Vorstoss

26. Juni 2014 05:48; Akt: 26.06.2014 14:08 Print

SVP setzt auf Hirsche gegen Zeckengefahr

von Claudio Zanini - Mit Rotwild will der Luzerner SVP-Kantonsrat Robi Arnold gegen Borreliose vorgehen – eine Krankheit, die von Zecken übertragen wird. Experten zweifeln am Erfolg.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Gemäss dem Bundesamt für Gesundheit sind im laufenden Jahr hochgerechnet bereits 3000 Fälle von Lyme-Borreliose gemeldet worden. Die von Zecken übertragene Krankheit kann im schlimmsten Falle zu Herzproblemen oder Gesichtslähmungen führen (siehe Infobox). Wie der «Willisauer Bote» berichtete, möchte Robi Arnold, SVP-Kantonsrat aus Reiden, mit Hirschen gegen diese Zeckenkrankheit kämpfen – dafür hat er einen Vorstoss bei der Luzerner Regierung eingereicht.

Arnold bezieht sich in seinem Postulat auf Untersuchungen von deutschen Forschern. Diese zeigen, dass Zecken bei ihrer Blutmahlzeit Rotwild (verschiedene Hirscharten) ihre gefährliche Borreliose-Fracht verlieren. Saugen die Zecken an einem Hirsch, sind sie laut dem Forschungsbericht nicht mehr infektiös und können die gefährlichen Borrelia-Bakterien auch nicht mehr an den Menschen weitergeben. «Die Studie zeigt sehr klar, dass die Zecken durch den gezielten Einsatz von Hirschen neutralisiert werden können», sagt Arnold. Die Hirsche will er vor allem im Gebiet Santenberg zwischen St. Erhard und Dagmersellen ansiedeln. «Dort kommen die giftigen Zecken hauptsächlich vor.»

«Ein unkonventioneller Vorstoss»

Die Anzahl Hirsche, die im Raum Santenberg zum Einsatz benötigt würden, ist laut Arnold nicht festgelegt: «Die Regierung muss diese Massnahme prüfen.» Herbert Ludin von der Jagdgesellschaft Sarnen entgegnet dem Vorhaben von Arnold gegenüber dem «Willisauer Boten», dass der Lebensraum am Santenberg für Rotwild nicht gegeben sei. Dort würde das Rotwild im Nadelwald «kaum sesshaft» werden, nicht zuletzt wegen der nahgelegenen Autobahn. Arnold kommentiert diese Bedenken nicht: «Natürlich ist es ein unkonventioneller Vorstoss. Trotzdem sind die Chancen bei einem Parlamentsentscheid immer vorhanden.»

Über 50 Organismen verbreiten Borreliose

Werner Tischhauser, Projektleiter für biologische Zeckenbekämpfung an der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW), kennt die besagte Studie. Er steht der Zeckenbekämpfung durch Rotwild aber kritisch gegenüber. «Um zu beweisen, dass mit Rotwild die Borreliose-Übertragung durch Zecken eingedämmt werden kann, müsste eine breiter angelegte Forschung betrieben werden.» Laut Tischhauser gebe es zudem mehr als 50 Wirte, darunter Fuchs, Ratte oder Maus, die zur Verbreitung von Borreliose beitrügen.