Ungewolltes Sponsoring

10. August 2015 14:39; Akt: 10.08.2015 19:08 Print

SVP muss den Willy-Song zensurieren

Voller Inbrunst singen SVP-Schwergewichte wie Toni Brunner oder Christoph Blocher den SVP-Freiheitssong. Weniger Freude am Ohrwurm haben die Stadt Sursee und eine Krankenkasse.

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In der alten Version des Videos war noch das Logo der Stadt Sursee zu sehen. (Bild: Screenshot: Trechter.ch)

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Der SVP-Wahlsong «Wo e Willy isch, isch ou en Wäg» des Luzerner Musikers Willy Vogel (Künstlername Willy Tell) ist ein Renner in den sozialen Medien. Vor zehn Tagen erst wurde das Lied auf Youtube veröffentlich und bereits über 100'000-mal wurde es angeklickt. Im Song besinnt sich die Partei auf die Freiheit und Unabhängigkeit. Unter anderen Christoph Blocher, Ueli Maurer und Toni Brunner – mit Plüschhund und Maskottchen Willy auf dem Arm – besingen mit Inbrunst die Selbstbestimmung der Schweiz.

Keine Freude am Video hatten die Stadt Sursee und die Versicherung Concordia. Denn: Ihre Logos tauchten im Youtube-Video auf, wie Zentralplus mit Verweis auf das Surseer Online-Medium Trechter berichtet. Die Sequenzen mit Willy Tell wurden Anfang Juli bei der Veranstaltung «600 Jahre Sursee bei Luzern» aufgenommen, wo der Sänger mit einem anderen Lied auftrat; im Hintergrund ist eine Werbetafel mit Sponsoren zu sehen. Später wurden diese Aufnahmen für den SVP-Clip verwendet.

Der SVP-Song sorgt für rote Köpfe. (Quelle: YouTube/SVP Schweiz)

Rechtliche Schritte angedroht

Der Surseer Stadtrat Paul Rutz (CVP) war empört darüber. Die Stadt wolle nicht in einem Video mit politischer Werbung vorkommen, erklärte er gegenüber Zentral+. Man wolle dies keinesfalls tolerieren. In einem Mail an den Musiker Willy Tell und die SVP-Leitung drohte er mit rechtlichen Konsequenzen, falls das Logo nicht überdeckt werde.

Der Clip hat auch die Concordia beschäftigt. «Mehrere Kunden haben sich beschwert, die Concordia solle ihre Prämiengelder gefälligst anders einsetzen. Dabei war das Sponsoring für die 600-Jahr-Feier von Sursee. Wir mussten reagieren», sagt Mediensprecher Stephan Kotyczka.

Willy Tell kann Kritik nachvollziehen

Sänger Willy Tell sagte, die Logos seien ihm zunächst gar nicht aufgefallen. Für die Reklamationen zeigte er Verständnis. Die Stadt Sursee, Concordia und die Kantonalbank Luzern sollten für die Gratiswerbung froh sein, meint hingegen SVP-Präsident Toni Brunner.

Seine Partei hat inzwischen offensichtlich trotzdem reagiert: Zuerst wurden die Logos von der SVP-Marketingleitung im Video mit einem improvisierten Banner abgedeckt – inzwischen wurden die betroffenen Szenen ganz ersetzt. Der Surseer Stadtrat Paul Rutz ist zufrieden: Er könne mit dieser Massnahme leben. Auch die Concordia plant keine rechtlichen Schritte, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Man habe die Macher gebeten, das Logo zu entfernen. Diesem Wunsch sei nun nachgekommen worden.

(pz)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Paul am 10.08.2015 14:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wow

    gabs noch andere Probleme? Sehr spannend das ganze :D

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  • ÄsFauPeeler am 10.08.2015 15:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sorry auch meinerseits

    Habe diesen Song bisher gar nicht wahr genommen, aber danke für die Werbung.

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  • Martin am 10.08.2015 15:02 Report Diesen Beitrag melden

    Reden statt drohen

    Wie wäre es, wenn man einfach mit den Leuten reden würde, anstatt gleich mit rechtlichen Konsequenzen zu drohen? ;-)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • E. Gisler Schattdorf am 11.08.2015 19:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Spasbremse

    Wäre Herr Rutz bei der SVP, hätte er sicher seine Freude an diesem guten Song. Ein bischen Spass muss doch sein. Für die Krankenkasse ist es ja eine gute Werbung.

  • Tom - Bern am 11.08.2015 09:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Du sagst es

    Die SVP hätte einfach mit den Betroffenen sprechen können. Aber sie hat es lieber darauf angelegt Ärger zu bekommen. Die SVP sagt sich eben zu Recht, wenn man schon keine Argumente hat muss man zumindest so in die Presse kommen.

  • Floh am 11.08.2015 08:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein Herr Brunner

    Der Komentar von Brunner ist doch wiedermal typisch. Nein Herr Brunner, nicht sie bestimmen wen sie gratis Werbung schenken sondern in der Schweiz (nicht zu verwechseln mit drr SVP) gibt es ein Selbstbestimmubgsrecht wo man mit in verbindung gebracht werden möchte und wo nicht.

    • Gregor am 11.08.2015 14:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Dislike?

      ob die Disliker wohl erfreut darüber wären, wenn ihr Foto oder Firmenlogo von irgendjemandem ungefragt für Werbezwecke eingesetzt würde. Begründet wird das dann mit" Du kannst froh sein darüber gratis publik gemacht worden zu sein.

    • H. J. Marti am 11.08.2015 21:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      ???

      Wenn ich Werbung an die Wand kleistere, dann wird sie halt gesehen, fotografiert oder gefilmt. Ist doch so gewollt.

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  • Hans Baumann am 11.08.2015 08:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Cooler Song

    Also ich finde diesen Song sehr cool! Jede Partei hat seie eigene Meinung, wie sie diä Menschen auffordern können/sollen damit die Menschen für sie abstimmen! Die SVP drückt sich in diesem Song richtig aus und es ist die wahrheit!

  • Surseer am 11.08.2015 08:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unfähiger Stadtrat

    Villeicht sollte der Stadtrat von Sursee sich wieder auf das wesentliche konzentrieren statt immer solchen kleinen Bagatellen nachzurennen. Das Verkehrsproblem habt ihr übrigens nach wie vor nicht gelöst!