Peterskapelle Luzern

16. Juli 2018 18:29; Akt: 16.07.2018 18:40 Print

Handyklingeln statt Glocken irritiert Passanten

von Simon Wespi - Novum in der Stadt Luzern: Ab sofort bis am 30. Juli ertönt vom Turm der Peterskapelle kein Glockengeläut sondern Handy-Klingeltöne. Dies im Rahmen eines Kunstprojekts.

Bei der Peterskapelle in Luzern erklingen während zwei Wochen Handy-Klingeltöne statt Glocken. (Video:sda)
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Es ist kein Witz. Die nächsten zwei Wochen ertönen am Kapellplatz Handy-Klingeltöne statt Kirchenglocken. Seit mehreren Monaten schweigen die Glocken der Peterskapelle. Denn das älteste Kirchengebäude der Stadt Luzern wird zur Zeit erneuert.

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Die verstummten Glocken der Peterskapelle haben nun Klarissa Flückiger und Mahtola Wittmer, Studenten der Hochschule Luzern (HSLU), auf die Idee für ihre Kunstinstallation «Zeitzeichen» gebracht: «Wir fragten uns, wie Anwohner, Passanten und Touristen reagieren würden, wenn das Glockengeläut durch einen Handyklingelton ersetzt würde.»

Zum Nachdenken anregen

Bis zum 30. Juli wird in unregelmässigen Abständen und Längen anstelle des klassischen Glockengeläuts ein Handyklingelton vom Kirchturm zu hören sein. Damit wollen die beiden HSLU-Studentinnen Passanten und Touristen einerseits überraschen und irritieren, aber auch zum Nachdenken anregen.

Heute seien Handytöne präsenter und verbreiteter als Kirchenglocken. «Ertönt ein Handyklingelton, reagieren die meisten Menschen sofort. Es könnte schliesslich eine wichtige Person anrufen, es könnte etwas geschehen sein oder man könnte etwas verpassen», so die Kunststudentinnen.

Ist das Handy der moderne Gott?

Flückiger und Wittmer fragen sich auch: «Wen fragen die Menschen heute um Rat, wenn sie Hilfe brauchen? Mit wem kommunizieren sie, wenn sie alleine sind? Hat der Handyklingelton also die Kirchenglocken ersetzt? Und ist das Handy der moderne Gott?»

Statt Kirchenglocken ertönen Handy-Klingeltöne


Am Montagvormittag hatten die beiden Kunststudentinnen den Kirchturm für ihre Toninstallation umgebaut. Bei der Glocke befinden sich nun ein Lautsprecher und ein Mischpult, in dem das Klingelzeichen gespeichert ist. Flückiger und Wittmer bestimmen selbst, wann und wie lange das Kirchturm-Handy klingelt. Um die Auflagen der Nachtruhe nicht zu verletzen, ertönen diese jedoch nur zwischen 8 Uhr morgens und 20 Uhr abends. Sie lösen den Ton jeweils via Smartphone aus.

Bei der katholischen Kirche der Stadt Luzern fand man diese Idee des Projekts super: «Die Hochschule ist auf uns zugekommen und es ist toll, dass wir während des Umbaus zusammen etwas auf die Beine stellen können», sagt Projektleiter Florian Flohr. Dieses Projekt sieht die Kirche als Chance: «Wir können zeigen, das die katholische Kirche nicht nur traditionell ist, sondern dass wir auch die heutige Zeit in den Blick nehmen. Was heute die Menschen interessiert, sind halt Klingeltöne und die bestimmen manchmal das Leben», so Flohr.

«Originell und Zeitgemäss»

Bei den Passanten kommt der ungewohnte Klingelton gemischt an: «Ich finde dies originell und zeitgemäss», sagt etwa ein Luzerner. Anders tönt es bei einer Passantin aus Bern: «Ich finde dies sehr unpassend. Es hat keinen Zusammenhang mit der Kirche.» Die Peterskapelle wird noch bis am 8. Dezember saniert, bevor sie wieder öffentlich zugänglich sein wird.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Meyer am 16.07.2018 19:19 Report Diesen Beitrag melden

    Über Kunst

    kann man nicht diskutieren. Das wird von Künstlern schamlos ausgenutzt!

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  • Gustav Gans am 16.07.2018 18:44 Report Diesen Beitrag melden

    Elektr. Lärm

    Eine Katholische Kirche ohne Glocken ist wie ein Fussballplatz ohne Tore!

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  • someone am 16.07.2018 19:25 Report Diesen Beitrag melden

    Ist das kunst...

    ... oder kann das weg?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Sonne am 22.07.2018 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Glocken geläutet stört viele Menschen.und Smartphone Töne bestimmen unser Leben. Ohne Natel wäre alles ohne Stress! Eine Kirche gehört einfach in die Stadt oder Dorf mit Geläute. Die Kirche war einfach vorher da

  • Stefan am 20.07.2018 08:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einmal wieder an sich selber Denken

    und gemütlicher und ruhiger ins Leben gehen. Es ist lustig wie die meisten Leute aus Effekt reagieren wenn das eigene Handy klingelt würde. Finde diese Idee im gross und ganzen eine gute Sache. Mann sollte wieder bewusster sein, dass man einmal wieder das eigene Handy ausschalten- oder den Verzicht aufs Display schauen sollte. Diese Aktion finde ich erfinderisch und amüsant, das würde sicher auch mir passieren.

  • Altstadtbewohnerin am 19.07.2018 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Wie immer auf dem Rücken der Anwohner...

    Als Anwohner sind wir vom Handygebimmel noch mehr genervt als von Glocken, welche immerhin zu festen Zeiten läuten. Aber unregelmässiges, minutenlanges Gedüdel ist noch störender als Baulärm, besonders beim Arbeiten&Lernen. Da muss ich nicht lange nachdenken.

  • Berner Bär am 18.07.2018 08:27 Report Diesen Beitrag melden

    Peinlicher Sauglattismus!

    Die Kirchenglocken läuten nicht, es ist etwas ruhiger - und nun kommen zwei "Künstlerinnen", welche in einem Anfall von Geltungssucht nun Natel-Krawall in den Aether senden. Als ob man von dieser Art Lärmbelästigung nicht schon genug hätte! Was stand doch vor rund 30 Jahren an einer "Kunstinstallation" (zwei aufgerichtete Alustangen, mehr nicht!) vor dem chemischen Institut der Uni Bern? "Das ist Kuhunst"...

  • Keine am 17.07.2018 10:54 Report Diesen Beitrag melden

    Kunst

    Sondern leider Real Life. Alle die sich jetzt darüber empören, sind die ersten wo gleich an dass Handy springen, wenn es läutet. Überall hört man dass Gebimmel von Smartphones, also finde ich dieses Projekt ziemlich passend.