Autohasser rastet aus

01. Oktober 2019 04:50; Akt: 01.10.2019 04:50 Print

«Er schlug zu, als ich den Chevy aufheulen liess»

von Daniela Gigor - Ein 21-Jähriger in einem gemieteten Cabrio ist von einem Mann ins Gesicht geschlagen worden, als er vor einer Ampel den Motor aufheulen liess.

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580 PS, eine Höchstgeschwindigkeit von über 300 km/h, offenes Verdeck und bulliges Desing: Der Chevrolet Camaro ZL1 ist eine Sportbolide genau nach dem Geschmack von Kenny Kaplan. Am letzten Samstag erfüllte sich der 21-Jährige seinen Traum und mietete in Luzern genau diesen Wagen für vier Stunden. Gegen 14.30 Uhr war der 21-Jährige aus dem Kanton Aargau in Luzern, um den Chevy abzuholen und mit drei Kollegen eine Spritztour zu unternehmen. Für die vier Stunden Miete seines Traumautos hatte er 429 Franken bezahlt. Doch es sollte ein Alptraum werden.

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«Ich freute mich auf meinen Traumwagen», sagt Kaplan, der zur Zeit eine Weiterbildung im Militär durchläuft. Die Freude hatte in Aarau auf der Höhe des Franz-Carl-Weber-Shops in Richtung Olten ein jähes Ende. Kaplan blieb mit dem Chevrolet vor einer Ampel stehen, die auf rot stand. Kaplan: «Wir fühlten uns cool im Wagen und ich liess zwei-, dreimal den Motor kurz aufheulen.»

«Auf ihrer Stirn steht etwas, nämlich Arschloch»

Kaplan betonte, dass dies nicht allzu laut, sondern in einer «angenehmen Lautstärke» passiert sei. Doch das schien einem Mann, den Kaplan um die 50 schätzt, gar nicht zu passen. Der Fussgänger sei zu seinem Wagen gekommen, stehen geblieben und habe gesagt: «Auf ihrer Stirn steht etwas, nämlich Arschloch.» Dann sei es blitzschnell gegangen und der Unbekannte habe ihn mit offener Hand mitten ins Gesicht geschlagen: «Er schlug derart hart zu, dass mein Brillengestell zerbrochen und ein Glas weggeflogen ist.»

Danach sei der Mann zwischen den Häusern verschwunden. Kaplan: «Die Reaktion des Mannes hat mich schockiert. Ich dachte nie, dass so etwas in der Schweiz möglich ist.» Kaplan, der vom Tatort aus etwa fünf Minuten entfernt wohnt, ging nach Hause und holte sich eine Ersatzbrille, damit der Ausflug im Traumwagen doch noch zu Ende geführt werden konnte. Am Sonntag habe er brieflich Anzeige bei der Polizei erstattet.

Autovermieter erhält Telefonanrufe von Autohassern

Negatives Verhalten von Passanten kennt auch der betroffene Autovermieter Sport Cars Rent in Luzern: Er höre immer wieder, dass Fussgänger motzten oder pöbelten, wenn ein Fahrer den Motor an einer roten Ampel laufen oder aufheulen lasse. «Es gibt auch Leute, die uns aufgrund der Autonummer anrufen und sich beschweren oder fragen, warum wir solche Autos vermieten», sagt Inhaber Alexander Milosević.

Am Ende des Ausflugs konnten sich Kaplan und seine Kollegen doch noch freuen. Grund: Er habe gehört, wie ein älterer Mann zu seinem Begleiter sagte, als er «seinen» Chevy sah: «Das ist ein schöner Wagen.»