Schwacher Trost

09. Oktober 2012 17:56; Akt: 09.10.2012 17:57 Print

Stadt will Bibliothek-Rabatt für Littauer

von Lena Berger - Die Stadt will die Bibliothek in Reussbühl schliessen – und die überwiegend jungen Nutzer mit einem günstigen Schnupperabo in die Stadt locken.

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Die Bibliothek Ruopigen - auch ein Treffpunkt für Kinder und Jugendliche - soll aus Spargründen geschlossen werden. (Bild: Bruno Rubatscher)

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Ausgerechnet bei Jugendlichen konnte die Bibliothek Ruopigen im Jahr 2011 im Vergleich zum Vorjahr um 4,3 Prozent zulegen. Ihre geplante Schliessung findet der kantonale Bibliotheksbeauftragte Peter Gyr daher «mehr als unglücklich». Bibliotheken seien den Luzerner wichtig: «Mit 800 000 Ausleihen pro Jahr hat der Bibliotheksverband Region Luzern mehr Zulauf als der FCL».

Für Gyr ist klar, dass der Verband «einen grossen Teil» seiner Kunden verlieren wird, wenn die rund 18 000 Littauer keine eigene Bibliothek mehr haben. «Den weiten Weg zur Stadtbibliothek werden die wenigsten auf sich nehmen.» Ein Kunden-Verlust sei tragisch: «Eine Bibliothek ist die günstigste Möglichkeit, der breiten Bevölkerung Weiterbildung zu ermöglichen.» Zudem sei der Integrationsaspekt nicht zu unterschätzen. «Viele Migrations-Familien nutzen die Bibliothek Ruopigen. Sie wäre ein idealer Ausgangspunkt für entsprechende Projekte», findet Gyr.

Finanzdirektor Stefan Roth, der mit der Schliessung jährlich 200 000 Franken sparen will, versteht die Kritik. «Ruopigen ist mehr als eine Bibliothek – sie ist auch ein Treffpunkt für Jung und Alt.» Dass man da sparen müsse zeige, wie schlecht es finanziell um die Stadt stehe. Er hofft, den Verlust mit verstärkter Quartierarbeit auffangen zu können. «Zudem könnte man prüfen, bisherigen Nutzern vorübergehend ein vergünstigtes Schnupperabo für die Stadtbibliothek anzubieten.» Der Entscheid des Parlaments über die Schliessung steht noch aus.