6 Personen erwischt

18. November 2019 11:11; Akt: 18.11.2019 18:24 Print

Migranten von Pannen-Schlepper plötzlich weg

In einem Tunnel bei Gurtnellen UR hatte ein Fahrzeug eine Panne. Dort traf die Polizei auf einen mutmasslichen Schlepper – und in einem Schutztunnel auf fünf Flüchtlinge.

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Im Riedtunnel bei Gurtnellen UR hatte ein mutmasslicher Schlepper eine Panne. Dort traf die Polizei auf das Fahrzeug mit Tessiner Kennzeichen. Gelenkt wurde das Fahrzeug von einem 33-jährigen Italiener. Ebenfalls waren dort fünf Flüchtlinge, die keine Papiere hatten. Die Urner Polizei verhaftete den Italiener. (Symbolbild) Der Fall wirft ein Licht auf das Geschäft mit Menschen, die in Europa Schutz oder ein besseres Leben suchen. Die Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung zeigen: Bis Ende Oktober gingen dieses Jahr den Schweizer Grenzwächtern 346 mutmassliche Schlepper ins Netz. Letztes Jahr waren es 398. «Die Schlepper sind vor allem auf der Süd-Nord-Achse via Tessin tätig», erklärt die Zollverwaltung auf Anfrage. Für SP-Nationalrätin Yvonne Feri zeigen die konstant hohen Zahlen, dass das Strafmass «für das schreckliche Verbrechen Schlepperei» zu wenig wirkt. Sie fordert höhere Strafen. SVP-Nationalrat Jean-Luc Addor will zudem die Koordination im Kampf gegen das Schlepperwesen verbessern, indem die Bundesanwaltschaft mehr Kompetenzen erhält. Auch SVP-Reimann will die Strafen verschärfen. Er setzt beim Minimum an: «Geldstrafen für Schlepper darf es nicht mehr geben. Sie sollen in jedem Fall ins Gefängnis.» «Es muss klarer unterschieden werden, mit welchen Motiven ein Beschuldigter handelt», fordert Amnesty Schweiz. Schlepper, die die Notlage anderer Menschen ausnutzten und sich finanziell bereicherten, müssten klar strafrechtlich belangt werden – hier seien nach geltendem Recht Freiheitsstrafen bis zu fünf Jahren möglich. «Wer jedoch kein Schlepper ist und nur aus Mitgefühl handelt, soll nicht bestraft werden», findet Sprecher Beat Gerber.

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Am Donnerstagmorgen kurz nach 6.30 Uhr rückte die Kantonspolizei Uri aufgrund eines technischen Alarms zum Riedtunnel bei Gurtnellen aus. Dort traf die Polizei auf einen Fiat mit Tessiner Kennzeichen, der eine Panne hatte. Gelenkt wurde das Fahrzeug von einem 33-jährigen Italiener.

Die Polizei kontrollierte auch einen Schutzraum im Riedtunnel. Dort befanden sich fünf Personen, welche über keine Ausweisdokumente verfügten. Sämtliche Personen wurden zu einer Überprüfung vorübergehend in Polizeigewahrsam genommen.

Die Urner Polizei geht nun davon aus, dass ihr ein Schlepper ins Netz gegangen ist. Der Italiener sitzt nun in U-Haft. Weitere Ermittlungen erfolgen durch die Kantonspolizei Uri unter der Leitung der Staatsanwaltschaft Uri.

Migranten stammen aus dem Irak

Bei den Migranten handelt es sich gemäss Auskunft der Urner Polizei um eine Frau, einen Mann und drei Jugendliche. «Da die Personen keine Ausweisdokumente auf sich trugen, gehen wir gemäss ihren eigenen Aussagen davon aus, dass es sich bei den fünf Personen um irakische Staatsangehörige handelt», teilt die Polizei weiter mit. Offen sei, wohin diese gebracht werden sollten.

Und nun wissen die Behörden auch nicht mehr, wo sich sich aufhalten: «Die fünf Personen wurden nach der Polizeigewahrsam ins Asylzentrum des SRK nach Altdorf überführt. Gemäss den derzeitigen Kenntnissen haben sich die Personen, ohne Hinweise zu hinterlassen, von dort entfernt.»

(mme)