Brandkatastrophe

18. August 2013 09:44; Akt: 21.08.2013 10:34 Print

Vor 20 Jahren stand in Luzern die Welt still

Die Bilder der brennenden Kapellbrücke gingen vor 20 Jahren um die Welt. Warum das Wahrzeichen Luzerns in Flammen aufging, ist bis heute nicht geklärt. Aber es gibt eine Vermutung.

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Die Luzerner Kapellbrücke ist in der Nacht vom 17. auf den 18. August 1993 durch ein Feuer zerstört worden. Intakt blieben die beiden Pfeiler der ältesten Holzbrücke Europas, die Grundkonstruktion und der Wasserturm. Die Brandursache ist nicht restlos geklärt.

An jenem Mittwoch meldete um 0.50 Uhr eine Frau als erste das Feuer auf der Kapellbrücke. Es brach auf einem der Boote aus, die damals noch an der Brücke anlegen durften. Die Flammen griffen rasend schnell auf ein dutzend andere Boote und die Holzbrücke über. Dabei wirkten zahlreiche Spinnweben wie Brandbeschleuniger.

Nach gut elf Minuten hatten rund 150 Feuerwehrleute den Brand unter Kontrolle. Er konnte sich nicht mehr weiter ausbreiten. Doch zwei Drittel der Brücke waren bereits zerstört. Bilder der verkohlten Reste des Wahrzeichens von Luzern gingen tags darauf um die Welt.

86 von 111 Bildern zerstört

Neben der Brücke wurden auch 86 von 111 dreieckigen Bildern im Giebel der Brücke ein Raub der Flammen. Die Bildtafeln aus dem 17. Jahrhundert schilderten das Martyrium der Stadtpatrone Leodegar und Mauritius sowie Ereignisse aus der eidgenössischen und städtischen Geschichte.

Die Brandursache ist bis heute nicht restlos geklärt. Gemäss Behörden geriet die Brücke wegen eins Schwelbrandes in der Abdeckung eines darunter vertäuten Bootes in Brand. Ursache dafür könnte ein weggeworfenes Streichholz gewesen sein.

Wiederaufbau für 3,4 Mio. Fr.

Nach dem Brand beschloss die Luzerner Stadtregierung noch am selben Morgen die Brücke wieder aufzubauen. Am 14. April 1994 wurde sie wiedereröffnet. Der Wiederaufbau kostete rund 3,4 Millionen Franken. Nach Abzug von Versicherungsleistungen, Spenden und dem Erlös einer PTT-Sondermarke von rund 100'000 Franken verblieben der Stadt Kosten von rund 567'000 Franken.

Die grau-braune Brücke wurde mit historischen Biberschwanz-Ziegeln aus Luzern und Bern sowie unbehandeltem Holz neu aufgebaut. Seit 2003 sind auf der Brücke wieder Originalbilder zu sehen.

Bilder von alter Brücke

An den beiden Brückenköpfen hängen jene 25 Tafeln, die gerettet und restauriert werden konnten. In der Brückenmitte ist der sogenannte Mauritius-Zyklus installiert, der vor 170 Jahren bei der Verkürzung der Brücke entfernt worden war. Die Abschnitte zwischen den Brückenköpfen und dem Zyklus blieben leer, um an den Brand zu erinnern.

Nach dem Feuer wurden Massnahmen getroffen, die ein zweite Brandkatastrophe verhindern sollen. So wurden die Bootsanlegestellen entfernt. Die Kapellbrücke und die Spreuerbrücke über die Reuss wurden mit Brandkabeln und Brandmelder sowie einem Blitzschutz ausgestattet.

Videoüberwachung

In den Dachjochen befinden sich transparente Brandschotten. Auf den Brücken gilt ein Rauchverbot. Zudem werden sie videoüberwacht. Die Brücke wurde letztmals 1969 komplett abgebaut und neu gepfählt.

Die Luzerner Kapellbrücke ist die älteste Holzbrücke Europas. Das ins Jahr 1365 datierte Bauwerk diente den Siedlern damals als Wehranlage. Heute zählt das beliebte Fotosujet täglich im Schnitt 13'400 Fussgängerinnen und Fussgänger.

(sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Roli Bader am 18.08.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer Anblick

    Es war wirklich ein Stich ins Herz. Damals arbeitete ich als Zeitungsverträger im Maihof und hörte im Radio Pilatus das die Brücke brenne. Sofort bin ich auf die Seebrücke gefahren und sah das Wahrzeichen welches in Flammen stand. Ein wirklich schlimmer Anblick. Luzern ohne Kappelbrücke wäre wie die CH ohne Matterhorn.

