Vorstoss

16. Mai 2019 18:05; Akt: 16.05.2019 18:05 Print

So sollen Pferde helfen, den Wald zu schützen

Holzerntemaschinen stossen Abgase aus können dem Wald schaden. Darum sollenwie früher Pferde die Bäume aus dem Wald schleppen, fordert ein Politiker.

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Bei Holzerarbeiten kommen üblicherweise schwere Maschinen zum Einsatz – so etwa wie dieser Holzvollernter, auch Harvester genannt. Mit Forwardern, auch Tragrückschlepper genannt, wird das Holz abtransportiert. Durch die schweren Maschinen kann insbesondere bei nassen Bedingungen der Boden geschädigt werden, die Bodenverdichtung nimmt zu. Zudem machen die Maschinen Lärm und stossen Abgase und CO2 aus. Deshalb sollen im Kanton Luzern wieder vermehrt Rückepferde eingesetzt werden (hier im Meggerwald), die Stämme aus dem Wald schleppen, fordert SP-Kantonsrat Hasan Candan per Vorstoss. Die Kantonsregierung soll prüfen, wie «das Holzrücken durch Pferde gefördert und im Staatsforstbetrieb eingesetzt werden kann.» Die Tiere seien auch in steilem Gelände wendig und könnten fast das ganze Jahr über eingesetzt werden. Bei Maschinen sei das witterungsbedingt nicht immer möglich. Zudem müssten weniger breite Rückegassen – also Wege, über die die Baumstämme abtransportiert werden – geschlagen werden. Pferde könnten zwar Forstmaschinen nicht ersetzen, aber eine «ökologisch und ökono- misch sinnvolle Ergänzung bei Waldarbeiten bieten.» In Deutschland würde der Einsatz von Rückepferden inzwischen mittels Subventionen gefördert. Hier eine Bild aus dem Stadtwald in Koeln-Brueck. Die Rückepfere bieten neben ökologischen auch ökonomische Vorteile: Es gebe weniger Schäden an Boden und Bäumen und durch die weniger breiten Rückegassen gewinne man Waldfläche dazu.

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«Aufgrund der Klimaerwärmung müssen wir den Kanton Luzern komplett neu denken, warum setzen wir nicht auf altbewährte Methoden, wenn diese Klima und Wald schützen sowie effektiv sind?», fragt sich SP-Kantonsrat Hasan Candan.

Rückegassen würden kleiner

Hintergrund: Bei der Holzernte kommen üblicherweise schwere und mit Diesel betriebene Maschinen zum Einsatz. Dadurch würde die Bodenfruchtbarkeit verringert und die Maschinen könnten auch Schäden am Baumbestand verursachen. Und: Die Maschinen stossen Abgase und somit CO2 aus.

Möglicher Lösungsansatz laut Candan: Bei Holzarbeiten sollen wieder vermehrt Rückepferde zum Einsatz kommen, wie das früher der Fall war. Die Pferde seien wendiger und könnten auch in steilem Gelände eingesetzt werden, ohne dass dafür breite Rückegassen – Wege, über die die Baumstämme abtransportiert werden – geschlagen werden müssten, wie das bei Maschinen der Fall sein könne.

«Ökologisch und ökonomisch sinnvolle Ergänzung»

Der Transport per Pferd sei zudem nachhaltiger: Es käme zu weniger Schäden, weniger Bodenverdichtung, weniger Lärm und es würde weniger CO2 ausgestossen. Und: Pferde könnten fast das ganze Jahr Baumstämme transportieren, mit Maschinen ist das witterungsbedingt nicht immer möglich.

Baumfällungen mit einem Holzvollernter, auch Harvester genannt. (Video: Youtube/Landwirt.com)

Deshalb schreibt der SP-Politiker: «Die Regierung wird gebeten zu prüfen, wie das Holzrücken durch Pferde gefördert und im
Staatsforstbetrieb eingesetzt werden kann.» Pferde könnten zwar Forstmaschinen nicht ersetzen, aber eine «ökologisch und ökono-
misch sinnvolle Ergänzung bei Waldarbeiten bieten.»

Denn: Auch die Holzwirtschaft stehe unter Effizienz- und Kostendruck, gleichzeitig stiegen die Anforderungen an an eine naturnahe Waldbewirtschaftung immer mehr.

Pferdeeinsatz in Deutschland gefördert

«Studien der Hochschule für Forstwirtschaft in Rottenburg konnten zudem aufzeigen, dass beim Vorliefern von Vollbäumen der Pferdeeinsatz im Vergleich zum Seilschleppereinsatz neben ökologischen ebenso ökonomische Vorteile besitzt», schreibt Candan im Vorstoss. Dies durch die Schäden an Boden und Baumbestand, die so verhindert werden könnten.

Zudem würde man durch schmalere Rückegassen Waldfläche gewinnen. «Verschiedene Bundesländer unseres nördlichen Nachbarn fördern mittels Subventionen den Einsatz von Pferden bei der Holzernte.»

Nataurähe vs. Effizienz

«Der Ansatz ist super», sagt Forstbetriebsleiter Erwin Meier vom Luzerner Staatsforstbetrieb, «aber Effizienz- und Kostendruck sowie eine schwierige Topografie spielen einer breiten Anwendung entgegen.» Der Pferdeeinsatz sei nur in einfachen Verhältnissen und im Arbeitsverfahren in Teilschritten sinnvoll.

Hinzu kommt: «Sowohl Pferde als auch Pferdeführer brauchen eine entsprechende Ausbildung.» Meier selbst kennt diese Arbeitsweise noch aus früheren Zeiten. Zuerst müsste wieder in die Ausbildung investiert werden, und dies könne nicht mit einem Fingerschnippen erledigt werden. «Einzelne spezialisierte Unternehmen bieten heute das Holzrücken mit Pferden auf dem freien Markt an.»

Verdichteter Boden auf Jahrzehnte zerstört

Man nehme die Bodenverdichtung aber ernst: «Das ist bei uns ein sehr grosses Thema», so Meier. Die Dienststelle Landwirtschaft und Wald habe in der letzten Zeit sehr viel Sensibilisierungsarbeit bei den Waldbesitzern betrieben. Ein grosser Aufwand, denn: Der Staatswald macht 6 Prozent der Luzerner Waldfläche aus. Und: Die private Waldfläche teilen sich 11'000 Besitzer.

Wenn immer möglich würden ausgehend von Waldstrassen Rückegassen angelegt – und die Forstarbeiter bewegten sich mit den Maschinen nur noch auf diesen Wegen. Mit dem Vollernter würden Bäume sicher gefällt und entastet. «Die Äste werden danach sofort eingesetzt, um auf der Rückegasse einen Schutzteppich für den Boden zu bilden», so Meier. «Man kann eigentlich gar nicht genug für dieses Thema sensibilisieren. Wird der Boden zu stark verdichtet, ist er auf Jahrzehnte zerstört.»

(gwa)