Luzern

21. Juni 2016 16:48; Akt: 21.06.2016 17:17 Print

Todesbiss-Serie auf Rehe durch freilaufende Hunde

In kurzer Zeit wurden in einem Luzerner Stadtwald mehrere Rehe totgebissen. Experten könnten sich vorstellen, dass sich ein einziger Hund auf solche Todes-Bisse spezialisiert hat.

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Neben ausgewachsenen Rehe fielen auch jüngere Tiere den Hunden zum Opfer. (Symbolbild Keystone)

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In Luzern sind innert drei Monaten fünf Rehe von einem oder mehreren Hunden totgebissen worden – trotz Leinenpflicht von April bis Juli. Die zuständige Jagdgesellschaft reichte nach der ungewöhnlichen Häufung Strafanzeige gegen Unbekannt ein.

Die Rehe wurden im Gebiet Sonnenberg-Gütschwald tot aufgefunden, berichtete die «Neue Luzerner Zeitung». Nach einer Analyse der Kadaver gehen die Behörden davon aus, dass die Bisse von einem Hund stammen. DNS-Analysen liegen allerdings zur Zeit noch keine vor.

Bei den toten Rehen wurden bei den Biss-Wunden DNA-Spuren gesichert. Sollte ein bestimmer Hund ins Visier der Behörden geraten, werden diese ausgewertet und mit jener des Hundes abgeglichen.

«Auf Wildrisse spezialisiert»

Philipp Amrein, Fachleiter Jagd und Fischerei in der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern, bestätigte die Meldung der tödlichen Attacken auf Rehe. «Das Ganze ist unerklärlich», sagte Amrein. «Eine Vermutung besteht darin, dass sich mehrere Hunde oder ein einzelnes Tier auf Wildrisse spezialisiert hat.»

Bei solchen Angriffen spiele der Urinstinkt des Hundes eine Rolle: Wenn ein Hund einmal mit einem Angriff Erfolg gehabt habe, vergesse er das nicht mehr und versuche weitere Male zuzuschlagen, sagte Amrein.

Rehe verenden elendiglich

Offen ist, welche Art Hunde als «Täter» in Frage kommen. «Die Grösse des Hundes ist nicht entscheidend, sondern sein Jagdtrieb. Auch ein kleinerer Hund oder mehrere kleine Tiere könnten für die Risse verantwortlich sein.» Leider sei es so, dass ein Reh bei Hunde-Attacken nicht sofort sterben: «In den meisten Fällen kommt es zu einem längerem Kampf zwischen Hund und Reh. Denn im Gegensatz zum Luchs gehen Wölfe oder Hunde nicht mit gezieltem Biss an die Gurgel der gejagten Tiere.»

Bei den getöteten Rehen handle es sich um Jungtiere wie auch um ältere Rehe. Laut dem Bericht der Neuen LZ wurden im Gebiet abgetrennte Rehläufe gefunden, in einem Fall hat ein Hund auch ein Fleischfetzen samt Fell aus dem Reh gebissen und gefressen.

Über die Ermittlungen will Amrein nichts sagen will, um sie nicht zu gefährden. «Das Gesetz erlaubt den Jagdaufsichtsorganen als äusserstes Mittel das Erlegen eines Hundes direkt am Riss, wenn das Wildtier anders nicht geschützt werden kann. Faktisch kommt dieses Mittel aber kaum je zur Anwendung.»

Hunde müssten eigentlich an der Leine sein

Zum Schutz von Wildtieren führte der Kanton Luzern 2014 eine Leinenpflicht für Hunde jeweils zwischen dem 1. April und dem 31. Juli ein. Seitdem hätten Attacken auf Wildtiere abgenommen, sagte Amrein. An den meisten Orten werde die Leinenpflicht eingehalten.

Grundsätzlich müssen Hundehalter unabhängig von der Leinenpflicht ihre Tiere beaufsichtigen. Bei solchen Attacken würden Halter gegen die Hunde-Verordnung und das Jagdrecht verstossen. Fehlbare Hundebesitzer müssen mit einer Anzeige rechnen.

