Luzern

05. April 2019 11:38; Akt: 05.04.2019 14:20 Print

Hier gehen Kinderschänder und Kinder ein und aus

Das Luzerner Kriminalgericht ist in einem Haus eingemietet, wo auch Kinder wohnen. «Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», schimpft jetzt ein Richter.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Seit über acht Jahren ist das Luzerner Kriminalgericht am Alpenquai 10 eingemietet. Gedacht war dies eigentlich als Übergangslösung, eine Änderung ist aber trotzdem nicht in Sicht. Nicht glücklich mit der Situation ist Peter Meuli, Präsident der erstinstanzlichen Gerichte: «Während im Saal Kinderschänder sitzen, spielen im Treppenhaus Kinder», sagte er gegenüber Zentralplus. Am Alpenquai 10 sind auch Wohnungen an Personen vermietet, die Kinder haben. Auf einem Teppich vor einer dieser Wohnung steht «Home Sweet Home» geschrieben. Vor einer anderen Tür hat es kleine Kinderschuhe.

Umfrage
Sollen die Luzerner Gerichte in der Hauptstadt bleiben?

Regelmässige Gefangenentransporte

«An diesem Gericht haben wir happige Fälle. Darum ist es wichtig, dass sich etwas an dieser Situation ändert», sagt Meuli weiter. Am Kriminalgericht wird regelmässig Drogendealern, Gewaltverbrechern, Sex-Tätern, Pädophilen oder Mördern der Prozess gemacht. «Wir haben hier inmitten von Industrie- und Wohnquartier regelmässig Gefangenentransporte», klagt Meuli weiter.

Die Situation im Haus könnte mitunter zu bizarren Szenen führen. Laut Barbara Koch, Generalsekretärin des Kantonsgerichts, werden schwere Verbrecher zwar immer polizeilich in den Gerichtssaal geführt. Und auch während der Verhandlung sei die Polizei meist präsent. Das sei aber suboptimal, denn: «Wären die Räumlichkeiten anders, könnte man mit weniger Polizeipersonal auskommen.» Und: «Es ist nicht auszuschliessen, dass zum Beispiel Pädophile beim Hauseingang Kindern begegnen», sagt Koch weiter.

Unerträgliche Hitze

Auch der Zustand der Gerichtssäle sei nicht optimal. Die Decken seien zu tief, und weil oft viele Besucher vor Ort seien, würden Verhandlungen in stickiger Luft stattfinden, und im Sommer sei es unerträglich heiss.

Um diese Probleme zu lösen, drängt das Kantonsgericht seit Jahren auf einen Neubau. Eine Lösung ist aber alles andere als einfach: Das liegt einerseits am fehlenden Geld, zum anderen am fehlenden Raum. Vorläufig gehen also weiter Drogendealer, Gewaltverbrecher, Sex-Täter, Pädophile oder Mörder im Wohnhaus am Alpenquai ein und aus.

(dag)

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Köbi am 05.04.2019 11:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wirklich unglaublich!

    Ich frage mich tatsächlich was die reiche Schweiz mit ihren ganzen jährlichen Geldüberschüssen macht, wenn nicht in solche wichtige Infrastrukturen investieren?

    einklappen einklappen
  • Thomas am 05.04.2019 12:02 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lebenslänglich

    Verdächtige werden immer mit Kindern konfrontiert werden. Das beste ist: Einsperren und Schlüssel wegwerfen! Eine Familienangehörige von mir wurde als Kind missbraucht. Heute 50 Jahre später leidet sie immer noch an den Folgen. Auch sie hat lebenslänglich erhalten!

    einklappen einklappen
  • bro sis am 05.04.2019 11:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    versagt

    die allg. justiz in der Schweiz hat versagt und zwar in allen ebenen.

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • S@m.W am 05.04.2019 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Was ist wichtig?

    Wenn das Kriminalgericht eine so grosse Priorität hat, dann würde es nicht so lange in einer Hütte eingemietet sein

  • TheDude am 05.04.2019 17:37 Report Diesen Beitrag melden

    Überall gibts Kinder...

    Dürfen die Angeklagten denn auch im Treppehaus spielen? Nein. Fall abgeschlossen.

  • Samuel am 05.04.2019 16:59 Report Diesen Beitrag melden

    Gericht/Knast zusammenlegen

    Die (Straf)Gerichte müssten direkt bei den Gefängnissen sein, resp. darin integriert werden. Somit würden auch all die teuren und mit Risiken behafteten Transporte entfallen, da man die Verdächtigen z.B. über unterirdische Gänge direkt, diskret und sicher hin und her verschieben könnte.

  • tinu am 05.04.2019 16:28 Report Diesen Beitrag melden

    Genau hier

    ..hätten doch die rot-grünen schon lange aufschreien sollen. Aber nein, keinen Ton. Logo, sind ja ihre Patienten, welche sie dann wieder "gerade biegen" zu versuchen wollen. Mit üppigen Löhnen versehen, wie in der Asylindustrie. Wie ich schon oft sagte: Wenn ein Land zu lange wohlhabend ist, wird ein Teil der Bewohner unerträglich naiv und realitätsresistent mit schwerwiegenden Folgen.

  • huschmie am 05.04.2019 15:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Das ist nur ein Vorwand

    Die Täter sind da besser bewacht, als in einer anonymen Wohnsiedlung. Ich denke, dass dem Richter das Büro nicht gefällt. Jetzt sucht er einen Vorwand, um da wegzukommen.