«Werden schlecht gemacht»

20. September 2019 14:12; Akt: 20.09.2019 14:16 Print

Diese ÖV-Kampagne macht Kellner und Köche hässig

Die Hotel & Gastro Union kritisiert eine für sie fragwürdige VBL-Kampagne. Auf Facebook schlägt der Branchenverband zurück.

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Mit solch kontroversen Meinungen hätte die VBL vor der Veröffentlichung ihrer neusten Kampagne wohl nicht gerechnet:
Vor allem auf Facebook musste das Unternehmen einstecken. Mitglieder der Hotel & Gastro Union, einer Vereinigung von Arbeitenden im Gastgewerbe, fühlten sich teilweise angegriffen durch die Kampagne und veröffentlichten ein Bild davon.
Denn: Werbesprüche wie «Früher Kellner, heute VBL-Chauffeur.» zieren die Plakate.

Die Branchenvereinigung hat keine Freude an der Kampagne: «Wir finden es einfach Schade, dass andere Berufe so schlecht gemacht werden», sagt Roger Lütolf, Marketingleiter der Hotel & Gastro Union. Mehrere Mitglieder der Union hätten sich gefragt, was diese Kampagne denn sollte. Auf Anfrage teilt Lütolf mit, dass Kontakt mit der VBL aufgenommen würde. «Selbstverständlich werden wir offiziell reklamieren», heisst es auf Facebook.

«Wir haben zu wenig Personal.»

Norbert Schmassmann, Direktor der VBL rechtfertigt ihre Kampagne dadurch, dass sie keineswegs andere Berufe schlecht reden wollten. Sie seien lediglich auf der Suche nach neuen Berufstätigen, da der Arbeitsmarkt auch im Chauffeurbereich «ausgetrocknet» seien. «Wir brauchen genügen Fahrpersonal, um den bestellten ÖV erbringen zu können», so Schmassmann. Fast alle VBL-Chauffeure seien zuvor in einem anderen Beruf tätig gewesen. Es sei somit normal, dass Leute aus anderen Sparten angesprochen werden und sich zu einem Wechsel zur VBL entscheiden. «Man muss suchen und nehmen, wen man findet», sagt der VBL-Direktor.

Ausserdem haben die Verkehrsbetriebe Zürich (VBZ) vor einigen Jahren eine noch aggressivere Kampagne veröffentlicht, in der sie Lohnvergleiche mit anderen Berufen gleich in den Stelleninseraten gemacht haben. Auf so etwas habe die VBL bewusst verzichtet.

Nun dreht das Gastgewerbe den Spiess um.

Die Antwort der Hotel & Gastro Union folgte sogleich: In einem nächsten Facebook-Post veröffentlichte sie eine Fotomontage, bei welcher die Werbesprüche etwa zu «Ich bin lieber Koch als VBL-Chauffeur, weil...» abgeändert wurden. Damit habe man keinesfalls Kritik an Chauffeuren üben wollen. Viel eher wollte man Berufstätigen im Gastrogewerbe eine «Chance geben zu sagen, wieso ihr Beruf gut ist», sagt Lütolf.

Die Reaktion löst bei Facebook-Nutzern positive Rückmeldungen aus. Ein User schreibt etwa, dass sein Beruf kreativ und leidenschaftlich ist. Auch der Direktor der VBL erachtet den Folge-Post als sehr humorvoll und kreativ. Er rege sich keineswegs darüber auf und nehme es mit Humor.

Wie gehts weiter?

Auf die Frage, ob die Kampagne weitergeführt wird antwortet Schmassmann klar: «Kampagnen muss man machen!»
Sie würden aber eine neue Kampagne in einer anderen Form beziehungsweise mit einer anderen Botschaft machen. Schmassmann zeigt sich einsichtig: «Die neue Kampagne soll weniger aggressiv sein, denn es sei nicht ihr Ziel andere Leute zu verärgern.»

(jab)