Naphthalin in Schule

21. Januar 2020 17:09; Akt: 21.01.2020 17:09 Print

«Vermutlich sind noch mehr Gebäude betroffen»

In mehreren Schulhäusern im Raum Luzern wurden jüngst erhöhte Schadstoffwerte gemessen. Der Luzerner Kantonschemiker gibt Auskunft.

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Silvio Arpagaus, worum handelt sich beim Stoff Naphthalin, der kürzlich in einem Krienser Schulhaus gefunden wurde?
Naphthalin gehört zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Es ist den meisten von uns ein Begriff, da es früher als Hauptbestandteil von Mottenkugeln verwendet wurde. Gewonnen wird Naphthalin durch Aufarbeitung von Erdöl oder Steinkohlenteer. Ein grosser Teil des heute hergestellten Naphthalins wird in der Kunststoffindustrie eingesetzt.

Sind Personen, die dem Stoff ausgesetzt sind, akut gefährdet?
Nein, es besteht keine akute Gefährdung.


Gemäss Bundesamt für Gesundheit (BAG) wird Naphthalin als «Stoff mit Verdacht auf karzinogene Wirkung (krebserregend, Amn. d. Red.) beim Menschen» eingeordnet. Was lässt sich über Langzeitauswirkungen des Stoffes sagen?
Im Tierversuch verursacht Naphthalin insbesondere Entzündungen in den Atemwegen. Als Folge der chronischen Entzündung kann es zur Entstehung von Tumoren kommen. Zuverlässige Hinweise zu einer möglichen krebserzeugenden Wirkung beim Menschen bei inhalativer Exposition fehlen. Daher ist Naphthalin als Kanzerogen der Kategorie 2, das heisst «Kann vermutlich Krebs erzeugen», eingestuft.

Wie schützt man sich am besten vor Naphthalin?
Die Naphtalinbelastung von Raumluft kann mit verschiedenen Massnahmen wirksam erniedrigt werden. Dies kann beispielsweise mit baulichen Sanierungsmassnahmen oder verbessertem Luftwechsel erfolgen. Welche Massnahme getroffen werden, ist jeweils von den Ursachen und der konkreten Situation vor Ort abhängig.

In den vergangenen Jahren wurden im Raum Luzern (Ebikon, Rothenburg, Horw, Luzern) in verschiedenen Schulhäusern ebenfalls erhöhte Naphthalinwerte gemessen. Muss man davon ausgehen, dass noch weitere Schulhäuser – auch in der übrigen Schweiz – betroffen sind?
Naphthalin ist ein Bestandteil von teerhaltige Substanzen, welche von den 50er- bis in die 70er-Jahre wegen ihrer wasserabweisenden Eigenschaften auf dem Bau breit eingesetzt wurden. Es darf deshalb davon ausgegangen werden, dass noch mehr Gebäude aus diesem Zeitraum betroffen sind.

Muss man davon ausgehen, dass in der Vergangenheit noch andere Stoffe verbaut worden sind, die künftig gesundheitliche Beschwerden verursachen könnten?
Stoffe werden jeweils basierend auf dem vorhandenen Wissensstand eingesetzt. Dieser entwickelt sich aber ständig weiter. So ist es durchaus möglich, dass Produkte, welche heute als unbedenklich gelten, morgen ein Problem darstellen. Beispiele dafür sind Asbest oder – aktuell – das Fungizid Chlorothalonil.

(gwa)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Frisi am 21.01.2020 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Klarer Fall:

    Ich bin dafür, dass man dagegen ist.

  • S. K. am 21.01.2020 17:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Haha

    Coole aussage. Es ist für die kinder nicht gefährlich. Aber bei tierversuchen konnte tumore festgestellt werden. Super wissenschaftler, und ihr seit denen noch dankbar...

