Luzern

31. Juli 2019 04:54; Akt: 31.07.2019 13:15 Print

Malwettbewerb sorgt für Ärger und traurige Kinder

Es sollte ein kreativer Malwettbewerb für Kinder werden, den die Verkehrsbetriebe Luzern veranstalteten. Stattdessen gab es Wut und Enttäuschung.

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«Lasst eurer Kreativität freien Lauf und gestaltet ein A4- oder A3-Blatt zum Thema Verlängerung der VBL-Trolleybuslinie 1 nach Ebikon», schrieben die Verkehrsbetriebe Luzern (VBL) auf ihrer Website zu einem Malwettbewerb für Kinder. Hauptpreis: ein Gutschein für den Europa-Park mit Übernachtung im Wert von 1500 Franken. Auch für den zweiten und dritten Platz winken Preise im Gesamtwert von 1500 Franken. Um die Gewinner zu ermitteln, sollte bis September online für die eingereichten Zeichnungen abgestimmt werden können. Doch kurz nach dem Start wurde das Voting wegen «Auffälligkeiten» abgebrochen, wie die «Luzerner Zeitung» schreibt.

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Voting-System erlaubte mehrmalige Abstimmung

Grund dafür sind die eingereichten Zeichnungen der drei Kinder von Familie Schilliger. Sie hatten für diese viel mehr Stimmen als die anderen Teilnehmer bekommen. «Dies hat uns stutzig gemacht, darum haben wir den Wettbewerb vorübergehend gestoppt, um eine Analyse zu machen. Schnell wurde klar, dass die immer wiederkehrenden Stimmabgaben System haben», teilten die VBL Vater Beat Schilliger mit.

Schilliger ist nun hässig. Seine Kinder hätten wegen den attraktiven Preisen viel Arbeit und Leidenschaft in die Zeichnungen gesteckt. Deshalb habe er auch auf Social Media Werbung gemacht und Verwandte und Bekannte gebeten, online für die Kinder zu voten, sagte er auf Anfrage. Das Voting-System habe es erlaubt, für eine Zeichnung mehrmals abzustimmen. «Für das Voting waren keine Bedingungen definiert. Die Kids und weitere Personen haben selber herausgefunden, dass man mehrmals am Tag für eine Zeichnung abstimmen kann. Das hat mich erstaunt, und deshalb habe ich auch kurz nach dem Start der Abstimmung die VBL informiert, dass ihr Voting-Tool Nachteile hat», sagt Schilliger. Er sagt weiter, dass sie es genutzt hätten, mehrfach zu voten, weil dies nicht verboten gewesen sei.

«Gnadenlos ausgenutzt»

Bei der VBL heisst es, es sei dem Unternehmen bekannt gewesen, dass man mit dem benutzten Tool mehrfach voten könne. «Wir hätten aber nie gedacht, dass das jemand gnadenlos ausnützt. Auch wenn es nicht explizit erwähnt wird, ist es nicht Sinn und Zweck eines Kindermalwettbewerbs, mehrmals täglich abzustimmen», sagt Mediensprecher Sämi Deubelbeiss gegenüber der LZ. Die VBL hätten sich dazu entschieden, die Stimmen der drei Geschwister zu löschen, da ihr Verhalten gegenüber den anderen Teilnehmen unfair sei.

Schilliger kontert: «Uns nun den Schwarzen Peter zuzuschieben, ist nicht die feine Art, aber sicher das Einfachste, um von den eigenen Fehlern abzulenken.» Die VBL hätten gescheiter eine Jury eingesetzt, um die Sieger zu ermitteln, zudem hätten auch die anderen Teilnehmer mehrfach voten können, wenn sie dies gewollt hätten, sagt er.

Am Montagabend informierten die VBL über den endgültigen Abbruch des Wettbewerbs. «Aufgrund von Manipulationen sehen wir uns gezwungen, den Malwettbewerb zu stoppen», sagte Deubelbeiss am Dienstag zu 20 Minuten. Die VBL bedauerten, dass die Geschichte so ein Ausmass angenommen hätte. «Die Leidtragenden seien die Kinder. Wir bemühen uns, dass alle Kinder wenigstens mit einem Geschenk belohnt werden.»

(mik)