Klimawandel

10. Juli 2019 04:48; Akt: 10.07.2019 07:54 Print

Skigebiete investieren in Sommer-Tourismus

Die Hitzerekorde seit Messbeginn häufen sich. Skigebiete leiden unter dem Klimawandel und suchen nach Alternativen im Sommertourismus.

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Grössere Wärmeperioden und steigende Schneefallgrenzen setzen den Skiorten zu. Viele versuchen sich deshalb inzwischen als Sommerdestionationen – mit unterschiedlichem Erfolg. Wie CH-Media berichtet, setzen dabei viele auf neue Trends wie Downhillrouten, Erlebnisparks oder Themenkurse.

Grosse Investitionen

Jürg Stettler, Tourismusprofessor der Hochschule Luzern, sagt: «Zentral für ein Gebiet ist es, sich klar zu positionieren». Es sei wichtig, dass sich eine Region mit ihrem Angebot von anderen abhebe. Für eine Bergbahn sei es viel schwieriger, im Sommer mit Mountainbikern Geld zu verdienen als im Winter mit Skifahrern.

«Setzt ein Skigebiet auf Mountainbiker, muss es sein Angebot ausbauen und breit aufstellen. Wer bisher in Planierung und Beschneiung von Skipisten investierte, muss nun zum Beispiel Downhilltrails und die gesamte Infrastuktur dazu bauen», so der Experte. «Diese Investitionen kosten viel Geld».

Schwyzer machen es vor

Das Gebiet Sattel-Hochstuckli SZ zeigt: Auch kleinen, tief gelegenen Orten gelingt es, mitzuhalten. Bereits seit den 90er-Jahren machte man sich dort Gedanken um die Zukunft und begann, das Angebot anzupassen. Besucher finden dort nun Spielplätze, eine Tubing- und Rodelbahn oder einen Laternenweg.

Die Sattel Hochstuckli AG betreibt neben den Bergbahnen mehrere Restaurants und einen Erlebnispark. Mit Erfolg: Das kleine Gebiet macht heute mehr Umsatz während der Sommersaison, so CH-Media. Und doch: Der Wintersport ist nach wie vor wichtig, auch werde weiter beschneit.

ÖV als Antwort auf den Klimawandel

Theo Schnider, Verwaltungsratspräsident der Bergbahnen Sörenberg sagt: «Als Unternehmen sind wir sehr breit aufgestellt, auch im Sommer». Die Bergbahnen machen noch immer im Winter einen Grossteil des Umsatzes. Aber die Gesamtregion mit der Unesco-Biosphäre Entlebuch sei während des ganzen Jahres Ziel von Besuchern. Die Region biete auch im Sommer zahlreiche Highlights: von der Moorlandschaft über Goldschürfen bis zur Köhlerei.

Verschiebungen im Angebot für Touristen seien Tatsache. Weil der Klimawandel dafür mitverantwortlich ist, fragt sich, wie die Destinationen mit dieser Thematik umgehen. Tourismusexperte Stettler: «Es kann sinnvoll sein wenn Ferienorte auf eine Zusammenarbeit setzen, wie etwa das Railaway-Angebot der SBB». So könnten mehr Gäste dazu bewogen werden, mit dem ÖV anzureisen, es werde bereits die Anreise zum Erlebnis. Beim Anschluss an den öffentlichen Verkehr hätten aber nicht alle ideale Voraussetzungen.

«Definieren, was man nicht ist»

Auch existierte im letzten Winter zum ersten Mal im Rahmen eines Pilotprojekts ein Tür-zu-Tür Transportangebot für Gepäck. Solche Dienstleistungen sind laut Stettler praktisch und von den Regionen auch für den Sommer zu prüfen. Standorte welche Aktivitäten und Dienstleistungen geschickt kombinieren, seien im Vorteil.

«Eine Strategie entwickeln bedeutet auch, zu definieren, was man nicht ist», so Stettler. So könne eine Region bei Besuchern auch damit punkten, dass sie auf einen Spielplatz bewusst verzichte oder den ganzen Betrieb mit einem Nachhaltigkeitszertifikat auszeichnen lässt. «Wer eine klare Strategie, verbunden mit einer klaren Positionierung konsequent umsetzt, profitiert am Ende».

(nob)