Einsiedeln SZ

12. November 2019 19:01; Akt: 13.11.2019 09:12 Print

«Es drohen faustgrosse Löcher im neuen Platz»

Eigentlich könnte der Klosterplatz in Einsiedeln bereits fertig gepflästert sein. Weil sich Behörden zanken, dauert das aber noch eine Weile. Es geht für einmal nicht um Steine, sondern um Fugen.

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Sand oder Mörtel? Diese Frage sorgt in Einsiedeln SZ für Kopfzerbrechen. Denn: Dort wird der Klosterplatz neu gestaltet – und nun wird gestritten, womit die Fugen zwischen den Pflastersteinen aufgefüllt werden sollen. Die Möglichkeiten: Es wird eine sogenannte gebundene Pflästerung verwendet, also Mörtel, oder eine ungebundene Pflästerung, sprich: Sand.

Am Streit beteiligt sind der Bezirk Einsiedeln, die Denkmalpflege, das Kloster und Behindertenvertreter. Behindertenvertreter und Bezirk wünschen eine Pflästerung aus Mörtel – dadurch würde die Barrierefreiheit sichergestellt und auch Behinderte können den Platz besser benutzen. «Werden diese Fugen gesandet und vom Regen ausgewaschen, sind faustgrosse Löcher zwischen den Steinen zu erwarten», teilte der Bezirk mit. Zudem könnten Passanten auf dem Sand ausrutschen.

Bildungsdepartement stoppt Bauarbeiten

Für das Kloster und die Denkmalpflege ist hingegen klar, dass eine ungebundene Pflästerung aus Sand her soll. Diese sei aus denkmalpflegerischer Sicht zwingend. Denn: Der Platz ist sowohl im Kantonalen Inventar geschützter Bauten und Objekte (KIGBO) als auch im Inventar der schützenswerten Orts-
bilder der Schweiz (ISOS) mit dem höchsten Erhaltungsziel eingetragen. Werde Mörtel zwischen die Fugen gegeben, würde das Erscheinungsbild des Platzes «wesentlich beeinträchtigt». Dies bestätige auch eine beigezogene Bundesexpertin.

Gestritten wird nun schon länger: Nachdem zwei Gesprächsrunden unter den Beteiligten keine Resultate brachten, hatte der Bezirk beschlossen, die Arbeiten am Platz zu starten. Daran hatte das kantonale Bildungsdepartement, dem die Denkmalpflege angeschlossen ist, keine Freude: In der zweiten Septemberhälfte verhängte es einen Baustopp.

Falsche Angaben bei Kosten?

Seither sind die Fronten verhärtet. Zwar kam es unter den Beteiligten zu einer Aussprache, die Beantwortung einer Anfrage im Schwyzer Kantonsrat zu den Kosten rund um das Thema sorgt nun aber wieder für Zündstoff: Der zuständige Regierungsrat argumentierte darin, dass eine Pflästerung aus Sand günstiger sei und auch der Unterhalt weniger koste.

So sei «eine gebunden verfugte Pflästerung bereits bei der Erstellung viermal teurer und auch jede Fugensanierung rund dreimal teurer als Nachsanden.» Dem widerspricht der Bezirk nun vehement. Der Unterhalt sei 5 bis 7.5 Mal günstiger und nicht dreimal teurer, teilte er am Montag mit. Die Zahlen der Regierung stimmten nicht: «Der Bezirk Einsiedeln wünscht, dass sich alle Beteiligten an die Fakten halten», schreibt der Bezirk weiter. Die Verantwortlichen zeigen sich enttäuscht: «Der Platz im Platz, das Herzstück der Anlage, wäre ohne Baustopp jetzt bereits fertig gebaut. Er würde sich sicher sehr gut präsentieren.»

Immerhin: Trotz Streits konnte man vorerst eine Lösung finden, damit der Weihnachtsmarkt und das Welttheater kommendes Jahr durchgeführt werden können: Es wird ein Übergangsbelag eingesetzt. Der Streit könnte sich aber noch länger hinziehen: «Das kann Monate dauern», sagte der Gesamtleiter des Projekts zum «Boten der Urschweiz», als der Baustopp verfügt wurde.

(gwa)