70,22 Prozent sagen Ja

10. Februar 2019 18:07; Akt: 10.02.2019 18:07 Print

Uri will sich selber gegen Grossraubtiere wehren

In Uri wurde die Initiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren» deutlich angenommen. Das Resultat soll Signalwirkung haben.

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Es ist ein Anti-Wolf, -Bär und Luchs-Signal: Die Urner hiessen Verfassungsinitiative «Zur Regulierung von Grossraubtieren» vom Bauernverbandmit einem Ja-Stimmen-Anteil von 70,22 Prozent (6061 Ja- zu 2570 Nein-Stimmen) gut. Die Stimmbeteiligung betrug 33,6 Prozent.

Mit dem Beschluss der Stimmberechtigten erhält der Kanton die Verfassungskompetenz, Vorschriften zum Schutz vor Grossraubtieren und zur Bestandesregulierung zu erlassen.

In der Praxis ist damit aber keine Änderung zu erwarten. Denn: Die Forderungen der Initiative sind weitgehend in der geltenden Gesetzgebung erfüllt und die Kantone haben keinen Spielraum für eine eigene Grossraubtierpolitik.

Die Kantonsregierung schlug deswegen vor, die Forderungen mit einer Standesinitiative im Bundeshaus zu deponieren. Der Landrat sprach sich aber gegen einen Gegenvorschlag und für die Volksinitiative aus. Er wollte damit im Hinblick auf eine sich abzeichnende Reform der eidgenössischen Jagdgesetzgebung ein Zeichen setzen. Dies wird nun von der Urner Bevölkerung gestützt.

«Besser herausgekommen, als erwartet»

«Wir freuen uns riesig über das Ergebnis», sagt Wendelin Loretz, Präsident des Bauernverbands Uri und Mitglied des Initiativkomitees. Mit über 70 Prozent Zustimmung sei das Ergebnis gar «besser herausgekommen als erwartet. Die Bevölkerung hat erkannt, dass die Problematik den ganzen Kanton betrifft.»

Der Bauernpräsident hofft nun auf eine Signalwirkung in Richtung Bundesbern: «Das Ergebnis ist ein Warnruf oder gar ein Hilfeschrei an den Bund», sagt er. Zwar ändere sich von heute auf morgen mit der Annahme der Initiative nicht sehr viel, aber: «Das wird nun eine längerfristige Wirkung haben, auch bezüglich der Reform der Jagdgesetzgebung.»

«Wolf hält sich nicht an Kantonsgrenzen»

Der WWF Uri hält die Initiative und deren bereits weitgehend erfüllten Forderungen für unsinnig. «Der Umgang mit den international geschützten Tierarten wird durch den Bund geregelt. Der Kanton Uri schöpft bereits heute den Spielraum maximal aus», sagt Fabian Haas vom WWF.

Darüber hinaus würden Einzellösungen keinen Sinn ergeben. «Mobile Arten wie zum Beispiel der Wolf halten sich nicht an Landesgrenzen und schon gar nicht an Kantonsgrenzen.» Die Initiative führe weder zu einer Verbesserung der Situation noch bringe sie neue Möglichkeiten.

«Besser wäre es, wenn die gleiche Vehemenz, die für die Initiative verwendet wurde, genutzt wird, um nach langfristigen und nachhaltigen Lösungen zu suchen.» So engagiere sich der WWF für die Weiterentwicklung des Herdenschutzes und für eine Fortführung der Strukturanpassung der Alpwirtschaft. «Nur damit ist den Betroffenen wirklich geholfen.»

Bisherige Wolfsabschüsse in Uri

Im Kanton Uri hat die Sicherheitsdirektion bis jetzt zweimal einen Wolf nach Angriffen auf Schafherden zum Abschuss frei gegeben. Im Jahr 2015 war die Jagd erfolglos. Im Jahr 2016 wurde ein zum Abschuss freigegebener Wolf im Gebiet Surenen erlegt.

(tst/sda)