finanz- und Steuerpolitik abgestraft worden, diese habe es ja schon bei den letzten und vorletzten Wahlen gegeben. Zudem sei diese von der ganzen Regierung, dem Parlament und dem Volk abgesegnet.

Schwerzmann will im zweiten Wahlgang erneut antreten, zusammen mit SVP-Regierungsrat Winiker. Dieser sagte, dass es Schwerzmann als Parteiloser schwer habe. Die Parteien müssten sich nun für den zweiten Wahlgang überlegen, welche Finanzpolitik sie wollten.

Ökoparteien verdoppeln Sitzzahl fast

Einen Erfolg bereits auf sicher haben die Grünen bei den Kantonsratswahlen. Sie haben im neuen Kantonsparlament ihre Sitzzahl auf 14 verdoppelt, zusätzlich sind neu auch die Jungen Grünen mit einem Sitz vertreten. Die Grünliberalen legten von 5 auf 8 Sitze zu.

Grünen-Präsident Maurus Frey wollte das gute Abschneiden nicht alleine auf die Klima-Debatte abstellen. Die Grüne Kleinstfraktion habe in der Vergangenheit gute Arbeit geleistet, insbesondere auch bei sozialen Themen. Das Volk habe die Verhärtung der letzten vier Jahre satt, neu dürften allenfalls gar linke Sperrminoritäten möglich sein. Dass die Grünen in Luzern anteilsmässig stärker zugelegt haben als die Partei vergangene Woche im Kanton Zürich führte er auf die «Arroganz der bürgerlichen Allianz» zurück.

Erfolgreich gegen die bürgerliche Politik angekämpft hatte auch die SP. Sie gewann 3 Sitze und kommt neu auf 19 Mandate. Sie liegt nur noch drei Mandate hinter der SVP und der FDP. Vor allem die SVP war mit einem Verlust von 7 Sitzen grosse Verliererin des Tages. Sie hat neu noch 22 Sitze, gleich viele wie die FDP, die 3 Sitze einbüsste.

Bürgerliche Dominanz

Im 120-köpfigen Kantonsrat bleibt die CVP zwar mit 34 Vertretern klar stärkste Kraft, hat aber 4 Sitze verloren. Die drei grossen bürgerlichen Parteien bleiben damit dominierend mit knapp zwei Drittel der Sitze.

Der Frauenanteil erhöhte sich von 29,2 auf 34,5 Prozent. Das Durchschnittsalter verharrte bei 49 Jahren. Die Wahlbeteiligung erholte sich und lag bei 41,5 Prozent, nachdem sie bei den letzten Wahlen auf 39 Prozent abgerutscht war. Zugenommen hat sie vor allem in der Stadt und Agglomeration Luzern. Auch dieses Mal war die Beteiligung in Dierikon (24,7 Prozent) am tiefsten und in Flühli (62,6 Prozent) am höchsten.

(20 Minuten)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Nick am 31.03.2019 11:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht wählbar für mich

    Dass die Grünen sich für die Umwelt einsetzen wollen ist gut, aber die meisten anderen politischen Standpunkte machen diese Partei für mich nicht wählbar.

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  • Facter am 31.03.2019 12:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Widersprüchliche Partei

    Die Grünen mit ihrer Politik der offenen Grenzen, lassen eine unkontrollierte Zuwanderung in unser Land zu, wo durch unser Natur mit Wohnbauten und Infrastruktur-Ausbau zubetoniert werden. Das sehe ich auch nichts von Klimaschutz.

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  • Patricia am 31.03.2019 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchlerei

    Die Grünen und die Linken sind aber diejenigen die eine uneingeschränkte Zuwanderung wollen. Ein Hohn für die Alteingesessenen und ein praktischer Vorwand genau denen weitere Verbote und Steuern aufzuhalsen. Und was tut der Wähler? Genau, er wählt seinen Henker!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • pepopepone am 13.04.2019 16:33 Report Diesen Beitrag melden

    überbevölkerung

    Ja die linken und grünen können ja nur fordern aber lösungen gibt es keine, nur immer mehr Steuern und Abgaben. Zudem wandelt sich das Klima sit es die Erde gibt. Schlussendlich mein Fazit es sind zu viele Erdbewohner auf dieser Kugel.

  • Oekolog am 01.04.2019 16:02 Report Diesen Beitrag melden

    eingeschleppte Neophyte

    Und schon wieder eine Grüne Umweltkatastrophe in Luzern. Vor noch nicht allzulange war es die Emme und nun der ganze Kanton. Grün ist wirklich je längers je mehr ein Unkraut welches samt Stiel und Wurzeln ausgerottet und als eingeschleppte Neophyte betrachtet werden muss.

  • Aufwachen! am 01.04.2019 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    @LinksGrün

    Jetzt müssen Banken und privater Wohneigentum enteignet werden, damit wir die Flüchtlingspolitik finanzieren können!

    • Xeno72 am 01.04.2019 23:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Aufwachen!

      Kein Kanton hat solche Kompetenzen.

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  • Gerry am 01.04.2019 14:58 Report Diesen Beitrag melden

    Heuchelei nur eigne Kohle zählt

    Grüne mit EFH, mind. 2 Autos, x Kinder, fliegen in die Ferien alles Heuchelei. Und anderen wollen sie alles verbieten. Kenne ich alles aus and. Kantonen. Der Fussabdruck der Grün ist nicht kleiner al der der anderen.

    • Xeno72 am 02.04.2019 09:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Gerry

      Ökologische Fragen müssen politisch gelöst werden, nicht moralisch.

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  • Eidgenoss am 01.04.2019 14:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Linker

    Wenn die grünen nicht so eine extreme einstellung hätten, wären sie ziemlich gut... sie machen alles kaputt was spass macht...

    • Xeno72 am 02.04.2019 09:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Eidgenoss

      Nicht ganz unverständlich der Beitrag. Verbote sind keineswegs immer die beste Lösung.

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