Verstopfte Pumpen, hohe Kosten

16. Dezember 2016 05:44; Akt: 16.12.2016 09:57 Print

Schwyzer schmeissen tonnenweise Güsel ins WC

Kondome, Windeln und Tampons: Weil zu viel Abfall im WC landet, belehrt der Kanton Schwyz nun seine Bürger. Denn: Der Güsel verursacht hohe Kosten.

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Weil zu viel Güsel im WC landet, will der Kanton Schwyz nun seine Bürger zu korrekter Güsel-Entsorgung erziehen. Eklig: Verstopfte Pumpen müssen mit viel Aufwand geputzt werden. Dass Abfall die Kanalisation blockiert, ist auch in anderen Städten dieser Welt ein Problem. Im Bild etwa der immense Pfropf, den ein Kran in New South Wales in Australien im Februar 2016 aus einem Schacht entfernen musste. Das 700 Kilo schwere Ding bestand vor allem aus Fett und Feuchttüchern. Der Appell der Wasserversorgung unter dem Hashtag #KeepWipesOutOfPipes: Die Menschen sollen keine Feuchttücher das WC hinunterspülen. Auch die Londoner Kanalisation ist voller stinkender Klumpen. Die Abwassertechniker Tim Henderson (l.) und Vince Minney arbeiten 2014 in der Kanalisation unter der Kreuzung Regent Street und Victoria. Nach dem weihnachtlichen Truthahnessen spülen die Bewohner der britischen Hauptstadt Bratenfett im Volumen von zwei olympischen Schwimmbecken durch die Abflüsse. Den meisten ist dabei gar nicht bewusst, dass ein paar Meter unter ihren Tischen aus den Essensresten stinkende Klopse werden. Das Fett verklumpt mit Feuchttüchern, Damenbinden und Kondomen und verstopft so die 69'000 Kilometer Kanalisation der britischen Hauptstadt. «Die Situation beim Fett wird definitiv schlimmer», sagt Vince Minney, der seit 24 Jahren in die Kanäle steigt. Mit Spaten oder Hochdruckstrahlern brechen Minney und seine Männer die Fettschichten auf. Auf der Kruste, die an Erbrochenes erinnert, wachsen Pilze. Das Kanalnetz, in dem sich die Techniker zurechtfinden müssen, stammt noch aus den 1860er-Jahren. «Es gibt ein London unter London», sagt Henderson. Jedes Jahr gibt es laut Thames Water rund 80'000 Verstopfungen wegen Fett, was monatliche Kosten von umgerechnet über 1,5 Millionen Franken verursacht. Bratfett und Speiseöl gehören in den Abfall, nicht in den Abfluss.

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Mit einem Flyer wollen das Amt für Umweltschutz und der Verein Saubere Abwasser Schwyz die Bevölkerung dafür sensibilisieren, den Abfall korrekt zu entsorgen. Das Problem: Viel zu viel Abfall landet im Kanton Schwyz in der WC-Schüssel statt im Güselkübel. «Wir stellen in letzter Zeit fest, dass vermehrt Pumpen im Abwassersystem verstopft sind», sagt Peter Inhelder, Vorsteher des Schwyzer Amts für Umweltschutz. Verteilt wurde das Merkblatt in alle Haushaltungen im Kanton.

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Das Problem: Während Toilettenpapier ohne Komplikationen durch die Leitungen gespült wird, sind Hygieneartikel wie Feuchttücher, Binden oder Windeln reissfest. «Die Reinigung der verstopften Pumpen braucht Zeit und kostet Geld», sagt Inhelder. Hinzu kommt: «Der Abfall, der durch die Pumpen gelangt, muss spätestens in den Rechen der Abwasserreinigungsanlagen herausgeholt und entsorgt werden.»

104 Tonnen Abfall im Jahr 2015

Allein beim Abwasserverband Höfe, der das Abwasser im Gebiet Freienbach, Wollerau und Feusisberg reinigt, landeten im vergangenen Jahr 104 Tonnen Güsel in den Rechen. «Wir entsorgen wöchentlich fünf bis acht Container voll Abfall», sagt Geschäftsführerin Karin Thum. Dabei sind es aber nicht bloss Hygieneartikel, die das WC runtergespült werden. Allerhand Kuriositäten fischen die Mitarbeiter der dortigen ARA aus den Rechen: Strümpfe, Socken, sonstige Kleidung oder auch viele Essensreste sammeln sich dort an.

