Luzern

18. Dezember 2018 11:21; Akt: 18.12.2018 19:37 Print

«Modehaus missachtet Pelzdeklaration weiter»

Kürzlich entbrannte ein Shitstorm gegen das Modehaus Kofler wegen Echtpelz. Nun hat der Tierschutz einen Test gemacht – und das Modehaus beim Bund gemeldet. Dieser wird nun aktiv.

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Nach dem Facebook-Post einer Nutzerin im Oktober entlädt sich ein Shitstorm gegen das Modehaus Kofler. Viele Nutzer prangern den Verkauf von echten Pelz-Gilets oder -Kragen an und rufen zum Boykott auf. Der Zürcher Tierschutz kritisiert Kofler nun ebenfalls. Dies, weil in einer Filiale des Luzerner Modehauses bei einem Test am 8. Dezember 23 von 26 Kleidungsstücken mit Pelz-Besatz nicht klar deklariert waren. Die Pelz-Deklaration von Kofler. So sähe eine korrekte Deklaration aus: Am Produkt müssen Tierart (1), Herkunft (2) und die Gewinnungsart (3) angegeben werden. Der Post wurde tausendfach geteilt. Darunter standen Kommentare wie: «Pelz ist Mord, die Haltung ist bestialisch und die Tötung erst Recht!» Oder: «Oh mein Gott, einer meiner Lieblingsläden. Tja, nun nicht mehr!» Einige Nutzer empfehlen in anderen Modehäusern einzukaufen, die auf echte Pelze in ihrem Sortiment verzichten. Der Shitstorm auf der Facebook-Seite von Kofler: Die Bewertungen liegen bei 1,1 von 5 möglichen Sternen. «Wenn man null Sterne geben könnte hätte ich es getan!» schreibt eine Frau. «Man kann sich kaum vorstellen unter welchen Bedingungen die Tiere leben und ob sie überhaupt tot sind, bevor man ihnen das Fell über die Ohren zieht», sagt Helen Sandmeier, Mediensprecherin des Schweizer Tierschutzes STS. Kofler versprach bereits früher, sich um die mangelnde Deklaration zu kümmern. Dies scheinen leere Worte gewesen zu sein. Bereits weltweit verzichten mehrere bekannte Marken auf Echtpelz, wie beispielsweise Gucci, Calvin Klein und Giorgio Armani. Hier trägt das Model Naomi Campbell bereits 1994 Faux-Fur auf dem Laufsteg.

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Viel Kritik gabs kürzlich für Kofler wegen des Verkaufs von Echtpelz. Auf Facebook gabs deswegen einen Shitstorm: Nutzer übten harsche Kritik am Luzerner Modehaus. Dies, weil dort ein Bild eines Produktes mit der Kofler-Etikette mit folgendem Inhalt gepostet wurde: «Dieser Pelz kann aus Fallenjagd oder Jagd ohne Fallen oder aus jeder möglichen Haltungsart, insbesondere auch aus Käfighaltung, stammen.»

Nun prangert der Zürcher Tierschutz das Modehaus wegen massiver Deklarationsmängel an. Anfang Dezember habe die Organisation die Kofler-Filiale an der Pilatusstrasse in Luzern besucht. Das Fazit des Tierschutzes: 88 Prozent der Pelzprodukte seien nicht klar deklariert gewesen. «Kofler missachtet das Gesetz weiter. Von 26 Artikeln mit Pelz-Besatz waren 23 ohne Tierart und Herkunft deklariert», heisst es weiter. Hinzu komme: «Die drei korrekt deklarierten Pelz-Artikel stammen aus Käfighaltung in China, das für brutalste Tierquälereien und lebendiges Häuten bekannt ist.»

Auf den Produkten sei lediglich deklariert gewesen, dass der verarbeitete Pelz aus Fallenjagd, aus Jagd ohne Fallen oder auch aus jeder mögliche Haltungsart stammen könne – «insbesondere auch aus Käfighaltung. Die Tierschützer kritisieren:

«Dieser Wischi-Waschi-Text verschleiert die grausame Wahrheit.»

Nun soll sich das für den Vollzug der Pelzdeklaration zuständige Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) der Sache annehmen, fordern die Tierschützer. Auf dessen Webseite steht:«Gemäss der Pelzdeklarationsverordnung müssen Herkunft, Tierart und Gewinnungsart bei Pelzen und Pelzprodukten, die in der Schweiz gehandelt werden, deklariert sein.» Je nach Vergehen könne es Bussen geben.

«Wir haben Kofler beim BLV gemeldet und hoffen auf schnelles Eingreifen», sagt Nadja Brodmann von der Tierschutzorganisation. «Die Erfahrung zeigt, dass uneinsichtige Unternehmen erst nach massivem Druck durch öffentliche Kritik, stete Kontrollen oder Androhung von Bussen korrekt deklarieren», sagt sie weiter.

