Vierwaldstättersee

03. Oktober 2017 15:20; Akt: 03.10.2017 15:20 Print

Tsunami-Gefahr wird unter die Lupe genommen

von Daniela Gigor - Schon zwei Mal gab es im Vierwaldstättersee einen Tsunami. Wie gross das Risiko ist, dass dies wieder passiert, wird nun akribisch erforscht.

storybild

Solche Plattformen sind nötig, damit der Seegrund untersucht werden kann. (Bild: Uni Bern)

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hört man den Begriff Tsunami, kommen gleich die schrecklichen Bilder hoch, als mehrere Flutwellen aus dem Indischen Ozean am 26. Dezember 2004 Dörfer und Städte vernichtete. Damals haben über 230'000 Menschen ihr Leben in vierzehn Ländern verloren.

Umfrage
Fürchten Sie sich vor einem Tsunami am Vierwaldstättersee?

Aber auch im Vierwaldstättersee können sich Tsunamis ereignen, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt: So hat ein Erdbeben der Stärke 5,9, das sich am 18. September 1601 in Unterwalden ereignete, acht Tote durch eine Welle gefordert. Wie das Staatsarchiv des Kantons Luzern schreibt, waren die Erschütterungen in der ganzen Eidgenossenschaft zu spüren. Die Unterwasserrutschungen, die durch das Beben ausgelöst wurden, führten vermutlich zu den mehrere Meter hohen Flutwellen.

Untersuche sollen fast zwei Jahre dauern

Ein weiterer vier Meter hoher Tsunami ereignete sich am 23. September 1687, weil das Delta der Muota in Brunnen abrutschte. Die Folge war, dass die bis zu vier Meter hohe Welle weite Küstenteile des Vierwaldstättersees flutete. Ob ein weiterer Tsunami die Zentralschweiz unter Wasser setzten könnte, will ein neues Forschungsprojekt herausfinden. Daran beteiligt ist die ETH Zürich und der ihr angeschlossene Schweizerische Erdbebendienst, die Uni Bern und das Zentrum für Marine Umweltwissenschaften Bremen. Sie wollen während 22 Monaten die Beschaffenheit der Sedimente des Sees erforschen, wie die «Luzerner Zeitung» berichtete.

Forschungsprojekt kostet zwei Millionen Franken

«Es geht darum, diese unterschätzte Naturgefahr zu quantifizieren», sagt Geologe Flavio Anselmetti (52) von der Uni Bern. Auf Grund der historischen Ereignisse seien der Untergrund des Vierwaldstättersees und etwa auch der des Genfersee in den letzten 15 Jahren gut untersucht worden, sodass wichtige Vorarbeiten abgeschlossen sind. Läuft es nun wie geplant, soll eine erste Sonde, die 200 Kilogramm wiegt, noch vor Ende 2017 auf dem Grund des Vierwaldstättersees Messungen durchführen. Anselmetti: «Wir werden sowohl Sonden für wenige Tage an verschiedenen Stellen belassen wie auch über mehrere Monate hinweg.» Danach sollten die wichtigsten Fragen beantwortet werden: Etwa welche Beschaffenheit haben die Sedimente oder was ist verantwortlich dafür, dass der Seeboden ins Rutschen kommt. Gebohrt werde nicht nur im See sondern auch auf dem Land, wo nach Ablagerungen von vergangenen Tsunami-Wellen gesucht wird.

Weil es zur Erforschung einer möglichen Tsunami-Gefahr sehr grosse und teure Instrumente und Plattformen braucht, wird das Projekt insgesamt etwa zwei Millionen Franken kosten. Finanziert wird es grösstenteils vom Schweizerischen Nationalfonds.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chris am 03.10.2017 15:32 Report Diesen Beitrag melden

    No risk no fun

    Was soll dass? Klar ist die Tsunami Gefahr auch in der Schweiz latent. Nach gängigem Vorschulwissen kann jederzeit ein Meteorit in jeden See stürzen und einen Tsunami auslösen. Aber Hauptsache Steuergelder verschleudern ......

    einklappen einklappen
  • Tristan15 am 03.10.2017 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Was soll das?

    Da haben wieder einmal viele Beamte vorige Zeit und können Steuergelder verbraten!

  • Baselbieter am 03.10.2017 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dringlichkeit?

    Mich dünkt's, als ob der Nationalfonds entweder zu viel Mittel hat oder aber es gehen die erforschbaren Themen aus. 1601 der letzte Tsunami im Vierwaldstättersee. Wow. Das haut mich ob der Dringlichkeit um. Besser wäre es, sich auf 1356 zu konzentrieren. Das war damals ein wirklich schlimmes Erdbeben, das wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Tim T. am 14.10.2017 03:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Physik und Archimedes

    Physikalisch gesehen, kann ein Tsunami am Walensee nur bedingt eine Katastrophe anrichten, weil die Strömungsrichtung der Schockwellen indirekt proportional abnehmen. Eine Flutwelle würde also oberhalb des Wellenkamms in sich zusammenbrechen und das nachfokgende Wasser invers und zwar bidirektional ablenken.

    • Tom P. am 14.10.2017 05:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Tim T.

      Dem kann ich mich nur anschliessen. Ergänzen kann man noch, dass allein schon die Magnituden-Protuberanz gemäss Strömungslehre einen Tsunami unwahrscheinlich macht. Nur ein Tidenhub von mehr als zwei Drittel der durchschnittlichen Wellenamplitude könnte eine genügend starke Welle erzeugen. Mit einfachen geophysikalischen Berechnungen ist das für Laien ohne Fachkenntnisse natürlich nicht überprüfbar.

    einklappen einklappen
  • H. Sch. am 05.10.2017 11:30 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Macht Sinn

    Wenn man bedenkt, wie nahe die Siedlungsgebiete an den See gebaut sind, macht diese Untersuchung absolut Sinn. In Stansstad sind viele Häuser nur gerade ein Meter über Wasser gebaut. Um 1600 war dort so gut wie kein Haus. Was natürlich fragwürdig ist, das man das Ufergebiet in Stansstad in den letzten Jahren ausgebaggert hat. Stansstad ist auf dem Schuttkegel der Engelberg Aa gebaut.

  • Kari am 04.10.2017 22:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Jahre 1601 die Stärke von 5,9?

    Für mich als Laien ist nicht klar, wie Geologen heute feststellen können, dass das Erdbeben im Jahre 1601 eine Stärke von 5,9 auf der Richterskala aufwies? Damals konnte man das ja nicht messen. Welche Indikatoren lassen diesen Schluss zu?

  • Agglobewohner am 04.10.2017 12:44 Report Diesen Beitrag melden

    Würde Luzern nicht schaden

    Würde es der Stadt wirklich schaden mal ordentlich durchgespühlt zu werden? Evtl. würde der ganze giftgrüne Müll rausgeschwemmt.

  • Baselbieter am 03.10.2017 17:48 Report Diesen Beitrag melden

    Dringlichkeit?

    Mich dünkt's, als ob der Nationalfonds entweder zu viel Mittel hat oder aber es gehen die erforschbaren Themen aus. 1601 der letzte Tsunami im Vierwaldstättersee. Wow. Das haut mich ob der Dringlichkeit um. Besser wäre es, sich auf 1356 zu konzentrieren. Das war damals ein wirklich schlimmes Erdbeben, das wir hoffentlich nie selbst erleben müssen.