Verkehrsstrategie

04. April 2014 10:54; Akt: 04.04.2014 13:32 Print

So will die Stadt den Kollaps abwenden

Bypass und Tiefbahnhof sollen den Verkehrskollaps abwenden, werden aber frühestens 2035 realisiert. Bis dahin sollen rund 100 verschiedene Massnahmen die Überlastung verhindern.

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Der Stadtrat will die Innenstadt vom motorisierten Durchgangsverkehr befreien. (Bild: 20 Minuten/mme)

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Die Luzerner Stadtregierung will den öffentlichen Verkehr sowie den Fuss- und Veloverkehr fördern und die Infrastruktur dazu ausbauen. Dies soll zu weniger Staus und Unfällen führen. Die am Freitag präsentierte Mobilitätsstrategie umfasst bis 2035 gegen 100 Massnahmen.

Die Schlüsselprojekte zur Bewältigung der Verkehrsprobleme sind der geplante Tiefbahnhof und ein neues Autobahnteilstück an der Stadt Luzern vorbei (Bypass). Da beide Projekte frühestens 2035 umgesetzt werden könnten, schlägt die Stadtregierung in ihrem 46-seitigen Bericht dutzende kurz- und mittelfristige Massnahmen vor.

In den nächsten Jahrzehnten würden in der engen Stadt Luzern keine neuen Verkehrsflächen zur Verfügung stehen, schreibt der Stadtrat. Darum will er versuchen, die Mobilität auf flächeneffiziente Verkehrsarten zu verlagern. Die Ziele könnten nur erreicht werden, wenn die Bevölkerung auch ihr Verhalten hin zu weniger Mobilität ändere, heisst es im Bericht.

Die Innenstadt will der Stadtrat vom motorisierten Durchgangsverkehr weitgehend befreien. Kurzfristig will er darum den Durchgangsverkehr auf den Strassen im Bruch- und Libellenquartier unterbinden. Ausserhalb von Hauptverkehrsachsen soll ab spätestens 2020 flächendeckend Tempo 30 gelten.

Autoverkehr soll nicht zunehmen

Die Zahl der Autos in der Stadt soll langfristig nicht mehr weiter zunehmen. 2012 fuhren täglich gegen 257'500 Personen mit dem Personenwagen in die Stadt Luzern hinein und hinaus.

Der Anteil des motorisierten Individualverkehrs am Gesamtverkehr soll bis 2020 von 41 auf 36 Prozent sinken. Der Stadtrat will diesen punktuell einschränken, damit etwa öffentliche Busse besser zirkulieren können.

Helfen soll kurzfristig auch ein neues Parkierungskonzept unter anderem für Touristencars. Zu den von Privaten initiierten Projekten für ein Parkhaus im Gebiet Musegg oder für eine Metro vom Stadtrand zum Schwanenplatz gibt der Stadtrat im Bericht keine Einschätzung ab. Diese will er bis 2015 vornehmen.

Zu Fuss statt mit Auto oder Bus

Der Fussgängeranteil im Verkehr soll von heute 10 auf 15 Prozent (2035) steigen. Noch immer würden viele kurze Strecken mit dem Auto oder per Bus gefahren, die zu Fuss zurückgelegt werden könnten, schreibt der Stadtrat.

Der Stadtrat will sich für direkte Wege einsetzen sowie Fussgängerstreifen und Schulwege sicherer machen. Lange Wartezeiten an Lichtanlagen will er reduzieren.

Auch Velofahren soll attraktiver werden. Deshalb will der Stadtrat Lücken im Radwegnetz schliessen, Umfahrungen von grossen Strassenkreuzungen umsetzen und mehr Abstellplätze zur Verfügung stellen. Er will mit kommunikativen Massnahmen die Leute zur Benützung eines Velos ermuntern. Der Anteil der Velos am Gesamtverkehr soll bis 2035 von 2 auf 10 Prozent steigen.

Finanzierung nicht gesichert

Dem Stadtrat schwebt auch ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs vor. Kurzfristig soll dies über Busspuren auf der Pilatus- und der Baselstrasse sowie am Hirschengraben geschehen. Mit dem allfälligen Bau eines Tiefbahnhofs soll zudem dereinst auf allen S-Bahn-Linien von und nach Luzern der Viertelstundentakt eingerichtet werden.

Langfristig unterstützt die Stadtregierung auch die Einführung von Mobility Pricing. Dies sieht die Benützung von Verkehrsinfrastruktur gegen eine leistungs-, qualitäts- und nachfrageabhängige Gebühr vor. Die Federführung liegt hier beim Bund.

Einzelne Projekte in der Mobilitätsstrategie waren bereits Teil von Volks- und Parlamentsentscheiden. Bei zahlreichen weiteren Massnahmen sind die Finanzierung und die Kosten nicht gesichert, wie der Stadtrat im Bericht schreibt. Er will die Mobilitätsstrategie alle vier Jahre anpassen.

(sda)