Naturkatastrophen

02. Oktober 2018 18:16; Akt: 02.10.2018 19:19 Print

Schweizer Pilot will Opfern mit Charity-Airline helfen

Nach Naturkatastrophen braucht es rasch Hilfe vor Ort. Pilot Martial Widemann aus Baar will das mit einer eigenen Airline machen. Unterstützung kriegt er aus Hollywood.

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Pilot Martial Widemann aus Baar hat eine Vision: Er will eine Charity-Frachtairline gründen, die bei Naturkatastrophen überlebenswichtige Güter innert weniger Stunden in Katastrophengebiete liefert. Denn teilweise dauere es bei Katastrophen mehrere Tage, bis die so dringend benötigten Hilfsgüter vor Ort eintreffen, heisst es in einer Mitteilung.

Dies, weil unter anderem gewöhnliche Airlines aus Sicherheitsgründen kein Gefahrengut zusammen mit Passagieren transportieren dürften: «Generatoren, Akkus oder Treibstoff müssen deshalb separat in Krisengebiete gebracht werden», sagt Widemann. Zudem hätten Airlines oftmals gar keine Frachtkapazitäten für Hilfsgüter.

Airline könnte bereits 2019 abheben

Auch wegen fehlenden Direktflügen zwischen Ausgangsort und Krisengebiet sei Hilfe oft nicht rasch vor Ort. «Wir können mit sofort einsatzbereiten Flugzeugen und Point-to-point-Flügen die Verfügbarkeit von Hilfsgütern quasi über Nacht weltweit sicherstellen – dies mit bis 100 Tonnen Nothilfe pro Flug», so Widemann.

Dazu benötigt der Baarer jedoch Geld: Mit einer Crowdfundingaktion will er insgesamt eine Million Dollar für den Start der Moonlight Air Organization sammeln. «Ist das Crowdfunding erfolgreich, werden zwei Missionen durchgeführt und alles protokolliert. Darauf folgt die Suche nach Investoren und Sponsoren sowie die Aufbauarbeit, um das Projekt in Realität umzusetzen.» Dabei stehe man bereits mit Kontakt Hilfsorganisationen.

«Die Hilfswerke würden dann mit ihren Gütern zu uns kommen, anstatt reguläre Airlines zu buchen. Da wir die Flüge kostenlos anbieten, können die Organisationen ihre finanziellen Mittel in Hilfsgüter und Projekte vor Ort re-investieren, was den Effekt der Hilfe multipliziert.» Fixe Verträge gebe es noch nicht, man habe aber etwa schon Kontakt zu über ein Dutzend bekannten und weltweit tätigen Organisationen und es kommen laufend neue dazu. «Läuft alles nach Plan, sind wir im zweiten Quartal 2019 startbereit», sagt Widemann.

Hollywood hilft beim Projekt mit

Die Idee des Baarers findet auch in Hollywood Beachtung. So habe Entertainment-Spezialistin Nadja Gasser, die zeitweise in Los Angeles lebt, ihren Freunden dort von Widemanns Vision berichtet: «Alle waren begeistert, zückten ihre Mobiltelefone und begannen, ihre Netzwerke zu mobilisieren», sagt Gasser.

So kam es etwa, dass Musikproduzent Earl Powell einen Song zur Aktion beigesteuert hat, um auf das Anliegen aufmerksam zu machen. Powell hat unter anderem schon Songs für The Jacksons, Michael Jacksons Brüder, geschrieben. «Wir hoffen, dass wir dadurch möglichst viele Leute auf das Projekt aufmerksam machen können», sagt Widemann.

Der Song von Musikproduzent Earl Powell zur Aktion (Quelle: Youtube(RaimanPianoMusic)

Der Aufbau der Charity-Airline wird zudem von Jefferson Miller in einem Film festgehalten. Der Dokumentarfilmer, der 2003 mit dem Film «Twin Towers» den Oscar für die beste Kurzdokumentation erhalten hat, werde im Film zeigen, welchen «sicht- und spürbaren Unterschied» die Airline künftig machen werde.

Überblick über das Chaos ist wichtig

Auch das Schweizerische Rote Kreuz (SRK) ist in der Katastrophenhilfe tätig. Dort setzt man auf die lokale Koordination unter den verschiedenen Helfern, um möglichst rasch Hilfe leisten zu können. Zuerst müsse man im Chaos nach einer Katastrophe einen Überblick erhalten: «Es ist wichtig zu wissen, wo welche Hilfsgüter benötigt werden, um möglichst effizient helfen zu können», sagt Katharina Schindler vom SRK. Dies erfordere einiges an Organisation unter den Beteiligten.

Zwar könne es beim Transport zu Kapazitätsengpässen kommen, die Hilfe werde beim SRK heute aber möglichst regional organisiert: «Die Hilfsgüter lokal einzukaufen ist häufig günstiger. Zudem hilft es der lokalen Wirtschaft», sagt sie.

(gwa)