Haus Eins in Seelisberg UR

29. Januar 2020 19:20; Akt: 29.01.2020 19:20 Print

Dieses Ferienhaus ist kompostierbar

von Daniela Gigor - Naturschreiner Lukas Gwerder hat ein Haus gebaut, das fast zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Dafür benötigte er viel Pioniergeist und Geduld.

In diesem Video wird erklärt, wie das Naturhaus entstanden ist. (Video: Kasper & Sohn)
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Der Schwyzer Schreiner Lukas Gwerder (37) hat sich einen lang gehegten Traum erfüllt und sich ein Haus gebaut: Das Besondere am sogenannten Haus Eins ist, dass es sich um ein Pionierprojekt handelt. Das moderne Holzhaus steht in Seelisberg UR in harmonischer Umgebung, dem der Laie nicht ansehen würde, dass es fast zu 100 Prozent biologisch abbaubar ist. Gwerder sagt: «Abgesehen von den gesetzlich vorgeschriebenen Bauteilen lässt sich im Grunde das ganze Haus kompostieren.»

Das Fundament besteht aus Naturstein, das Gwerder dem Aushub entnommen hat. Die Grundkonstuktion wurde aus Mondphasenholz geschaffen, sie ist metall- und leimfrei und die Isolierung besteht aus einer Hanf-Kalkschicht. «Die Idee dazu kam mir, weil ich ein Mensch bin, der die Natur liebt», sagt Gwerder, der mit dem Bau im Jahr 2011 startete. Sein Ziel war es, Nachhaltigkeit, Tradition und die Nähe zur Natur zu vereinen. Gwerder: «Ein Grund war auch, dass Familienmitglieder damals mit Allergien und Schlafstörungen zu kämpfen hatten.»

400-jährige Türe war mit Gras isoliert

Das Wissen habe sich der Naturschreiner einerseits in der Berufsschule aber auch autodidatktisch angeeignet. «In Schwyz gab es ein altes Haus und dessen Türe wurde vor etwa 400 Jahren mit Gras isoliert. Als ich sah, dass es noch immer funktionierte und nicht spröde war, imponierte mir das sehr», sagt Gwerder, der altes Wissen mit den neuesten Kenntnissen kombinierte. Nicht immer einfach sei der Weg mit den Behörden gewesen. Doch schlussendlich gelang es Gwerder doch, seinen Traum zu realisieren. Einzig bei den technischen Einrichtungen und im sanitären Bereich musste er Kompromisse eingehen.

Aus diesem Haus wollen die Gäste nicht mehr weg

2013 zog Gwerder mit seiner Familie ein, noch bevor das Haus fertig war. Die gesundheitlichen Probleme hätten sich im Naturhaus rasch in Luft aufgelöst. Dafür zogen andere dunkle Wolken auf und es kam zur Trennung von seiner Frau. Zudem sei das Haus teurer zu stehen gekommen als ursprünglich veranschlagt. Aus diesen Gründen suchte Gwerder einen Käufer, der zu seinem Haus passte. Er fand ihn in Vater und Sohn Kasper aus Meggen. Junior Urs Kasper (34) ist ursprünglich ein Berufskollege von Gwerder. Er sagt: «Ich sah die Handwerkskunst, die in diesem Haus steckt. Ich war davon begeistert und unser Ziel war es, diese Geschichte fertig zu schreiben.»

«Gäste wollen gar nicht mehr weg»

Obwohl Kasper & Sohn im Immobilien-Bereich tätig sind, sei es nie zur Diskussion gestanden, Haus Eins als Investmentent-Objekt oder wegen der Rendite zu erwerben. Vielmehr sollte es ein Herzensprojekt werden. Sie hätten sich entschieden, das Haus als Ferienhaus zugänglich zu machen. Seit September ist es soweit. Im Haus sei es herrlich, sagt Kasper: «Es fühlt sich sehr gut an, weil es über ein sensationelles Raumklima verfügt und sozusagen atmet. Unsere Gäste möchten am liebsten gar nicht mehr weg.»