Streit um Grenze

09. November 2018 05:49; Akt: 09.11.2018 09:03 Print

Zürich staunt – Schwyz verlegt einfach die Grenze

Der Kanton Schwyz habe seine Grenze um 3,5 Kilometer in Zürcher Hoheitsgebiet verschoben, ärgern sich Zürcher Politiker. Grund sind Schwyzer Tourismustafeln.

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«Was seit dem Ende des Alten Zürichkriegs 1450 so nicht mehr zu erwarten war, ist seit diesem Herbst doch wieder eingetreten», schreiben Zürcher Kantonsräte verschiedener Parteien in einer Anfrage. «Die Schwyzer fallen nicht mehr nur täglich mit ihren Pendlerströmen in den Bezirk Horgen ein (und ziehen sich für die Nacht wieder auf ihr Kantonsgebiet zurück), sondern sie haben die Kantonsgrenze sichtbar um rund 3,5 Kilometer seeabwärts verschoben.»

Richterswil in Händen der Urschweizer

Wer sich in kriegerischen Zeiten wähnt, liegt falsch: Es geht um Werbetafeln entlang der A3. Bereits beim Rastplatz Gerenau in Wädenswil steht eine mit den Worten «Willkommen. Kanton Schwyz», berichtet die «Zürichsee Zeitung». Wenige hundert Meter davon entfernt werde für das Kloster Einsiedeln und den Hoch-Ybrig geworben. Richterswil etwa scheine «vollständig in die Hände der Urschweizer gefallen zu sein.»

«Was einige einkommensstarke Einwohner, welche seit Jahren mit dem Umstand hadern, ‹steuertechnisch› ein paar hundert Meter falsch gesiedelt zu haben, hoffnungsvoll freuen dürfte, irritiert Geschichts- und Geographiebewusste sowie Lokalpatrioten.» Offenbar wurden betroffene Gemeinden weder konsultiert noch informiert. «Diese Art von unilateraler Tourismuswerbung kommt staatspolitisch doch etwas unsensibel daher; es wird ja nicht bloss für die Tourismusregion Schwyz geworben, sondern man wähnt sich fälschlicherweise auch gleich auf dem Staatsgebiet des ‹Kanton Schwyz›», so das Resümee.

Regierung soll Standorte prüfen

Auch wenn man «eine vertrauensvolle Nachbarschaft und eine enge Zusammenarbeit» pflegt, würden diese «territorialen Fake-News» irritieren. Deshalb wollen die Vorstössigen wissen, ob Regierung und Gemeinden davon wussten.

Zudem wünschen sie sich eine Änderung des Standortes oder des Textes. Einen Vorschlag, damit es nicht zu einer «territorialen Täuschung» komme, liefern die Kantonsräte gleich mit: «Willkommen in der Tourismusregion Schwyz». Auch wollen sie wissen, ob der Kanton Werbung in fremdem Kantonsgebiet machen würde – etwa auf Höhe der Schwyzer Gemeinde Wangen: Auch hier gibts einen Vorschlag: «Willkommen in der Tourismusregion Zürich(see)».

Standorte mit Astra abgeklärt

Bei Schwyz Tourismus sorgen die humorvoll zugespitzten Worte für Amüsement: «Wir mussten leicht Schmunzeln beim Lesen», sagt Geschäftsführer Vendelin Coray. Das Aufstellen der Tafeln sei kein feindlicher Akt gewesen, sondern rechtlich korrekt via Bundesamt für Strassen Astra mit dem Kanton Zürich abgeklärt.

Auch im Kanton Zug stehen solche Tafeln – dort scheint es keine politischen Auflehnungen zu geben: «Bis jetzt haben wir diesbezüglich nichts gehört», so Coray.

Tourismusregionen immer vernetzter

Dass man solche Tafeln nicht bloss im eigenen Kantons- oder Tourismusgebiet aufstelle, sei normal: «Solche Ankündigungstafeln werden nach Vorgabe des Astra üblicherweise mit einer Distanz von 1,5 bis 2 Kilometer zur entsprechenden Ausfahrt platziert.» Zudem sie die genaue Platzierung für Touristen irrelevant: «Die Gäste kennen keine Grenzen. Für sie ist nicht entscheidend, in welchem Kanton oder welcher Gemeinde sie gerade sind.» Internationalen Touristen sei dies noch weniger wichtig. Deshalb sei eine Änderung des Textes auch nicht nötig.

Tourismusregionen würden sich immer mehr vernetzen – so auch Schwyz und Zürich. «Man arbeitet viel enger zusammen und verabschiedet sich vom ‹Gärtlidenken›», sagt Coray. So werde man auch keinen Widerstand leisten, sollten die Zürcher auf Schwyzer Staatsgebiet Werbetafeln für die Region Zürichsee aufstellen wollen.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • m.b. am 09.11.2018 06:17 Report Diesen Beitrag melden

    Haben die Probleme

    Haben die Politiker keine andere Probleme.....wohl nichts zu tun.

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  • Geissenpeter am 09.11.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    immerhin mit Humor

    schön gibt es keine ernsteren Streitpunkte zwischen den beiden, als Werbetafeln im benachbarten Kanton.

  • Michi am 09.11.2018 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bern-Jura Zürich-Schwyz

    Ich dachte wir sind eine Schweiz. Dieser Kantönli-Nationalsmus ist erschreckend!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Windzug am 09.11.2018 16:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Willkommen in Zürich

    @Zürich Tourismus bittte stellt eure Tafeln in Bern und Basel sowie allen umliegenden Kantonen auf. Willkommen in Zürich ;-)

  • Reto am 09.11.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bundeshoheit?

    Die Tafeln stehen ja neben einer Natiomalstrasse. Ist da nicht der Bund Grundeigentümer? Wenn dem so ist, haben da Gemeinden und Kantone eigentlich nicht wirklich etwas zu sagen. Wissen das die Kantonspolitiker?

  • Frau am 09.11.2018 14:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beschämend

    Für Touristen finde ich es Sinnvoll dass genug früh mit Tafeln darauf aufmerksam gemacht wird, wo es noch Ortschaften gibt, die sehenswert sind. War Gestern seit langer Zeit wieder einmal in Zürich mit dem Auto unterwegs. Eine einzige Katastrophe. Die Zürcher Regierung sollte sich besser Gedanken darüber machen warum es viele meiden, nach Zürich zu fahren. Statt wie kleine Kinder zu zwängeln weil man ihnen ein Spielzeug weg genommen hat. Beschämend dieses Verhalten von unseren Volksvertretern

  • Weno eno am 09.11.2018 14:34 Report Diesen Beitrag melden

    Facepalm

    Ohje dieses mimimi der zürcher. Wirklich nichts anderes zu tun? Wenn das die sorgen der politik ist, ist es zeit politiker abzubauen.

  • Tim am 09.11.2018 14:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Fussball

    die Zürcher können ja dafür das Fussballstadion in Schwyz bauen, wird so sicher schneller fertig ;-)