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  • War auch schüler dort am 21.01.2020 18:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Glaubes nicht

    Super, zum glück stinkts u alles ist veraltet, ein Neues Gebaüde kann gebaut werden.. so geht die Arbeit auf dem Bau nie aus

Die neusten Leser-Kommentare

  • Fridolin am 22.01.2020 07:24 Report Diesen Beitrag melden

    Beruhigend

    Ahh ist es nicht beruhigend in der bilderstrecke, Bilder von schulhäusern, die man vor einigen Jahren noch eigenhändig entkernt hat, zu sehen. Natürlich alles ohne besonderen Schutz!

  • SwissMuslim am 22.01.2020 04:08 Report Diesen Beitrag melden

    ......

    Genau deshalb sind unsere Kinder in einem Privatinternat. Solche Faelle gibt es dort nicht.

    • mohd am 22.01.2020 04:29 Report Diesen Beitrag melden

      Genau

      Absolut gleicher Meinung.

    • SwissMuslim am 22.01.2020 04:43 Report Diesen Beitrag melden

      ......

      @mohd: Und nicht zuletzt geniessen unsere Kinder eine Topausbildung.

    • politischnichtkorrekter am 22.01.2020 04:45 Report Diesen Beitrag melden

      so kann man das auch nennen.

      Man kann natürlich ein Gefängnis auch ein Internat nennen, kommt ganz auf die Sichtweise an...

    • SwissMuslim am 22.01.2020 05:45 Report Diesen Beitrag melden

      ......

      @politischnichtkorrekter: Sie sprechen vermutlich aus eigener Erfahrung. Trotzdem schoenen Tag.

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  • Babette am 22.01.2020 01:41 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum werden Baumaterialien heute nicht getestet.

    Ja, da frag ich mich doch, was bei der heutigen Fassaden Dämmungen, welche wegen dem Klimawandel an den Häusern angebracht werden noch in Zukunft bringen wird? In Uralt Gemäuer hat es zwar Schilf in den Wänden,zwischen Bohlensteinen zum dichten, das zieht zwar Mäuse an, ist aber kein krank machender Schadstoff drin.

  • Grenzhöfler am 22.01.2020 00:03 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Hoch auf den Ex Staffeln Lehrer und die Ex Lei

    Es heisst in Studien, dass Naphtalin langfristig gen- und fruchtschädigend sei. Wer fragt denn schon die jetzigen LehrerInnen, oder die Kinder in 20 Jahren, wo sie mal gearbeitet haben respektive zur Schule gegangen sind, wenn sie Krebs oder Probleme beim Kinderkriegen bekämen ? Rückführend beweisen ? Schwierig und politisch unerwünscht, weshalb viele Ärzte wohl nicht gern Zusammenhänge zwischen Lebensorten und Erkrankungen herstellen. Die Dämpfe stechen wirklich schlimm in der Nase, haften auch in Kleidung, trotz Dauerlüftung, ich lasse mir nicht einreden, das sei harmlos.

  • popi am 21.01.2020 20:59 Report Diesen Beitrag melden

    Toll! Eine Frage hätte ich da noch:

    Wo können sich die Generationen von früheren Schülern Psychologisch betreuen lassen und welcher Anwalt vertritt diese Ehemaligen gratis?

    • Berner Bär am 22.01.2020 08:29 Report Diesen Beitrag melden

      @popi : Die Turnhallenböden der 70er!

      Richtig! Wer in den 70ern bis Mitte der 80er Jahre schulpflichtig war, hat noch die roten Turnhallenböden erlebt. Wer auf denen rutschte, hatte gleich eine Verbrennung. Zudem sahen die immer schmutzig aus, egal wie konsequent der Schulhausabwart diese reinigte. Da findet sich doch sicher ein unterbeschäftiger Psychologe mit Neigung zur Selbstdarstellung, der bei der Generation 1960 - 1980 deswegen eine chronische Turnhallen-Phobie entdeckt und ein ebenso unterbeschäftiger Anwalt, der die Geschädigten mit einer Klage zumindest wegen Körperverletzung bis nach Strassburg bringt ... ;-)

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