Schon im November 2017 fand der Zürcher Tierschutz in zwei Luzerner Filialen von Kofler bei 25 von 44 Echtpelz-Artikeln keinerlei Deklaration zu Tierart, Herkunft und Gewinnungsart und kritisierte diese Gesetzesverstösse in einer Pressemitteilung sowie im «Kassensturz» im Dezember 2017. Der Konsumentenschutz-Sendung versicherte Kofler damals, umgehend fehlende Deklarationen zu beheben.

Zur mangelhaften Deklaration nahm Kofler gegenüber der SRF-Konsumentensendung «Espresso» von diesem Dienstagmorgen Stellung und schrieb:

«Gemäss unseren Abklärungen zu diesem Thema war uns dies schlichtweg nicht bewusst.»

Matthias Lötscher, Leiter Artenschutz und Drittlandimport beim BLV, zeigte sich gegenüber «Espresso» erstaunt. Dies, weil das Unternehmen diesbezüglich schon in der Kritik gestanden und Besserung versprochen habe. Nun will das Bundesamt beim Modehaus vorstellig werden, heisst es weiter.

Auf Anfrage von 20 Minuten hiess es bei Kofler, dass man mit dem BLV in Kontakt stehe und entsprechende Massnahmen ergreifen werde.

(gwa/dmo)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Asterix am 18.12.2018 12:36 Report Diesen Beitrag melden

    Wer Pelz kaufen will

    der interessiert sich einen Dr... darum, was auf den Etiketten steht. Dass diese Etiketten nicht das geringste bewirken sieht man ja anhand der Menge an Menschen, die mit Pelzkleidern oder Kleidern mit Pelzbesatz an einem vorbei laufen. Also hört auf mit der Hysterie. Das einzige was nützen würde, wäre ein unmissverständliches Pelzverbot. Aber dafür ist unsere Politik wieder mal zu feige ( einmal mehr ). Die Etiketten sind nichts als Rohstoff-Verschwendung.

    einklappen einklappen
  • Ursula am 18.12.2018 11:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lösung

    Einfach gar keine Kleider mehr in diesem Laden kaufen

    einklappen einklappen
  • xini am 18.12.2018 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    pelz

    nicht mehr dort einkaufen, und es geschieht ganz rasch etwas

Die neusten Leser-Kommentare

  • Swissbay am 18.12.2018 16:37 Report Diesen Beitrag melden

    Ausschliesslich Echtpelz bei Globus

    Globus Uster, Echtpelz an allen Winteranoraks. Muss das sein? Auf ein einzelnes Geschäft los zugehen ist unfair - geht auf alle los :-) Wie von einem Kommentator erwähnt, nur heimische Felle zulassen, die sonst weggeworfen würden. Wer dagegen verstösst, 5'000 Franken Busse pro Jacke. Thema erledigt.

  • Fella am 18.12.2018 16:29 Report Diesen Beitrag melden

    Differenzieren

    Kranke, unterernährte und gestresste Tiere haben ein stumpfes, mattes Fell - das ist bei jeder Hauskatze so, das ist bei allen anderen Tieren auch so. Glänzendes, dichtes Fell gibt's bei gut ernährten, gesunden Tieren. Begehrt und teuer sind glänzende, dichte, vollständige und unversehrte Felle. Wer solche Felle haben will, hält seine Pelztiere entsprechend und tötet sie mit Bolzenschuss in den Kopf. Auch das ist Pelzproduktion. Selbst bei diesem hoch emotionalen Thema darf man differenzieren. Und sich an schönem Pelz erfreuen.

  • Blubb am 18.12.2018 15:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    die Deklaration

    ist doch absolut klar und nicht falsch zu verstehen. Es steht dich klar, dass der Pelz aus schlechter Haltung sein kann. Es steht ha nicht die best mögliche, sondern die schlechtest mögliche Tierhaltung drauf.

  • Peter am 18.12.2018 15:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Generell

    Und : seht euch mal hierzulande manche Ställe an! Egal, ob Kuhstall, Legehennen, Puten... Diese Tiere leiden auch unnötig. Also, nicht immer nur auf andere mit dem Finger zeigen. In der Theorie sind alle besser, in der Praxis sieht es sehr oft anders aus. Leider. Ich verabscheue jede Art von Tierquälerei, Tiermissbrauch. Egal ob China, Polen, Deutschland, Schweiz oder anderswo.

  • JS am 18.12.2018 14:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nicht Weltproblem Nr.1

    Ist schon sehr grausam wie die Tiere behandelt werden, jedoch bin ich der Meinung dass es heutzutage wesentlich grössere Probleme auf dieser Welt gibt, welchen man viel mehr Aufmerksamkeit schenken sollte. Es gibt Länder in denen Menschen wie Tiere behandelt werden aber da verschliessen wir die Augen, denn uns geht es ja gut!