Sicherheitsgefühl im ÖV

25. Oktober 2019 04:52; Akt: 25.10.2019 04:52 Print

Warum fühlen sich so viele SBB-Kunden unsicher?

von Daniela Gigor - Eine Umfrage von 20 Minuten hat ergeben, dass sich eine Mehrheit der fast 4700 Teilnehmer in Zügen und Bahnhöfen unsicher fühlt. Die SBB kontert.

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Im September wurde ein 33-jähriger Luzerner im Bahnhof Luzern grundlos von einem Mann spitalreif geschlagen. Und an einem Abend Anfang Oktober setzte in Luzern ein Mann mit einem Messer die Passagiere des Interregio von Luzern nach Basel in Angst und Schrecken.

Umfrage
Denken Sie, dass die Sicherheit im öffentlichen Raum in den letzten Jahren abgenommen hat?

Umfrage zeigt deutliches Resultat

In einer nicht repräsentativen Umfrage zu letzterem Fall stellten wir folgende Frage: Fühlen Sie sich in Bahnhöfen und Zügen sicher? Das Resultat ist ziemlich deutlich (siehe Box).

In der Kommentarfunktion schrieb eine Leserin, die sich «Kondi SBB» nennt: «Als Kundenbegleiterin könnte ich hier so einige Geschichten erzählen.» Weiter schrieb ein Mann, der als Lokführer tätig sei: «Es gibt leider viel zu wenig Sicherheitspersonal auf den Zügen.»

«Unsere Bahnhöfe sind sicher»

20 Minuten fragte nach, was die SBB in grösseren Bahnhöfen unternimmt, damit sich Reisende wieder sicherer fühlen. Darauf antwortete Sprecher Daniele Pallecchi: «Unsere Bahnhöfe sind sicher, häufig sicherer als der restliche öffentliche Raum.» An Bahnhöfen in kleineren Ortschaften gebe es einen permanent engen Austausch zwischen lokalen und kantonalen Polizeien und Behörden sowie der SBB. Ausserdem solle nicht vergessen werden, dass auch Lokomotivführer in den Zügen sitzen würden, die die Situation auf und entlang des Schienennetzes im Minutentakt kontrollieren würden. Sie können sofort Alarm schlagen.

«Im Fernverkehr ist Zweierbegleitung die Regel»

Weiter sagt Pallecchi, dass im Fernverkehr die Zweierbegleitung die Regel sei. Wenn aber im Regionalverkehr die federführenden Kantone neu zusätzliche Zugbegleiter bei der SBB bestellen und bezahlen wollten, dann sei die SBB bereit. Denn: «Eine Eigenheit des schweizerischen ÖV-Angebots ist, dass der Regionalverkehr in seiner Quantität und auch in seiner Qualität von den Kantonen bestellt und bezahlt wird.»

Als Beispiel führt Pallecchi die S-Bahn in Zürich auf: «Der Zürcher Verkehrsverbund ZVV bestellt und bezahlt die dortige Sicherheitsorganisation. Die Sicherheitslage wird in Zusammenarbeit mit den kantonalen und lokalen Polizeikorps sowie der Transportpolizei permanent überwacht und ist objektiv gut und stabil.» Laut Pallecchi seien die Bahnhöfe und Züge zusammenfassend sicher und diffuse Ängste unbegründet.

Laut Pro Bahn hat Sicherheitsgefühl abgenommen

Karin Blättler, Präsidentin von Pro Bahn Schweiz, sieht das Problem, dass das Sicherheitsgefühl von Bahnreisenden sinkt, gesellschaftlich begründet. Es sei in der Tat so, dass das Sicherheitsgefühl abgenommen habe. Das gelte aber nicht nur für Bahnhöfe und Züge, sondern ganz allgemein im öffentlichen Raum. «Überall wird Personal abgebaut. Alles wird dadurch anonymer und zieht etwa Vandalismus und Gewalt an.»

Pro Bahn sei sich der Problematik bewusst: «Deswegen haben wir an unserer letzten Konferenz der Sektionspräsidenten das Thema Sicherheit als Schwerpunktthema für die nächste Präsidentenkonferenz vom 4. November gewählt. Dabei geht es um alle Sicherheitsaspekte des öffentlichen Verkehrs.»

