Engelberg

12. Juli 2017 17:22; Akt: 12.07.2017 17:22 Print

Schneekanonen sollen Titlis-Gletscher retten

von Nicole Agostini - Wegen der diesjährigen Hitzewelle schmilzt der Titlis-Gletscher in Engelberg noch schneller als sonst. Eine technische Beschneiung soll nun seine Existenz retten.

Der Titlisgletscher im Vergleich: Vor 1970 und in einer aktuellen Aufnahme.

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«Seit mehr als 20 Jahren geht der Gletscher Titlis stetig zurück. Jetzt kommt sogar ein Fels zum Vorschein, den man vor 25 Jahren nicht gesehen hat», sagt der Marketingleiter der Titlis-Bergbahnen, Peter Reinle. Diesen Sommer sei der Gletscher-Rückgang besonders stark: «So wie die Schnee-Situation im Moment ist, ist es bei uns normalerweise für Ende August bekannt.»

Schneearme Vorwinter und zu warme Sommer

Schuld am Schrumpfen des Gletschers sind: «Schneearme Vorwinter und zu warme Sommer», betont Reinle und macht sich Sorgen: «Das hat Auswirkungen auf die Skipisten, die Gletscher-Wanderwege und betrifft den Gletscherpark mit der gesamten Infrastruktur — einfach alles.»

Der Gletscher-Schwund sei ein wohlbekanntes Problem, gegen das die Titlis-Bergbahnen schon in den letzten Jahren ankämpfen mussten. Reinle: «Der Skilift steht auf dem Gletschereis. Wir müssen jeden Sommer die Masten auf den Skipisten um ein bis zwei Meter verschieben und uns der Natur anpassen. Weil das Eis schmilzt, bewegt sich der talwärts fliessende Gletscher.»

Titlis-Bergbahnen setzen auf technische Beschneiung

Die Titlis-Bergbahnen wollen mit einer technischen Beschneiung dem Schrumpfen des Gletschers entgegenwirken, berichtet «Tele1». Die Idee sei schon seit längerer Zeit vorhanden — jetzt wird das Fünf-Millionen-Projekt umgesetzt: «Wir ziehen eine ein Kilometer lange Wasserleitung bis zur Gletscherzunge hinauf und werden den Gletscher mit fünf Schneekanonen beschneien», erklärt Reinle. Vor zwei Monaten begannen bereits die Arbeiten und sollen im Oktober «am Anfang der Skisaison» beendet sein. Der Schnee soll mit der Zeit zu Eis werden.

Die Titlis-Bergbahnen gehörten zu den ersten Bergbahnen, die einen Gletscher künstlich beschneien würden. Reinle: «Es gibt noch zwei andere Möglichkeiten: Den Gletscher mit Vliesdecken abdecken, damit das Sonnenlicht reflektiert wird und das Snow Farming, wo mit Pistenfahrzeugen Graben gebaut werden, um den fallenden Schnee einsammeln zu können.» Die Vliesdecken würden auf dem Titlis bereits 7'000 Quadratmeter Gletscher-Fläche einnehmen.

Gibt es 2050 den Gletscher Titlis noch?

Und dennoch: «2050 wird vom Titlis-Gletscher nicht mehr viel übrig bleiben, denn mit seinen 3000 Höhenmetern befindet er sich auf einer ungünstigen Höhenlage. Er schmilzt schneller als etwa der grosse Aletschgletscher, der in seinen höchsten Lagen bis auf über 4000 Meter reicht», sagt Gletscherexperte David Volken. Die diesjährige Hitzewelle und der schneearme Winter habe bei den Gletschern im Alpenraum sehr viel Schaden angerichtet. Volken: «Der Schnee, der als Schutzschicht dient, ist bereits bis über 3200 Metern geschmolzen, teilweise noch höher. Die Hitze ist Gift für den Gletscher.»

Wenn es weiterhin so heiss bleibe, dann sieht es Volken kritisch: «Im letzten Jahr hatten die Schweizer Gletscher einen Volumenverlust von eineinhalb Prozent — schlimmstenfalls sind es 2017 vier Prozent.»

Künstliche Vliesabdeckung löst nicht Gletscher-Problem

Das Schmelzen der Gletscher könne man nicht verhindern, aber punktuell künstlich hinauszögern schon, so Volken: «Die Vliesabdeckung, die auch am Titlis verwendet wird, hilft punktuell weniger Verlust zu haben — verhindert aber nicht das Schmelzen.» Volken sagt, dass man die Co2-Emission global massiv reduzieren müsste, um die Erderwärmung zu verlangsamen. «Hier kann die Schweiz als hochentwickeltes Land eine Vorzeigerolle einnehmen und eine Entkarbonisierung der Wirtschaft anstreben.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Phillip am 12.07.2017 18:35 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Genau so!

    Durch Energie verschwendung verursachte probleme mit noch mehr Energieverschwendung lösen.. genau mein Humor!

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  • Schneehäsli am 12.07.2017 18:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natur

    Vor 20 Jahren gingen wir auf dem Titlis noch Ende Mai Tiefschnee fahren . Mit diesen Problemen in Skigebieten werden wir in Zukunft noch mehr konfrontiert. Die Zeit wird kommen wo auch wir Wassermangel und Schneemangel haben werden. Ich sehne mich nach alten Zeiten zurück, wo wir sicher weniger Luxus hatten, dafür noch in einer intakten Natur leben durften.

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  • Müff Bastr am 12.07.2017 18:06 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Eisbrocken einfliegen

    Dieser eine Eisbrocken, der sich da vorhin gelöst hat, einfliegen und einfach abwerfen, Problem gelöst

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Zykloop am 13.07.2017 08:09 Report Diesen Beitrag melden

    Ende einer Warmzeit

    Wir befinden uns am Ende einer Warmzeit. Bitte Wikipedia googeln, Milankovi-Zyklen.

  • Dingo am 13.07.2017 06:20 Report Diesen Beitrag melden

    Natürlich

    Ein Gletscher ist doch auch ein Relikt aus einer alten Eiszeit. Das kann man kaum als "natürlich" bezeichnen. Es ist natürlich, dass dieser irgendwann wegschmilzt.

  • Glaziologe2 am 13.07.2017 05:45 Report Diesen Beitrag melden

    Der erste Bildvergleich ...

    ... sieht gar nicht sonderlich dramatisch aus.

  • Daniela Meier am 13.07.2017 05:28 Report Diesen Beitrag melden

    Touristen

    Das mit den Schneekanonen wird nur wegen den Touristen in Erwägung gezogen! Denn wenn der Gletscher weg ist können die sich nicht mehr beim Iceflyer im Schnee vergnügen .... dann ist endlich Schluss mit Currygestank auf dem Titlis.

  • Spitzmaus am 13.07.2017 02:10 Report Diesen Beitrag melden

    neue Sportarten

    wäre vielleicht langsam Zeit sich vom Wintersport mit all der Chemie und Energieverschwendung zu verabschieden und sich neue Sportarten auszudenken die zu den von der Natur vorgegeben Temperaturen passen