Attacken von Hunden auf Wildtiere kommen immer wieder vor. Im Frühling 2015 wurden im luzernischen Ebersecken auf einer Weide drei Schafe von Hunden gerissen.

(mme)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rarity am 21.06.2016 17:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schleppleinen

    Verantwortungslose Hunde Besitzer. Leinenpflicht basta. Und daran hat man sich auch zu halten. Es gibt ja Schleppleinen.

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  • Alex am 21.06.2016 17:21 Report Diesen Beitrag melden

    Ein Witz: Leinenpflicht eingehalten

    Bin ja selbst Hundehalter ... da geht man in den Wald spazieren und trifft mit den beiden angeleinten Hunden auf 4 fremde Hunde... und keine davon angeleint... Und in der Gegend (Obernau) gilt das als die Regel. Man wir mit angeleinten Hunden meist ausgelacht.

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  • Blaue Elise am 21.06.2016 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Unverbesserliche Halter

    Überall wo Rehkitz abgelegt sind höre ich ständig Hundegebell von freilaufenden Hunden. Wäre ich Wildhütter...

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Die neusten Leser-Kommentare

  • A.Si am 23.06.2016 09:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jeder Verlust ist tragisch!

    Als Hundebesitzer stimmen mich solche Berichte traurig. Es ist Vorschrift den Hund an der Leine zu führen, vor allem im Wald, in Waldesnähe und bei ungemähten Wiesen. Viele Hundebesitzer halten sich daran, jedoch nicht alle (es sind auch Jagdhunde darunter). Da nun die obligatorischen Hundekurse wieder abgeschafft werden, wird der Rehriss sicher nicht abnehmen. Auch solltenJagdgesellschaften mit Hundetrainer mehr reden betr. spezifischer Ausbildung. Übrigens werden jährlich mehrere tausend Rehkitz vermäht durch die Landwirtschaft!

  • montouli am 22.06.2016 09:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr in den Gütschwald

    Am besten gar nicht mehr dort spazieren. Ist ja gar nicht ausgeschlossen, dass diese wilden Hunde auch andere Hunde an der Leine attackieren. Finde dies das Allerletzte, dass die Leute sich nicht an die Leinenpflicht halten. Und solche sind auch Schuld, dass es diese Pflicht gibt. Früher konnte man ohne Leine das ganze Jahr dort spazieren, aber man muss halt schauen, dass der Hund sich auch anständig verhält! Und ja, das bekommt man hin! Und wenn nicht: Hund an die Leine, und zwar das ganze Jahr und überall!

  • Herbert am 22.06.2016 04:57 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hundeschulen verstaatlichen

    Wenn die ganze Hundeschulesache nicht so eine Geldmacherei wäre und richtig durchgezogen würde, hätten wir nur gut erzogene und immer abrufbare Hunde in unserem Land. Leider sind meist die Hundetrainer nur aufs Geld scharf und nicht den Erfolg. Und den Staat interessiert es nicht, dass wir für die Ausbildung Gelände und Platz brauchen, welcher uns nicht zur Verfügung gestellt wird. Wie sollen wir alle Hundehalter in die Pflicht nehmen, dass alle ihre Hunde erziehen, wenn es nur auf privater Basis läuft?

  • Gustav Gans am 22.06.2016 04:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Jagen ist nicht gleich jagen

    Lustig, Hunde dürfen Wild nicht jagen, damit es im Herbst genug Trophäen für die Jäger hat?

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    • Spaziergängerin am 22.06.2016 04:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Hofhunde, Mischlinge mit Jagdtrieb

      Sollte sich schon jemand Gedanken gemacht haben über die immer freilaufenden Bauerhofhunde? Von Gesetzes wegen, sollten die doch in der Schonzeit auch an die Leine/Kette. Wobei ich Kettenhunde missbilige.

      • Anwohner am 22.06.2016 07:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

        @Spaziergängerin

        Oh ja, da hast du natürlich völlig recht, denn im Gebiet Gütsch Wald gibt es derart viele Hofhunde, dass dies schon fast gemeingefährlich ist!!!!

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