Brand in Wohnhaus

13. August 2019 04:47; Akt: 13.08.2019 04:47 Print

Mutiger Helfer kriegt viel Lob für Zivilcourage

Weil ein 17-Jähriger Bewohner eines brennenden Hauses warnte, kriegt er viel Zuspruch und Lob – auch in den Medien. Er würde wieder so handeln.

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«Ich habe geklingelt, die Türen geöffnet und geschrien, es brenne»: Kevin Errante (17) hat die Bewohner eines brennenden Hauses in Ebikon LU gewarnt, nachdem er die Feuerwehr verständigt hatte. Am Montag brannte in Ebikon ein Wohnhaus aus. Bei der Feuerwehr ging um 14.26 Uhr der Alarm zu einem Küchenbrand ein. Drei Personen wurden leicht verletzt. Ein Feuerwehrmann musste wegen Erschöpfung ins Spital gebracht werden. Ein anderer erlitt eine leichte Augenverletzung, die vor Ort behandelt wurde, schreibt die Luzerner Polizei. Das Haus ist nach dem Brand unbewohnbar. Die Bewohner der angrenzenden Liegenschaften wurden währen der Löscharbeiten ebenfalls evakuiert. Diese Gebäude konnten allerdings geschützt werden. Der Schaden am abgebrannten Gebäude lasse sich noch nicht beziffern. Die Polizei macht keine Angaben zur Brandursache und verweist auf die laufenden Ermittlungen der Branddetektive der Luzerner Polizei. Kevin Errante: «Eine Frau sagte mir, sie habe eine Pfanne mit Öl auf dem Herd vergessen, während sie sich im unteren Hausteil um die Wäsche kümmerte.» «Als ich nach oben kam, versuchte eine Frau, den Feuerlöscher zu betätigen. Dieser funktionierte nicht oder das Feuer war bereits zu gross», sagt Errante zu 20 Minuten. Laut Polizei standen rund hundert Einsatzkräfte im Einsatz. Drei Feuerwehren waren vor Ort, dazu Ambulanz und Polizei. Das Haus am Tag danach. Laut Medienmitteilung der Polizei bleibt das Gebäude vermutlich unbewohnbar und erlitt Totalschaden. Die Gemeinde Ebikon kümmert sich um die Unterbringung der Bewohner.

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Der 17-jährige Kevin Errante aus Ebikon LU handelte rasch und überlegt, als er vergangene Woche einen Brand bemerkte. Unterwegs mit dem Roller, wurde er aufmerksam auf eine Rauchsäule, die aus einem Wohnhaus aufstieg. Er wendete, parkierte den Roller und alarmierte die Feuerwehr. Offenbar hatte diese bereits Kenntnis von dem Brand, war aber noch nicht vor Ort. Dann ging er ins Haus. Errante: «Ich klingelte überall und schrie, um die Bewohner zu warnen.» Im oberen Geschoss forderte er ein Paar auf, das Haus sofort zu verlassen. Das durch eine brennende Pfanne ausgelöste Feuer war bereits zu gross, um gelöscht werden zu können.

Lob und viele Kommentare

Der Jugendliche erzählte seine Geschichte nach dem Brand verschiedenen Zeitungen. Von den 20-Minuten-Lesern erhielt er für seine beherzte Reaktion viel Zuspruch und Lob. Jetzt wurde der «Beobachter» auf das Eingreifen Errantes aufmerksam und will ihm die Rubrik «Courage» der aktuellen Ausgabe widmen.

«Es erstaunt mich, dass viele denken, nicht jeder hätte so gehandelt», sagt der junge Mann. Für ihn sei seine Reaktion eine Selbstverständlichkeit. Er wäre auch froh, wenn ihm in einer solchen Situation jemand helfen würde, sagt er. «Ich wurde nach dem Brand von Freunden und Bewohnern aus Ebikon angesprochen. Alle fanden, ich hätte das gut gemacht. Sogar in der Migros an der Kasse wurde ich gelobt.» Er finde es toll, dass er im «Beobachter» porträtiert werde. Errante sagt aber auch, er habe getan, was wohl jeder getan hätte.

Er habe die Situation so eingeschätzt, dass er das Haus noch betreten könne, ohne sich zu gefährden, sagt der 17-Jährige. «Ich mache eine Ausbildung als Koch. Dort lernten wir den Umgang mit brennendem Öl.» Aus Schulungen wusste er, dass in einem solchen Fall nicht mit Wasser gelöscht werden darf, sondern das Feuer erstickt werden muss. «Vielleicht hätte die Frau mit diesem Wissen den Brand noch eindämmen können», mutmasst er.

«Bei Gefahr gehen wir drei Schritte zurück»

Cornel Schuler von der Feuerwehr der Stadt Luzern sagt: «Grundsätzlich ist alarmieren ab dem Moment angebracht, wo einem bewusst wird, dass etwas nicht stimmt.» Beim Brand in Ebikon war Schuler nicht vor Ort, meint aber: «Wenn es möglich ist, andere zu retten und zu warnen, ohne sich selber in Gefahr zu bringen, ist es angezeigt, so zu handeln.» Oberste Priorität habe aber immer die eigene Sicherheit. Dies gelte auch für die Feuerwehrleute im Einsatz. «Bei Gefahr gehen wir drei Schritte zurück», so Schuler.

Ein brennendes Gebäude zu betreten berge viele Gefahren, sagt Schuler zu 20 Minuten. Wenn aber das Feuer, so im Fall von Ebikon, in der oberen Etage wütet und das Treppenhaus frei von Rauch ist, dann sei es möglich, noch im Gebäude nach Menschen zu suchen. Wenn eine Situation gefährlich ist, müsse von aussen gewarnt werden und auf die Einsatzkräfte gewartet werden.

Weiter schildert Schuler das Vorgehen der Feuerwehr so: «Vor Ort wird die Feuerwehr versuchen, einen Weg im Gebäude rauchfrei zu halten.» Dieser Korridor diene einerseits als Fluchtweg, aber auch als Vorstoss-Möglichkeit für die Löscharbeiten.

(nob)