Einbürgerung in Einsiedeln

04. Januar 2015 09:59; Akt: 04.01.2015 18:45 Print

US-Professor greift die SVP an

von Philipp Zurfluh - Die Nicht-Einbürgerung des ehemaligen ETH-Professors Irving Dunn schlug hohe Wellen: Nun beschuldigt der Amerikaner die lokale Politik, namentlich die SVP.

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Irving Dunn will kein Gesuch um ein neues Einbürgerungsverfahren stellen.

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Seit 39 Jahren lebt der ehemalige ETH-Professor Irving Dunn in Einsiedeln. Die gescheiterte Einbürgerung des Amerikaners sorgte im Oktober vergangenen Jahres landesweit für Schlagzeilen. Doch damals gab sich Dunn noch zuversichtlich und erwog einen neuen Anlauf zur Erlangung des Schweizer Bürgerrechtes. Doch nun hat sich der 76-Jährige entschieden, doch kein neues Einbürgerungsgesuch zu stellen, wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet. Vor wenigen Tagen habe er einen ernüchternden Brief von den Einsiedler Behörden erhalten. Die Kosten für ein neues Verfahren würden sich auf 3100 Franken belaufen – das wären nur 500 Franken weniger als beim ersten Anlauf, dies empfindet Dunn nicht als Entgegenkommen der Behörden.

Entscheid sei politisch motiviert

Dabei hätten ihm die Behörden zuvor ein erleichtertes Verfahren in Aussicht gestellt, berichtete die Zeitung weiter. Es sollten einige Kosten wegfallen, bereits bestandene Prüfungen müssten nicht mehr abgelegt werden. Zur Begründung der Ablehnung des ersten Gesuches hiess es, Dunn sei zu wenig integriert und wisse ausserdem zu wenig über die Schwyzer und Einsiedler Geografie und Politik.

Der Akademiker fühlt sich ungerecht behandelt und sagt, dass die SVP ein Grund für den Negativentscheid sei. «Ich glaube, einige lokale Politiker halten es nicht für wünschenswert, dass ich Bürger von Einsiedeln werde. Die SVP ist bekanntlich nicht einbürgerungsfreundlich.» Er habe seine drei Kinder in Einsiedeln grossgezogen, sei Mitglied im Segel- und Tennisklub und habe mehr als 30 Jahre an der ETH Zürich unterrichtet und geforscht.

«Das ist Blödsinn»

Zum Vorwurf von Dunn, die SVP trage Mitschuld an der Ablehnung des Antrags, sagt Ueli Brügger, SVP-Präsident von Einsiedeln: «Das ist Blödsinn. Die Einbürgerungen im Bezirk Einsiedeln erfolgen demokratisch.» Laut Brügger hatte die Einbürgerungskommission das Gesuch geprüft und zur Ablehnung empfohlen, da gewisse Bedingungen nicht erfüllt gewesen seien. Der Entscheid sei vom neunköpfigen Bezirksrat, in dem zwei SVP-Vertreter sitzen, einstimmig gefällt worden. Weil Dunn damit nicht einverstanden war, sei sein Gesuch an der Gemeindeversammlung nochmals behandelt worden. Brügger glaubt, dass Dunns Gesuch angenommen worden wäre: «Doch als er aufgerufen wurde und nicht da war, kippte die Stimmung im Saal.» Knapp wurde sein Gesuch dann abgelehnt. In Einsiedeln kommen normalerweise nur jene Gesuche vors Volk, die vom Bezirksrat angenommen wurden; laut Brügger werden sie dann jeweils durchgewinkt. Laut Brügger seien an besagter Versammlung alle anderen Gesuchsteller anwesend gewesen. Er wirft Dunn weiter vor, den Prozess der Einbürgerung nicht ernst genug genommen zu haben. «Er ging davon aus, dass er als Amerikaner einfach so das Bürgerrecht erhalte.» Dies verneint Dunn.

Weiter sagt er, er sei nicht an der Versammlung gewesen, «weil ich keine Information bekommen habe, dass ich bei die Gemeindeversammlung etwas sagen könnte. Deshalb war ich nicht anwesend.» Er habe auch keine Einladung zur Versammlung erhalten. Ob der ehemalige ETH-Professor in Zukunft nochmals ein Gesuch einreichen will, lässt er offen. «Nur wenn es auf Bundesebene geschieht und nicht mehr in der Gemeinde entschieden wird. Das könnte allerdings noch lange dauern.»