«Es wird am komplett falschen Ort gespart»

Blättler glaubt nicht, dass in Zukunft wieder vermehrt Zugbegleiter unterwegs sein werden. «Die Sorge unsererseits besteht, dass genau der entgegengesetzte Trend weiter fortgeführt wird und die Züge immer weniger Zugbegleiter haben werden. Das ist aus unserer Sicht eine völlig falsche Entwicklung. Hier wird am komplett falschen Ort gespart.» Pro Bahn müsse erreichen, dass die Züge begleitet würden und dass eine regelmässige Billettkontrolle und Präsenz stattfinde. Gerade in Bezug auf die Sicherheit.

Laut Urs Wigger, Sprecher der Luzerner Polizei, werden keine separaten Auswertungen über Delikte, die sich im Bahnhof ereignen, veröffentlicht. «Die unterschiedlichen Delikte werden in der Kriminalstatistik nach Straftatbeständen aufgeführt und nicht nach Örtlichkeiten oder Gebäuden, in denen sie passieren», so Wigger. Beim Kanton und bei der Stadt gibt es keine negativen Rückmeldungen betreffend der Sicherheit des Luzerner Bahnhofs aus Sicht der Bevölkerung.


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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Soraya am 25.10.2019 05:12 Report Diesen Beitrag melden

    Agressive Gesellschaft

    Ich fühle mich generell im öffentlichen Raum unsicher am Abend, wenn ich unterwegs bin! Sind mir auch schon ein paar Sachen passiert und junge Leute sind inzwischen so agressiv und aloholisiert.

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  • pendler am 25.10.2019 05:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    stimmt nicht

    liebe sbb, die bahnhöfe sind nicht sicher. wo halten sich denn die pöbler, alkis etc auf?

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  • Pendler Pendler am 25.10.2019 05:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lacher der Woche

    Was sagt die Sprecherin? Es sitzen Lokomotivführer im Zug welche die Situation im Minutentakt kontrollieren würden?? Ich dachte die SBB hat zu wenig Lokomotivführer? Und dann das mit dem Minutentakt? LOL

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Werner Wut am 26.10.2019 19:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zug 704

    Auch heute Samstag 30 Minuten verspätet aus Unterhalt Zürich Herdern! Normal Zürich ab, 05.19. Auch heute, schon wieder, Ausfall Zürich, Bern. Ersatz Bern, Genf Flughafen. Der Zug 704 ab Zürich fährt praktisch jeden 3. Tag gar nicht, oder verspätet! Meyers SBB Leistung ist am Tiefpunkt angelangt! Total unfähig, Probleme zu lösen, dieser Andreas Meyer! Nur an seinen Bonus denken, da ist Herr Meyer Spitze!

  • Emin M. am 25.10.2019 21:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    20 Minuten deckt wieder mal auf.

    Berichtet doch mal über den Kundenbegleitern, die wirklich gar nichts für die Sicherheit der Fahrgäste tun. Ich habe sowas wirklich viel zu oft erlebt!

    • Der Linke am 26.10.2019 12:06 Report Diesen Beitrag melden

      Wo denn....

      Wo bitte...einer allein kann auch nichts machen...oder helfen sie ihm ...wenn es hart auf hart kommt...glaube kaum...nur mit reden ist es auch nicht getan...

    • Rudi am 26.10.2019 13:13 Report Diesen Beitrag melden

      Wo was warum

      Wo haben sie das erlebt...würden sie dem Kundenbegleiter den helfen ..mmmhhhhh

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  • Teti am 25.10.2019 18:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zivilcourage

    Bekommt man mit, dass jemand bedroht oder angegriffen wird, schaut man dezent ins Handy und schwupps, man sieht und hört Nichts mehr. Man muss nicht eingreifen oder alarmieren. Das ist das Problem und darum fühlen wir uns unsicher, weil wir wissen: wir können uns darauf verlassen, niemand kümmert sich oder interessiert es.

  • Eduard Zimmermann am 25.10.2019 14:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wegen all den ...

    Integrations-Musterbeispielen. Vorsicht in Gleisnähe und immer den Rücken frei halten!

  • Besorgter am 25.10.2019 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    Am Abend kommen die Monster.

    Ich fühle mich Tagsüber sicher. Aber abends und nachts wenn die betrunkenen, aggressiven Jugendlichen und für ihre Gewaltbereitschaft bekannten am Bahnhof omnipräsent sind, dann fühle ich mich alles Andere als sicher. Spätestens wenn sich einem Gestalten langsam nähern und dann plötzlich verschwinden wenn die Polizei erBlickt wird, spätestens dann hat man einfach genug.