Gesuch abgelehnt

06. November 2014 10:34; Akt: 06.11.2014 10:34 Print

Sarnen will gelähmten Iraker nicht einbürgern

Einem schwer behinderten Iraker wird die Einbürgerung verwehrt, obwohl er Mundart versteht. Der Grund: Seine Familie, die ihn pflegt, sei schlecht integriert.

storybild

An der Gemeindeversammlung in Sarnen wurde entschieden, dass der 22-jährige gelähmte Iraker nicht eingebürgert werden soll. (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

Zum Thema
Fehler gesehen?

In der Gemeindeversammlung von Sarnen wurde am Dienstag entschieden, dass ein gelähmter 22-jähriger Iraker nicht eingebürgert wird. Die SVP hatte im Vorfeld bezweifelt, dass er die erforderlichen sprachlichen und staatsbürgerlichen Grundkenntnisse vorweisen kann. Von den für Gesuchsteller obligatorischen Prüfungen wurde der junge Mann aufgrund seiner Behinderung befreit. Doch auch seine «Integration und die Vertrautheit mit den kantonalen und kommunalen Lebensgewohnheiten» wurden diskutiert, schreibt die «Neue Luzerner Zeitung».

Ein Blick in die Vergangenheit des jungen Mannes zeigt allerdings ein anderes Bild. Der 22-Jährige kam 2005 mit seiner Familie in die Schweiz, seit 2008 lebt er in Sarnen. Seine Arme und Beine sind aufgrund eines Geburtsgebrechens gelähmt, verständigen kann er sich nur durch Mimik und Gestik. Sieben Jahre lang besuchte er eine Sonderschule und ist jetzt an deren Tagesstätte. Ein Sozialvertreter der Gemeinde beteuerte, dass er sich nicht von den anderen Teilnehmern unterscheide. «Er versteht Mundart und hat den Schulstoff gemäss seinen kognitiven Fähigkeiten gemeistert.»

Amt für Justiz kritisiert Entscheid

Wo liegt also das Problem? Der SVP ist offenbar die «schlecht integrierte Familie» des jungen Mannes ein Dorn im Auge, wie die Zeitung schreibt. Sie ist – wie bei vielen Pflegebedürftigen üblich – für seine Betreuung zuständig. Gemäss der Partei habe sie in den letzten zehn Jahren zu wenig Fortschritte gemacht. «Der Vater geht keiner regelmässigen Arbeit nach, und auch die Mutter hat Probleme mit der Integration. Der ältere Sohn sei schwerfällig gewesen und musste in ein Heim eingewiesen werden», zitierte SVP-Vertreter Christoph von Rotz aus den Erwägungen des Gemeinderates.

Die Partei sieht im Einbürgerungsgesuch des 22-Jährigen deshalb einen Trick, der ganzen Familie einen ständigen Aufenthalt in der Schweiz zu sichern. In der Gemeindeversammlung wurde der Antrag deshalb abgelehnt. Ob der Vorwurf des Missbrauchs berechtigt ist, ist fraglich. Der 22-Jährige besitzt ein Bleiberecht und darf aus gesundheitlichen Gründen nicht abgeschoben werden. Das betrifft auch seine Familie.

Der Entscheid der Gemeindeversammlung ruft nun das Amt für Justiz auf den Plan. Für die Vorwürfe gebe es schlicht keine konkreten Fakten. Die Abweisung des Gesuchs könne demnach nicht stichhaltig begründet werden.

(vro)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • renate am 06.11.2014 10:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und wer zahlt

    Klar unsere IV, obwohl nie einbezahlt, erhalten sie IV Renten für die Kinder! Schweizer, die ein lebenlang einbezahlt haben, müssen froh sein, bei Invalitität eine gerechte Rente zu bekommen!

    einklappen einklappen
  • Suiber am 06.11.2014 11:23 Report Diesen Beitrag melden

    ....

    Wer bezahlt eigentlich die Schule und den Lebensunterhalt der Familie? Wäre ja zu schön, wenn wir genau das gleiche machen könnten und die KK Kosten sparen! Die Schweiz ladet regelrecht Asylbewerber ein, indem sie Ihnen alles bezahlen. So haben sie ja gar keinen Anreiz zum Arbeiten!

    einklappen einklappen
  • mike wisler am 06.11.2014 11:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    etwas mehr motivation

    warum kann keiner (aus religiösen, kulturellen, psychischen, Köroerlichen Problemen) dieser 4 Personen jemals arbeiten? Stellen Sie sich vor sie gehen in den Irak, und sagen: hallo hier sind wir, wir hätten gerne eine Wohnung, Geld, und Sozialversicherung, sowie gratis Arztbesuche. Da möchte ich mal das Gesicht des Irakischen Beamten sehen. Wenn wenigstens EINE PERSON der Familie einen kleinen Versuch zeigen würde sich etwas am Kulturellen geschehen teilzunehmen, die Sorache zu lernen oder in erwägung ziehen könnte nach 5 Jahren mal einen Tag pro Woche zu Arbeiten, dann könnte man zumindest eine ganzklitzekleine Motivation erkennen das sich die Familie integrieren möchte.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Ste Ma am 08.11.2014 03:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Rechtskunde

    Nicht Rechtskräftig! Den Einbürgerungsentscheid einer einzelne Person kann nicht durch Familie, Freunde, Umfeld... beurteilt werden. Nur die Person die den Einbürgerungsgesuch einreicht kann beim Entscheid berücksichtig werden.

  • Muhamed A am 07.11.2014 18:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso nein? - Mein Bruder

    Das ist mein Bruder und ich kann es einfach nicht verstehen wieso man einem solchen Menschen nicht die Einbürgerung ermöglicht!? Er hat dennoch so eine schlimme Behinderung erlitten und dann noch das. Die leute die für NEIN abgestimmt haben sollten sich das noch genau überlegen und mal in die Sicht meines Bruder sehen. Ich hoffe es wird nur noch gutes kommen. Meine Familie und ich sind sehr dankbar für das was wir haben und wollen für mein Bruder nur das Beste. Ich verstehe auch nicht wieso man Nein abstimmt laut Amt für Justiz erfüllt er alle Vorraussetzungen eingebürgert zu werden.

  • M.Z am 06.11.2014 22:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ecopop Ja

    ja zu Ecopop dann sind diese Probleme im nu verschwunden :)

  • Oliver Buchele am 06.11.2014 17:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Egoismus

    Ihr wäret in einer solchen Situation auch froh, wenn euch jemand hilft... Solange es um Andere geht, interessiert es keinen! Hört auf zu motzen.

  • Sandra P. am 06.11.2014 16:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Typisch

    Seid doch einfach dankbar dass ihr gesund seid, statt hier rumzujammern, dass diese Familie Geld kostet. Oder will vielleicht jemand tauschen? Aber nein, ihr habt euch alle vorher ausgesucht wo und wie ihr geboren werdet. Seid mal ein bisschen dankbarer!