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  • Lächeln am 18.08.2013 10:20 Report Diesen Beitrag melden

    Vielen Dank!

    Danke, dass ihr für uns diese Brücke wieder aufgebaut habt! Sie bedeutet uns wirklich sehr sehr viel. Viele Liebe Grüsse an den Luzerner Stadtrat und unsere fleissigen Wiederaufbauer! Dankeschön!

  • vakano am 18.08.2013 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    finde gut...

    ...dass 20min. ein bisschen Schweizer Geschichte bringt...

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Thürig am 18.08.2013 19:52 Report Diesen Beitrag melden

    Und heut?

    Bin heute über die Chappelbrugg und habe mir speziell die Dachbalken etwas angeschaut. Da hat es wieder so eine Menge an Brandbeschleuniger in Form von Spinnweben usw., dass man sich nur wundern kann. Nichts gelernt?

  • Marcoooo am 18.08.2013 18:58 Report Diesen Beitrag melden

    So schön gleichmässig...

    ...wie diese Brücke gebrannt hat, kriegt das kaum ein Pyrotechniker ohne Brandbeschleuniger hin. Dass "zahlreiche Spinnweben" als Brandbeschleuniger gewirkt hätten, ist hingegen nichts als eine lächerliche Ausrede. Wenn ich mich richtig erinnern kann, vermutete man schon damals einen Brandanschlag. Ist ja auch kein Problem, wenn man in Luzern noch so dumm war, Booten zu erlauben, an der Brücke anzutäuen!

  • J. Meyer am 18.08.2013 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    Sorglosigkeit?

    Was ich sehr erstaunlich finde, das erst in der Neuzeit, also in der heutigen Zeit, durch was auch immer, eine solche Brücke fast zerstört wurde. Diese Brücke, ursprünglich um 1365 als Wehrgang gebaut in all den Jahrhunderten danach nir Opfer von Krigen, Vandalismus oder anderen Zerstörungsaktionen wurde, sondern, nachdem ein 75m Teilstück entfernt wurde, noch mit Bildern ausstaffiert wurde. Gehen wir heute mit geschichtsträchtigen Bauten sorgloser um? Zum Glück konnte man es wieder aufbauen u doch dürfte es nicht mehr das Gleiche sein, oder?

  • Jefferson P. am 18.08.2013 12:37 Report Diesen Beitrag melden

    Boote unter der Brücke???

    Bisschen dumm sind die Luzerner Behörden ja schon auch, wenn sie erlaubt haben, dass Boote unter der Brücke stillliegen dürfen. Auch ohne weggeworfenem Streichholz, ein Motorboot kann immer aufgrund eines technischen Defektes brennen. Dass dies nicht in Betracht gezogen wurde, macht die Behörden schuldig.

    • Robert am 18.08.2013 17:38 Report Diesen Beitrag melden

      Steinalte Fischerboote

      Soweit ich mich erinnern kann waren unter der Kapellbrücke vorwiegend alte Fischerboote. Auf solchen war zumindest damals einiges zusammengebastelt, weil die Besitzer sich den kostspieligen Service sparen wollten. Das waren regelrecht tickende Zeitbomben.

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  • Roli Bader am 18.08.2013 11:57 Report Diesen Beitrag melden

    Schlimmer Anblick

    Es war wirklich ein Stich ins Herz. Damals arbeitete ich als Zeitungsverträger im Maihof und hörte im Radio Pilatus das die Brücke brenne. Sofort bin ich auf die Seebrücke gefahren und sah das Wahrzeichen welches in Flammen stand. Ein wirklich schlimmer Anblick. Luzern ohne Kappelbrücke wäre wie die CH ohne Matterhorn.

    • J. Meyer am 18.08.2013 17:26 Report Diesen Beitrag melden

      Was war, das war, was ist, das ist!

      Wie wahr! Die Schweiz ohne Matterhorn wäre nicht mehr dasselbe wie Luzern ohne Kapellbrücke. Doch im Gegensatz zur Brücke hätte man ein Matterhorn wohl kaum wieder neu aufbauen können.

    • Hans Mahler am 18.08.2013 19:51 Report Diesen Beitrag melden

      @J. Meyer

      Wenn Sie schon genau sein wollen: Ein Matterhorn geht auch nicht einfacht kaputt, oder brennt ab, oder verschwindet.

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