Wenn eine Abwasserpumpe im Kanalnetz verstopft ist, sind es auch die Mitarbeiter der ARA, die die Pumpe reinigen: «Das ist keine schöne Arbeit», sagt Thum. Dabei muss es jeweils schnell gehen. Ansonsten staut sich das Abwasser in den Kanälen an oder läuft irgendwo über. «Wir hoffen, dass sich die Bevölkerung den Aufruf im Flyer zu Herzen nimmt», sagt sie. Denn: Eine Pumpe zu reinigen, kostet Zeit und Geld. «Es im Interesse der Bevölkerung. Je mehr Einsätze wir leisten müssen, umso mehr steigen die Kosten. Die Gebühren muss die Bevölkerung bezahlen.»

Ähnlicher Flyer im Kanton Zug erfolgreich

Auch im Kanton Zug kennt man das Problem: Dort wollte der Gewässerschutzverband Zugersee-Küssnachtersee-Ägerisee (GVRZ) im Sommer 2015 ebenfalls mittels Flyer die Bevölkerung für das Problem sensibilisieren. Mit Erfolg. «Insgesamt hat es eine Verbesserung gegeben», sagt GVRZ-Geschäftsführer Bernd Kobler. Das Bewusstsein der Bevölkerung für das Thema ist laut Kobler gestiegen: «Die Leute setzen sich intensiver damit auseinander. Wir erhalten auch mehr Anrufe von Personen, die sich nach der korrekten Entsorgung bestimmter Stoffe wie Medikamenten oder Chemikalien erkundigen», sagt der Geschäftsführer weiter.

Zwar gebe es immer noch zeitweise Verstopfungen bei bestimmten Abwasserpumpen, aber: «Das dürfte auf einzelne Personen zurückzuführen sein. Insgesamt hat sich die Disziplin verbessert.»

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sternchen am 16.12.2016 07:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bi de Riiche lersch spare

    Die Schwyzer zahlen fast keine Steuern und sündigen aus lauter Geiz auch noch bei der Abfallentsorgung. Meine Mutter sagte jeweils "bi de Riiche lersch spaare".

    einklappen einklappen
  • Babtist am 16.12.2016 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Güsel

    Auch dort ein Wohlstands-und Erziehungsproblem.Könnte ja sein,dass das von den gleichen Leuten verursacht wird,welche leere Aludosen aus dem Auto werfen.Bei uns im Geschäft gibt es Angestellte,die ihre Kippen nur auf den Boden schmeissen,obwohl Aschenbecher in Reichweite da wären.

    einklappen einklappen
  • Seppi am 16.12.2016 07:44 Report Diesen Beitrag melden

    Die könned nüüt

    Respekt vor den Typen die den Londoner Untergrund reinigen!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Beobachterin am 17.12.2016 12:35 Report Diesen Beitrag melden

    Quo vadis Suppe?

    Ich hab mal eine Frage: selbstverständlich gehört NICHTS WEITER ins Klo als Urin, Kot und Papier. Aber wenn man mal eine dünne Suppe zuviel hat, die keiner mehr essen will - wohin damit??

  • A. M am 16.12.2016 13:31 Report Diesen Beitrag melden

    Aus den Augen aus dem Sinn

    Aus beruflicher Erfahrung kann ich die Problematik nicht nur im Kanton Schwyz bestätigen. Eine Statistik aus Berlin zeigt das von 2005-2015, bei kleinen Pumpwerken die Anzahl Verstopfungen um das 5 Fache und bei grossen sogar um das 12 fache zugenommen hat. Das Problem muss an den Wurzeln gepackt werden. Somit ist es wichtig das jeder Bürger sich um die richtige Entsorgung kümmert. Leider werden in den Läden auch Feuchttücher verkauft bei denen auf der Verpackung steht es können 1-2 Stk. die Toilette hinunter gespült werden. Auch dass muss sich ändern.

  • Anti SP am 16.12.2016 13:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zugezogene!

    Wir haben nur das Problem, dank den Zugezogenen!

  • CherryDarling am 16.12.2016 12:40 Report Diesen Beitrag melden

    Flyer hoffentlich auf Englisch

    Ist nicht nur eine Frage des Geizes, oftmals hat man in anderen Kulturen nicht das gleiche Bewusstsein für Abfalltrennung und -Entsorgung. Daher hoffe ich, wurde der Flyer auf Englisch oder sogar weiteren Sprachen gedruckt, weil es doch viele Nichtdeutschsprechende in diesen Ortschaften gibt.

  • Stemin am 16.12.2016 11:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Blitzkästen

    Wie wäre es mit der Montage von Blitzkästen in den Abwasser Röhren? Die könnten dann falsch entsorgter Müll blitzen damit man herausfinden kann woher der stammt und somit die Sünder büssen kann!