Tierrettung Schweiz

12. November 2019 04:53; Akt: 12.11.2019 04:53 Print

Was, wenn neben einer Leiche ein Pitbull wacht?

von Daniela Gigor - Marcel Henzens Tierrettung Schweiz wird immer öfter aufgeboten: Neu zählen auch Polizeikorps und Veterinärämter auf seine Hilfe.

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Tierrettung Schweiz mit Sitz in Erstfeld im Kanton Uri hat es immer öfter mit Behörden zu tun. «Polizeikorps und Veterinäramter rufen uns in Notfällen zur Hilfe», sagt Inhaber Marcel Henzen. Dabei handelt es sich auch um ungewöhnliche Einsätze, wie laut Henzen etwa kürzlich in der Stadt Luzern: «Wir wurden an einem späten Abend aufgeboten, weil eine Frau in ihrer Wohnung verstorben war und sie einen Pitbull und eine Katze hatte.» Die Polizisten hätten die Hündin zwar streicheln können, aber sie liess es partout nicht zu, dass die Gesetzeshüter ihr das Halsband anzogen.

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Also rief die Polizei Profi Henzen: «Ich kannte die Hündin, weil ich sie bereits früher transportiert hatte. Als die Wohnungstüre geöffnet wurde, schaute sie mich komisch an. Ich sprach sie mit ihrem Namen an und sie sprang freudig an mir hoch.» Henzen gelang es problemlos, der etwa elfjährige Hündin das Band anzuziehen und sie samt der Katze aus der Wohnung zu bringen. Für beide Tiere besorgte Henzen einen Platz.

Auch ein Belgischer Schäfer aus Luzern benötigte eine rasche Lösung, weil sein Besitzer als Notfall ins Spital musste. Der Hundebesitzer ist in der Zwischenzeit verstorben und der Schäfer in guten Händen. «Solche tierischen Schicksale erleben wir immer wieder», sagt der 44-Jährige.

Mieter liess Rotknievogelspinnen einfach zurück

Henzen kümmert sich aber auch um Achtbeiner in Not: «Ein Liegenschaftsbesitzer aus dem Kanton Schwyz rief mich an, weil sich ein Mieter auf und davon gemacht und zwei Rotknievogelspinnen in der Wohnung zurückgelassen hatte.» Henzen holte die beiden Tiere in ihrem Terrarium ab und versuchte, sie in Zoos zu platzieren. Nachdem dies misslungen war, fanden die zwei Tiere ein neues Zuhause bei einem Vogelspinnen-Züchter in Chur. Auch einem verletzten Schwan auf der Autobahn oder einem Mäusebussard konnte Henzen mit seinen Einsätzen das Leben retten.

Ein Einsatz bleibt dem Tierretter besonders in Erinnerung. Dieser ereignete sich am 1. August 2017: «Ich wurde von der Kantonspolizei Schwyz aufgeboten, weil ein Schäfer-Mischling aus lauter Angst vor dem Feuerwerk aus einem Fenster im dritten Stock sprang.» Mit zwei zertrümmerten Vorderbeinen wurde der Hund in die Ennetsee Klinik nach Hünenberg ZG gebracht. Dort konnten seine Beine in mehreren Operationen wieder hergestellt werden.

Henzen begann im Juni 2017 mit seinem damaligen Tierrettungsdienst Zentralschweiz. Vor rund zwei Wochen zog er privat und geschäftlich nach Erstfeld um, weil er dadurch in etwa drei Minuten auf die Autobahn gelangen- und somit wichtige Zeit bei seinen Einsätzen einsparen kann.