Heimliche Filmerei

10. Juli 2014 06:06; Akt: 10.07.2014 08:20 Print

Undercover-Bademeister gegen Spanner unterwegs

Ein Mann stand wegen heimlichem Filmen im Alpamare vor Gericht. Die Badeanstalten unternehmen aber alles, um solchen Spannern das Handwerk zu legen.

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Inkognito unter Badegästen: Das Alpamare setzt auf Undercover-Bademeister. (Bild: alpamare.ch)

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Der Spanner, der 2012 junge Mädchen im Freizeitbad Alpamare in Päffikon SZ filmte, musste sich vor Gericht verantworten (20 Minuten berichtete). Um die Badegäste vor solchen Kriminellen zu schützen, blieben die Badis nicht tatenlos: Das Alpamare etwa hat Ende 2012 bauliche Massnahmen ergriffen. Die Kabinen wurden verkleinert und können neu nicht mehr nur von vorne, sondern auch von hinten vom Personal kontrolliert werden, schreibt die Parkleiterin Martine Oosting auf Anfrage von 20 Minuten.

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Undercover-Bademeister im Einsatz

Neben baulichen Massnahmen greift das Alpamare auch zu unkonventionellen Mitteln. Seit rund zwei Jahren sind sogenannte Undercover-Bademeister im Einsatz. Catrin Hardung, Leiterin Marketing, erklärt: «Die Bademeister halten sich als scheinbar normale Badegäste beispielsweise in der Jod-Sole-Therme oder den Rutschbahnen auf. Wenn sie etwas sehen, was gegen die Regeln verstösst, informieren sie einen der erkennbaren Bademeister, der dann eingreift.» Die Undercover-Bademeister melden auch unsittliches Verhalten seitens der Badegäste. Alles was über Küssen oder sich in den Armen liegen hinausgeht, ist nämlich gegen die Baderegeln. Das wissen mittlerweile wohl auch die Badigäste: Laut Hardung gab es bisher nur wenige Fälle von frivolem Verhalten.

Undercover-System hat Erfolg

Kameras und Handys sind im Badebereich grundsätzlich nicht erlaubt. Daher sei es unwahrscheinlich, dass sich ein Spanner unbemerkt unter das Badevolk mischen kann. Gäste, die eine Kamera oder ein Handy mit sich führen, würden sofort auffallen und vom Personal angesprochen. Um im Bad filmen oder fotografieren zu können, brauche es eine Sondergenehmigung, so Hardung. Hardung zeigt sich zufrieden mit dem System. «Die Massnahmen greifen», sagt sie. Je nach Besucherzahl sind parallel 20 Bademeister im Einsatz, davon zwei bis drei inkognito.

Kinder müssen Kleider tragen

Auch in Luzern sind Bademeister auf der Hut: «Im Strandbad Lido in Luzern achtet man etwa sehr darauf, dass die Kinder mindestens Badebekleidung tragen», sagt Geschäftsführer Marcel Wiesler. Die Bademeister sprechen Eltern von nackt herumlaufenden Kindern an und bitten sie, ihrem Kind etwas anzuziehen. Das Ziel dahinter: keine nackten Kinder als Motive für pädophile Spanner.

Probleme mit unsittlichem Verhalten gäbe es keine, da im Lido nur Tagesbetrieb herrscht und es keine versteckten Nischen gibt. «Unsere Bademeister machen regelmässige Kontrollen in den Toiletten und achten darauf, ob sie etwas Verdächtiges sehen», sagt Wiesler weiter. Im Lido gibt es aber kein Kamera- oder Handyverbot: «Wir können den Touristen nicht verbieten, den Pilatus zu fotografieren.» Sollte aber ein Gast mit einem Tele-Objektiv auftauchen, würde man diesen kontrollieren, so Wiesler. Es gab schon einen Fall, als eine solche Person beobachtet wurde, sie konnte allerdings entwischen (20 Minuten berichtete).

Im Hallenbad Allmend wurde bereits beim Bau des Bades darauf geachtet, dass man Spannern keine Möglichkeiten bietet, um sich verstecken zu können, so Geschäftsführer Stefan Schlatter. So schaffte man übersichtliche Gänge, die die Bademeister überblicken können und die Garderobeneinteilung wurde überdacht. Das Badepersonal ist zudem gut geschult und reagiert, wenn jemand unsittliches Verhalten an den Tag legt. Im neuen Hallenbad, wo jährlich 227'000 Eintritte verbucht werden, gab es seit der Eröffnung erst einen Fall von unsittlichem Verhalten.

(msa)