Bachelorarbeit

13. Februar 2020 04:50; Akt: 14.02.2020 15:36 Print

Gestalterin macht Schmuck aus totem Fuchs

Für ihre Bachelorarbeit kreierte Yasmin Knüsel Schmuck. Diesen machte sie aus dem Körper eines Fuchses. Bei der Jagd war sie selbst dabei.

Yasmin Knüsel erzählt von ihrem Bachelorprojekt (Video: HSLU).
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Mützen aus Fuchsfell kennt man. Dass aber gleich ein ganzes Tier zu Schmuck verarbeitet wird, weniger. Genau das hat die Gestalterin Yasmin Knüsel für ihre Bachelorarbeit an der Hochschule Luzern Design & Kunst gemacht.

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«Jährlich werden in der Schweiz rund 30'000 Füchse erlegt oder fallen dem Verkehr zu Opfer», sagt sie. Oft würden die Tiere verbrannt, dies Aufgrund geringer Nachfrage nach einheimischem Rotfuchsfell.

Aus totem Tier wird Wertvolles

Ihre Arbeit thematisiere in erster Linie nicht die Jagd oder den Pelz an sich, für den Fuchs habe sie sich aufgrund der Auseinandersetzung mit Themen wie Überfluss, Verschwendung und Wertschätzung entschieden. Auch habe sie bewusst ein kontroverses Material gewählt: «Ein Fuchs, eine Auseinandersetzung», so der Titel der Arbeit, sei eine kritische Untersuchung mehrerer Themenbereiche, ausgehend vom Rotfuchs.

Studentin macht Schmuck aus totem Fuchs

Knüsel ging mit auf die Jagd. «Mit der Entscheidung, einen erlegten Fuchs zu verarbeiten, war es unumgänglich konsequent zu sein und die Verantwortung mitzutragen. Erst durch diese Mitverantwortung wurde mir der Wert des Materials vollständig bewusst», sagt sie. «Durch meine Anwesenheit bei der Jagd bin ich genauso verantwortlich wie der Jäger selbst. Der Fuchs wird zum Rohstoff, der sein Leben liess, damit ich damit arbeiten kann. Diese Umstände transformierten jedes Haar des Fuchses in ein wertvolles Rohmaterial.»

«Was mache ich hier eigentlich?»

Dann begann die Verarbeitung. Um sich Fachwissen anzueignen, arbeitete Knüsel mit zwei Jägern und einem Präparator zusammen. «Der Jäger zeigte mir, wie man das Fell abzieht und die Eingeweide entfernt. Der Präparator brachte mir bei, wie man den Fuchs zerlegt und konserviert.» Der professionelle Rahmen habe den Raum für Emotionen genommen und den Prozess vereinfacht. «Wenn ich aber alleine arbeitete, dachte ich manchmal: ‹Was mache ich hier eigentlich gerade?› Ein Totes Tier zu zerlegen kann emotional ziemlich herausfordernd sein, denn sobald das Fell entfernt ist, könnte das Tier auch dein eigenes Haustier sein.»

Je länger Knüsel arbeitete und je weiter sie kam, umso einfacher sei es geworden. «Die Arbeit wurde mit der Zeit normaler, je weiter ich vom ganzen Fuchs weg kam.» Denn: Fell, Fett und Sehnen und damit verbundene Gerüche seien sich viele nicht gewohnt. Fleisch und Knochen kenne man eher – etwa aus der Küche.

Ideen habe sie schon bei der Zerlegung gehabt. Aber: «Es war ein wandelnder Prozess. Ich habe mich an das Material herangetastet.» Sie arbeite intuitiv und habe sich auch vom Material leiten lassen. Ideen und konzeptionelle Entscheidungen traf sie fortwährend.

Knochen für Ringe zu brüchig

Entstanden sind bisher gegen zehn Schmuckstücke, vorwiegend für den Hals. Die Stelle eigne sich gut für fragile Stücke. «Für Fingerringe wäre Fuchsknochen als Material beispielsweise zu brüchig.» Der Fokus ihrer Arbeit liege aber nicht auf den fertigen Stücken, sondern auf dem Prozess.

Zusammen mit Arbeiten weiterer Absolventinnen der HSLU-Studienrichtung XS Schmuck wurde ihr Schmuck ausgestellt, etwa in Mailand an der Milano Jewelry Week und an der Jungdesign in Winterthur, bald soll eine Ausstellung in Valencia folgen.

Die Bachelorbeit, für den Knüsel den Sonderpreis der Zeugindesign Stiftung und den Innovation Design Preis von Jungdesign erhalten hat, sei zwar fertig. Aber: «Das Projekt an sich ist noch nicht abgeschlossen.» Die Designerin habe noch viel Material, das sie verarbeiten könne. Knüsel: «Theoretisch kann aus jedem einzelnen Fuchshaar ein körperbezogenes Projekt entstehen.»

(gwa)